Von Stoffhasen und dem Schwarzmarkt

Wir waren heut im Museum für Moderne Kunst in Bregenz, aber nicht aus Absicht.* Es war halt die Ausstellung über Unfallchirurgie, in die wir eigentlich wollten, schon zu, das Naturhistorische wird grad umgebaut und ein kleiner Stadtspaziergang war ausgeschlossen, weil keiner von uns seine Tauchausrüstung dabei hatte.

Was haben wir heute wieder mal gelernt, liebe Freunde? Sarah + Moderne Kunst = gehtsichnedaus.
Am Anfang war’s ja noch ganz lustig, weil einer der Ausstellungsräume nur über eine Feuerwehrrutsche zu erreichen war und ich leicht zu haben bin, wenn mir jemand Ausrede gibt, in einem öffentlichen Gebäude „Yeee-ha!“ zu schreien. Und wir mussten zum rutschen die Schuhe ausziehen und konnten dann barfuß herumrennen, worauf ich dann nochmal „Yee-ha!“ gerufen hab, diesmal aber nur sehr, sehr leise.
Die Kunstausstellung hatte dann allerdings den essentiellen Nachteil, dass die tatsächlich darauf bestanden haben, Kunst auszustellen.

„Yupp!“, sage ich: „Eindeutig Kunst. Würd ich überall erkennen. Steht auf einem Podest und hat so ein kleines Schild und alles.“
„Ja“, sagt der Bruder: „Unverkennbar Kunst. Und außerdem ist es eine Languste aus Plastik.“
„Aber jemand hat sie silbern angemalt. Sowas von Kunst.“
„Eh.“

Das sind die Momente, wo ich mir dann einfach eingestehe, dass mein Horizont zu beschränkt ist, um moderne Kunst zu verstehen. Irgendwie SPRICHT diese silberne Plastiklanguste nicht zu mir. Genau so wenig wie der überaus hässliche braunen Wandteppich mit den orangen Streifen drauf und den Mickey-Mouse-Ohren. Das Ding aus zusammengepickten Drähten und alten Kartons hat mich in schwere Verwirrung gestürzt, weil die anscheinend kein Podest gehabt haben, das groß genug war, und ich nicht ganz sicher war, ob ich nicht grad aus Versehen fachkundig einen Berg Verpackungsmaterial begutachte. Aber ich hab dann zum Glück das Schild gefunden, also war’s eindeutig Kunst.

Ein Podest allein reicht nämlich sowieso nicht.

Ehrlich.

Es könnte da nämlich, rein theoretisch, ein paar technische Geräte und so auf einem Podest stehen und, rein theoretisch, mit einem roten Band abgesperrt sein. Und dann könnte es passieren, also wirklich nur rein theoretisch, dass jemand fünf Minuten davorsteht und die Allegorie auf das ultimative Verschwendungszeitalter und/oder unser Leben in der Matrix zu entschlüsseln versucht, bevor ihr Bruder zu ihr tritt und sagt: „Das gehört zur Haustechnik.“

Memo an mich: Podest irreführend. Auf das Schild kommt’s an.

Mein Vater sieht das nicht so simpel wie ich und meint angesichts eines unsäglich hässlichen Stoffhasens, der an Syphilis zu leiden scheint und den man nicht mal einem blinden Patenkind schenken würde: „Da seht ihr es, Kinder. Große Kunst kann alles sein, solange jemand dafür bezahlt.“
Jo betrachtet ebenfalls den Hasen und grummelt: „Schon. Aber das Ding ist so grauslich, das würd ich nicht mal steheln. Da lacht mich der Dealer ja aus und schenkt mir zum Trost ein Zuckerl.“
Und damit liebe Freunde, haben wir die Unterscheidung:

– KUNST entsteht, indem man ein Schild** davorstellt,
– für GROSSE KUNST hat schon mal jemand bezahlt und
– WAHRE KUNST ist am Schwarzmarkt auch noch verkäuflich.

Noch Fragen?

*Was mich an die hinreißende Anekdote eines Freundes erinnert, der eines Tages seinen kleinen Sohn aufgeklärt hat. Der Kleine lauschte den Ausführungen seines Vaters, wie Männlein und Weiblein die gewisse kompatible Körperteile zum Einsatz bringen, und rief dann mit ehrlichem Entsetzen aus: „Aber doch nicht mit ABSICHT?!“

** ausgenommen Straßenkreuzungen und pathologische Exponate. Podest ist optional.

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