Von seltsamen Filmen und allgemeinem Frohsinn

Und weiter geht’s mit der idyllischen Filmschauerei, zwischendurch amüsier ich mich noch ein bisserl über die mails, die ich dieser Tage so bekomme. Wenig Dinge so befriedigend wie Hassmails von Rechten, weil das heißt, dass man jemanden geärgert hat, der’s verdient, geärgert zu werden. Nennt mich bösartig, aber ich hab eine perfide Freude daran.

Viel mehr gefreut hab ich mich allerdings noch über die maill von meiner ehemaligen Mathslehrerin, die in der Zeitung von der ganzen Blutspenderei gelesen hatte und die Sache gut fand. Ich glaub, es gibt einfach Lehrer, von denen lechzt man noch nach Lob, wenn man schon seit fünfzig Jahren maturiert hat – die Frau gehört eindeutig dazu.

Also, wo war ich? Genau, Filme.

FOUR LIONS: http://www.imdb.com/video/imdb/vi441779225/
Eine kleine Gruppe von britischen Islamisten, die einen kleinen Jihad anzetteln wollen und sich dabei so patschert anstellen, dass Sätze fallen wie: „I think we just martyred a sheep.“
Großes Kino.
Also, zumindest die Hälfte, die ich gesehen habe. Als ich nämlich an dem Bahnsteig zur S-Bahn kam, war eine mordsmäßige Schlange vor dem Fahrkartenautomaten, der Zug fuhr schon ein und ich habs nicht geschafft, mich zum schwarzfahren zu zwingen. Manche Tabus sind einfach zu tief eingegraben in meine kleine unterwürfig-oberösterreichisch-landeiige Seele. Die ersten dreißig Minuten des Films fehlen mir also, aber ich gehe davon aus, dass auch die brilliant waren. Den Film will ich auf DVD. Ohne Widerrede und Kompromisse.

METROPOLIS: http://www.imdb.com/video/screenplay/vi3641640729/
Naja, schaut’s euch den Trailer an – optisch ist das Ding absolut einmalig. Wenn die Story mitziehen würde, würd es allerdings auch nicht schaden – stattdessen ist das ein plumpes quasi-matrixiexkes Zukunftsgedöns mit einer einzigen neuen Idee (Gehirnwäsche mit Anti-Schuppen-Shampo) und nur einer Sache, die für den Helden spricht: dass er am Ende einen Goldfisch rettet.
Ehrlich, für eine wirklich ergreifende Story brauchts ein bisserl mehr.

WILD HUNT: http://www.kino-zeit.de/filme/trailer/the-wild-hunt
Fantasy-Rollenspiel-Camp goes Lord of The Flies.
Hat wahrscheinlich ein zehntel von dem gekostet, was die in Metropolis gesteckt haben und die meiste Zeit laufen Leute in lächerlichen Kostümen herum und nennen sich ‚Björn der Wikinger’… aber wisst ihr was? Ich war restlos begeistert. Weil die Schauspieler nämlich durch die Bank hervorragend waren und das Drehbuch gleichzeitig tieftraurig und zum schreien komisch war. Jede einzelne der Figuren, egal wie lächerlich, hatte eine absolute Tiefe, glaubwürdige Motivationen und ihre persönliche Tragik.
Mein Lieblingssatz? „Mexican Vikings. You just can’t rely on them.“
Und die vorletzte Szene war so tragisch-schön, dass es einem fast das Herz gebrochen hat. Viele Sternchen.

Ich muss sagen, das FFF macht sich bisher ziemlich gut. Sechs Filme bisher gesehen, von denen vier wirklich exzellent waren (Tucker and Dale vs. Evil, Wild Hunt, Chatroom, Four Lions) einer so naja (Metropia) und einer grotesk schlecht (Black Death). Also, zwei geniale Kanadier und zwei geniale Briten, ein mittelmäßiger Skandinavier und eine Deutsch-Britische Missgeburt. Kein schlechter Schnitt. Mal sehen, wie die heutigen so sind…

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3 Antworten zu Von seltsamen Filmen und allgemeinem Frohsinn

  1. razorback schreibt:

