Von Gschmotta und dem Stiefmütterchen im Abgang

Ich hab ein neues Wort gelernt! Ich hab ein neues Wort gelernt! Die Nachbarin meiner Großmutter (obwohl, Großmutter residiert schon seit Jahren in OÖ, also besser: die Nachbarin des Großmutter-Hauses) heißt Helma, macht die besten Käsknöpfle des Planeten und ist insgesamt eine absolut formidable Person. Besonders lieb hab ich sie aber deshalb, weil sie irgendwann gemerkt hat, dass ich eine kindische Freude an kuriosen Vorarlberger Dialektbegriffen habe und sie seitdem für mich sammelt. Jedes Mal, wenn wir zu Besuch kommen, kramt sie ein oder zwei neue Fundstücke für mich aus ihrer Schürzentasche. Meist sind die Wörter knorrig und verschlungen wie die Wurzeln eines alten Birnbaums, aber liebevoll von vielen Generationen Hochland-Zungen auf Hochglanz poliert. Ein so ein Wort reicht oft, um mein Hirn für Tage satt und glücklich zu machen. Dieses Mal sind es zwei sehr schlichte Gebilde, jeweils nur zwei Silben, aber ich liebe sie jetzt schon inniglich.

„Gschmotta.“

„Lalli.“

Jetzt wollt ihr sicherlich auch wissen, was Gschmotta und Lalli heißen, nicht wahr? Aber so einfach, liebe Freunde, geht das nicht. Man kann so ein Wort nicht einfach im Internet hingeknallt kriegen, kurz drüberlesen, vielleicht grinsen und dann schon wieder an was anderes denken. Das hieße, einen erstklassigen Zweigelt aus Pappbechern trinken. Nichts da. So ein Wort will auf der Zunge gerollt und gekostet werden, will sich an den Gaumen schmiegen und hat irgendwo im Abgang vielleicht sogar eine blumige* Note.

Also, liebe Freunde, kostet und ratet. Die Kommentare stehen offen, ich will eure Vermutungen hören. Wer eines errät (oder es mit der Muttermilch eingesaugt hat, weil heißes Vorarlbergerblut in seinen Adern pocht) kriegt eine höchst lobende Erwähnung. Vielleicht schreib ich sogar einen Limerick zu seinen/ihren Ehren.

*Wobei ich mir immer denke, dass das aus floristischer Sicht schon saumäßig verallgemeinernd ist. Oder unterscheidet der echte Weinkenner vielleicht zwischen pegonischem und türkenbundlilieneskem Abgang? Sprach jemals ein Conaisseur: „Dieser Sauvignon Blanc hat eine reizende Gänseblümchennote, mit einem Hauch von Petunie?“ Und was, wenn ein Rosé überhaupt nicht Rose ist, sondern Stiefmütterchen? Ich frag ja nur.

Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

24 Antworten zu Von Gschmotta und dem Stiefmütterchen im Abgang

  1. Urs schreibt:

    Mein Tipp:
    Gschmotta is irgendwas kulinarisches. A Brotaufstrich oder so. Oder a leckeres Sonntag-Mittag-Essen.

    Und a Lalli is glaubi a Dodl.

    Und, stimmts?

  2. sillysilentium schreibt:

    Und wir haben eine erste Gewinnerin! Der Lalli ist in der Tat ein Dodl, während die weibliche Form, eine Blunzusagenen soz, eine Lalla ist. Gschmotta hängt zwar im entferntesten mit übertriebener Kulinarik zusammen, aber essen kann man’s nicht. 😀

  3. Jürgen schreibt:

    Bierbauch?

  4. Jürgen schreibt:

    Scheiße?

  5. Jürgen schreibt:

    Hab im Internet das Wort „Geschmatter“ gefunden, kann aber auch damit nicht viel anfangen; das auch nicht grade hochdeutsche Wort „Gatsch“ trifft es wohl am ehesten?

  6. Jürgen schreibt:

    Na, dann probier ich´s auf Akinator-Art:
    Hat Gschmotta direkt etwas mit dem menschlichen Körper zu tun?

  7. Jürgen schreibt:

    also „gschmotta“. Ist es ein Zustand, der durch gesondere Behandlung von Nahrunbgsmitteln erreicht wird?

  8. Jürgen schreibt:

    Bezieht sich das Adjektiv für gewöhnlich auf Menschen?

  9. Jürgen schreibt:

    Auf angreifbare Dinge?

  10. Jürgen schreibt:

    Wird das Wort eher positiv assoziiert?

  11. Jürgen schreibt:

    Würde ich mich wahrscheinlich vor einem Ding ekeln, das geschmotta ist?

  12. Jürgen schreibt:

    Ich geh jetzt 3 Tage Radfahren, natürlich ohne Internet. Vielleicht möchte ein anderer Leser nachfragen, oder BIN ICH WIRKLICH DER EINZIGE, DER WISSEN MÖCHTE, WAS DIESES SAUBLÖDE WORT BEDEUTET?

  13. sillysilentium schreibt:

    Du bist halt der wahre Wissenschaftler unter der Leserschaft. :-)Viel Spaß beim Radfahren! Wo geht’s denn hin?

  14. Jürgen schreibt:

    BRAUNAU (nicht nur!).

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.