Vom Reichsadler im Müsli

Nun, Großtante Hilda ist mir nicht erschienen und hat mich auch nicht mit einem geisterhaften Hühnchen gehaut. Dafür hab ich von Leopardenschnecken-Steaks geträumt und von einer theologischen Diskussion mir Arnold Schwarzenegger. Muss ich auch nicht unbedingt jede Nacht haben.

Beim Frühstück stelle ich dann wieder Mal fest, dass die Grundausstattung in diesem Haus wirklich schon ein bisschen älter ist. Als ich nämlich fröhlich mein Müsli mampfe und mir vom Grund der  Schüssel vorwurfsvoll der Reichsadler entgegenschaut.

„Hm“, mache ich: „Ich glaub, ich hab grad Wiederbetätigung mit Rosinen begangen.“

Der Vater beäugt die Schüssel ebenfalls: „Sollen wir’s an die Rosenkranz verkaufen?“

Ich: „Wir können ja behaupten, dass es zum Porzellanservice im Führerbunker gehört hat.“

Vater: „Ja, sehen Sie nicht die Schleifspuren am Rand? Die stammen von Hitlers Bärtchen höchstselbst. Der Führer schlürfte immer direkt aus dem Geschirr, wissen Sie?“

Ich betrachte die Schüssel genauer, entdecke tatsächlich Schleifspuren und beschließe, heute doch lieber beim Tee zu  bleiben.

Ich  genehmige also einen genüsslichen Süffler aus der Tasse, denke mir: „Komische Struktur“ und stelle dann fest, dass der Pfefferminztee milchweiß und leicht bröckelig ist. Der anschließende semi-hysterische Anfall  meinerseits legt sich erst wieder, als das grausliche Bröckelzeugs nur daher rührt, dass das Wasser heute ungefähr so kalkhaltig wie die Kalkalpen an einem besonders kalkigen Tag ist. Vielleicht sollt ich ab jetzt jedes Mal ein Calgonit mit in den Teebeutel hineingeben, das wär zumindest konsequent.

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5 Antworten zu Vom Reichsadler im Müsli

  1. Brigitte schreibt:

    Rosinen sind auch durchaus unseriöses Exobst und von daher hätt ich mir so eine Schlagzeile schon viel früher erwartet.
    Aber andere Frage: Wenn ich als Opfergabe und im Tausch meine Plastikmarienflasche mit original Lourdesquellwasser mitbrächte, dürft ich dann vorbeikommen und schaun, was ich in dem Haus so find?

    • sillysilentium schreibt:

      Wenn du Mal nach Vorarlberg kommen willst, Beste, dann bist du mehr als willkommen und kannst das Haus vom Dachboden bis zum Keller ausräumen. Ich glaub, hier stehen allein in den zwei Wohnungen fünf Kleiderschränke voll mit altem Kleidungszeugs und vom Restklumpert fang ich gar nicht an.

  2. Brigitte schreibt:

    Ich bin so definitiv auf der falschen Seite der Jäger- und Sammlerentwicklung entstanden.

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