    Ja, ich bin auch sehr positiv überrascht. Eigentlich hatte ich vom diesjährigen FFF, nach Durchsicht des Programms, nicht mehr viel erwartet, und objektiv mag das Angebot auch durchaus schlecht sein, mit „Hillbillys schlachten Städter“ 1022 bis 1054 (ausgenommen selbstverständlich die geniale Kommödie „Tucker & Dale…“) und „Noch’n blöder Vampirfilm“ 322 bis 334. Besonders erbärmlich dann die Ankündigung des deutschen Genrenachzüglers „Wir sind die Nacht“ in dem reiche junge Vampire (Zitat) „saufen, fressen und vögeln ohne dick und schwanger zu werden“. Wow, darauf hat die Welt gewartet. Ich will ENDLICH mal wieder RICHTIGE Vampire, die Gefühl- und Begierdefrei sind, abgesehen von einem brutalen Hunger nach Blut. Ich will Dämonen! Verdammt noch mal!

    Aber zurück zu Sillys Analyse: Ja, wirklich, von „Black Death“ abgesehen noch keinen Griff ins Klo getan (ich habe „Four Lions“ nicht gesehen, dafür „The Scouting Book for Boys“ – toller Film nur leider auf dem falschen Festival). Und neben in „Metropia“ spricht neben seiner Fischfreundlichkeit auch für den Protagonisten, dass er WestHamUnited-Supporter ist. DIR mag das ja egal sein. MIR nicht!

    Heute Abend treten wir zum ersten und einzigen Mal bei diesem Festival gegeneinander an. Im letzten Jahr habe ich diese Vergleiche ausnahmslos verloren. Ich wünsche Dir ja nichts Schlechtes, aber… 😉

  2. Brigitte schreibt:

    Ich will the wild hunt sehen! Und ich will mal mit dir auf ein Liverollenspiel gehen. (Eigentlich will ich da glaub ich mit dir und Razor hin, aber da sich meine Bekanntschaft mit dem Herrn bisher nur auf diverse Kommtarfunktionen beschränkt, kommts mir ein wenig unhöflich vor, ihn ungefragt und irl-unbekannt in meine momentane pfoa-ey-das-wär-a-gaudi- Euphorie einzubeziehen. Und ich mutiere grade zu einem eigenartigen Dialektbastard…Ey…)

    Anti-Schuppen-Shampoo funktioniert wahrscheinlich nicht, aber da sich der Mythos, dass Haarbleiche die Gehirne ungeborener Kinder schädigen könne hartnäckig hält, könnte man vielleicht in dieser Richtung weiterarbeiten und endlich die Weltherrschaft an sich (also an mich) reißen.

    Viel Glück für heute abend, möge der bessere Filmriecher gewinnen.

  3. Razorback schreibt:

    Nachtrag: Tja, unser kleines Duell. Da standen wir also im Abendgrauen am künstlichen See des Mediaparks, die bezaubernde Silly mit einem schweren Säbel aus dem 17. Jahrhundert, ich mit einem uruguayischen Kurzschwert, das so unglaublich böse aussah, dass ich vor Angst dauernd die Augen geschlossen und krampfhaft damit herumgefuchtelt habe. Als ich sie wieder zu öffnen wagte, lag da die liebe Freundin blutend am Boden und ich hatte gewonnen. Die Sekundanten riefen „die wird gleich wieder“ und ähnlich beruhigendes Zeug, also setzte ich mich ins Kinocafe, trank eine Tasse desselben, bis die gänzlich wiederhergestellte Silly hinzukam und wir uns aufmachten, uns durch Einwerfen eines Salates für den Spätfilm zu stärken.

    Oder kurz: Ich habe den besseren Film gesehen. Er war allerdings so ungemein beängstigend, dass ich das Gefühl, gerade wirklich gutes Kino gesehen zu haben, erst im Nachhinein genießen konnte. Er hieß „The Silent House“, echter Horror, zu 99 Prozent im Kopf, kein Splatter, nur ein Schock, überraschendes, verstörendes Ende, sehr guter Film. Sie sah „Solomon Kane“, der wohl eher mittelmäßig war, aber dann auch wieder nicht schlecht oder ärgerlich.

    Die Vorstellung mit dem LARP-Camp ist grandios, bin dabei. Darf ich den Wind-Messenger-Spell einsetzen? 😀

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