Grüße aus der Urzeit

Wetterumschwung. Yippi-yippi-yeah und so. Man stelle sich das erste ‚yippi‘ noch als ausgesprochen fröhlich vor, das  zweite ‚yippi‘ schon etwas vorsichtig, als mir klar wird, dass da was nicht stimmen kann, und das  ‚yeah‘ etwa in dem Tonfall, in dem ein verurteilter Christ zu Zeiten Neros die Ankunft einer weiteren Lieferung Löwen (Güteklasse A) kommentiert hätte.

„So“, denke ich nämlich: „Endlich wirds kühler. Jetzt können wir aber in aller Ruhe schreiben. Irgendwo muss der Literaturnobelpreis ja auch herkommen“, als es plötzlich klopft.

„Aufmachen geh!“, jodelt Es vergnügt und schlurft zur Tür, während Ich und Über-Ich einen verwirrten Blick tauschen.

Ich: „Wer könnte das sein?“

Über-Ich: „Keine Ahnung. Die Inspiration vielleicht?“

Ich: „Nö, die kommt erst später. Aber vielleicht, bei dem Wetter…“

Ich und Über-Ich begreifen gleichzeitig und schreien Es hinterher: „ES! NICHT AUFMACHEN! ES IST DIE VERDAMMTE-“

Zu spät. Draußen steht eine hagere Unperson mit ungesundem Teint, blutunterlaufenen Augen und einem Gesichtsausdruck, aus dem reine, ungetrübte Bösartigkeit spricht. Also halt ungefähr so wie Maria Fekter, nur nicht ganz so grauslich. Aus ihrem Mundwinkel rinnt ein dünner Speichelfaden. Die Migräne grunzt: „Ich bin gekommen um zu bleiben“, schiebt sich an Es vorbei und pflanzt sich fett in die Schläfen.

Ich: „Oh, Mist.“

Über-Ich: „Oh Mist, oh Mist.“

Ich: „Das sagte ich schon.“

Und damit, liebe Freunde, wären wir bei der Urzeit und einem phänomenalen evolutionären Konstruktionsfehler.  Vor ein paar hundertausend Jahren nämlich, als die Schmusekätzchen noch so putzige Säbelzähnchen hatten und die meisten Ausgaben von Schöner Wohnen mit den Worten: „Entfernen sie den gigantischen Höhlenbären aus ihrem Vorzimmer“ begannen, da war es für die Sippe von großem Nutzen, wenn sie vorher schon wussten, wann ein Sturm aufzieht. Dann konnten sie sich nämlich rechtzeitig auf den Rückweg zu ihrer Höhle machen, die vergleichsweise sicher war, vom gelegentlichen Höhlenbären mal abgesehen. Zu diesem Zweck beschloss Mama Evolution: „Hm, ich könnte es doch einfach so ausrichten, dass ein paar von den Tschopperln es spüren, wenn sich der Luftdruck verändert. Aber zu viel Spaß sollten sie an der Sache nicht haben*, also…hmhm, grübel und studier… ah, ich weiß was!“ Und damit erfand das Miststück Evolution die Wettermigräne.

Was sie dabei nicht bedacht hat, ist, dass sich die Zeiten ändern. Früher hätte ich mir theatralisch an die Schläfen greifen können, auf den Horizont deuten und ausrufen: „Die Göttern zürnen! Ich spüre den Sturm naaaahen!“  Das wär zumindest cool theatralisch gewesen und später am Lagerfeuer hätt ich wahrscheinlich einen doppelten Nachschlag Mammut bekommen. Heute aber, da die menschliche Kultur den Wetterbericht erfunden hat, würd ich für so eine Nummer höchstens eine Packung Psychopharmaka kriegen. Und vielleicht eine von diesen schicken weißen Zwangsjacken.

Ganz abgesehen davon, dass in mir das Schädelweh weniger den Impuls weckt, meine Sippe Sicherheit zu bringen und dann ums Lagerfeuer zu tanzen. Stattdessen überlegt man sich ernsthaft, ob es nicht weniger angenehmer, mich mit einem Kupferstab aufs höchste Dach zu stellen und zu rufen: „Hierher, Blitziblitziblitzi! Hiiiier!“

Ginge zumindest schneller.

*an dieser Stelle dachte Mama Evolution kurz darüber nach, wie sehr die ganze Sache mit dem Sex aus dem Ruder gelaufen war und schauderte. DAS würde ihr nicht noch einmal passieren!

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2 Antworten zu Grüße aus der Urzeit

  1. alfred wassermair schreibt:

    Nun ja, eine Erklärung wär das schon, aber, wenn das so wichtig gewesen wäre, wieso haben das dann nicht alle, insbesondere Feldhamster, deren Nahrungsvorräte definitiv in Gefahr sind, wenn sie ein Platzregen erwischt, während alle Erdlöcher noch offen sind. Also ich hab den Tierarzt (Du weisst schon welchen) gefragt, Hamster mit Wettermigräne hat er kaum. Desgleichen findet sich keine erhöhte Inzidenz bei Streifen- und Backenhörnchen. Weder Paarhufer noch Katzenartige sind ihm als Migränepatienten bekannt. Und – weil ich gerade daran denke – so oft ich auch vor Wetterwechsel im Pesenbach nach Fischen schaue, nie hab ich eine Plötze gesehen die sich mit den Flossen den Kopf hält und für die kanns richtig arschig werden wenn schlagartig der Wasserspiegel steigt, da sitzt sie dann nämlich in der Donau weil sie der Strömung nicht standhält. Deine Theorie scheint nicht die nötige Allgemeingültigkeit zu haben tut mir leid.

  2. sillysilentium schreibt:

    Schon, aber samma uns ehrlich – ein Hamster, der das Pfötchen dramatisch auf die Stirn legt und seufzt: „Weh mir, weh mir, es kommt ein Sauwetter!“, den kann ich auch nicht wirklich ernst nehmen. Ich meine, wirklich jetzt.

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