Von Vätern, Töchter und Vorträgen

Wir haben ja gestern noch einmal eine  Zwischenstadtion im Großmutter-Haus in Vorarlberg gemacht und die Mutter wollte bei der Gelegenheit noch ein wenig dem Staub zu Leibe rücken. Weil wir ihr bei dieser – mit unglaublicher Brutalität und militärischer Präzision ausgeführten – Unternehmung nur im Weg wären, scheucht sie also Brut und Vater der Brut zum Schuhkauf.

Von wegen „Die sind bei euch allen durchgelaufen, ihr unzivilisierten Unholde, und im Kaff soundso gibt es ein Schuhgeschäft, wo ihr eure füßliche Blöße trefflich bedecken könnt.“ Ich paraphrasiere, versteht sich.

Was ich leider NICHT paraphrasiere, ist der folgende Dialog, mit dem Vater und ich eine arme Schuhverkäuferin in Verwirrung stürzen und wieder einmal beweisen, warum man uns wirklich nicht beide gleichzeitig auf die Menschheit loslassen sollte.

Sarah: „Daaaa! Die nehm ich!“

Verkäuferin: „Oh, ja, dieses Modell ist sehr elegant und…“

Sarah: „Die schreien direkt ‚Ich backe Lebkuchenhäuser und fresse kleine Kinder‘. Ideal!“

Denn seien wir uns ehrlich, der Lebkuchen-back-und-kleine-Kinder-Fress-Faktor ist eines der Hauptkriterien, nach denen ich dieser Tage meine Kleidung aussuche. Der Vater nickt dazu wohlmeinend, hat aber einen Einwand.

Vater: „Ganz schön hohe Absätze.“

Ich lege die fingerkuppen in bester Mr.-Burns-Manier zusammen und kichere böse.

Ich: „Damit ich von oben auf die Gfraster herabschauen kann, bevor ich sie in den Ofen stecke!“

Vater: „Ich nehme an, du willst jetzt keinen orthopädischen Vortrag über hohe Absätze, oder?“

Ich: „Nope.“

Der Vater liefert natürlich trotzdem einen orthopädischen Vortrag über hohe Absätze. Weil er halt mein Vater ist und wir beide grundsätzlich unfähig sind, der Versuchung zu einem impromptu-Vortrag zu wiederstehen.  (Ob wir von dem jeweiligen Thema auch nur die geringste Ahnung haben, ist dabei im übrigen völlig zweitrangig.)    Und weil ich nun mal sein Fleisch und Blut bin, kontre ich instinktiv mit meinem eigenen orthopädischen Vortrag über hohe Absätze und wechsle mittendrin die Richtung hin zum Historischen, während die Schuhverkäuferin versucht, irgendwie wieder Herrin der Lage zu werden.

Schuverkäuferin: „Sehen Sie, die haben ganz besondere Einlagen-“

Wir hören sie allerdings schon gar nicht mehr, weil wir mittlerweile bei der Frühgeschichte des hohen Absatzes angekommen sind und uns gegenseitig erzählen, wie die ursprünglich von mongolischen Reitern erfunden worden sind, um besseren Halt am Steigbügel zu haben, und wie sie dann im 16. Jahrhundert auch in Europa aufgetaucht sind und…

Verkäuferin, mit dem Ausdruck echter Verzweiflung: „UND IMPRÄGNIERT SIND SIE AUCH!“

Ihr Leid holt mich wieder in die Wirklichkeit zurück. Ich unterbreche mich hastig bei meiner Ausführung zum Thema ‚Hoher Absatz während der Französischen Revolution’*, werde knallrot und piepse: „Sind schöne Schuhe. Wirklich.“

Woraufhin die Verkäuferin erleichtert lächelt und uns zur Kasse führt, während Vater und ich einen vage schuldbewussten** Blick tauschen. Die arme Frau.

*okay, hier darf ich aber: Während der französischen Revolution haben sie die hohen Absätze völlig abgeschafft, weil sie ein Symbol für den verhassten Adel waren.

** Okay, MEIN Blick war vage schuldbewusst. Papa muss für sich selber sprechen.

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4 Antworten zu Von Vätern, Töchter und Vorträgen

  1. Razorback schreibt:

    Ich VERSUCHE gerade, mir Sillysilentium mit Highheels vorzustellen. Oder mit irgendetwas, das sich mit viel bösem Willen als Highheels interpretieren läßt. Und dann versuche ich mir vorzustellen, was ich sie dazu fragen kann. Und dann versuchte ich ihre Antwort zu antizipieren… aber was sollen die Versuche. Tragen wir es ins wahre Leben. Muahahahaha…

    • sillysilentium schreibt:

      Dear, es wird dich schockieren, aber… ich trag schon seit Jahren regelmäßig hohe Absätze, vor allem bei Geschäftsbesprechungen. Es ist nämlich soooo nett, wenn man von seinem Gegenüber nicht nur die Nasenlöcher sieht. Ganz abgesehen davon mag ich das Geräusch, dass Absätze auf Asphalt machen – das ist so hübsch filmisch.

      • Razorback schreibt:

        Dearest, ich sagte Highheels. HOHE ABSÄTZE habe ich an Dir schon gesehen. HIGHHEELS würden Teile meines Weltbildes erschüttern. 😀

      • sillysilentium schreibt:

        Seien wir uns ehrlich, High-Heels würden zwar bei dir auf eine Weltbilderschütterung hinauslaufen, bei mir aber auf eine gehirnige solche.

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