Von leeren Häusern, Katzen und Powidl

Jacob und ich haben uns drauf geeinigt, dass wir trotz deadlinetod morgen wieder einen freien Tag einlegen, weil sonst unsere Gehirne spontan explodieren werden. Eine interessante Entwicklung, die sich mit dem Büro ergeben hat, ist nämlich, dass wir plötzlich so etwas wie geregelte Arbeitszeiten entwickelt haben und tatsächlich jeden Tag von morgens bis abends brav dasitzen und Plots konstruieren. Wer hätt das gedacht? Es sind nicht immer beide da – manchmal steh ich früher auf und schreib schon seit zwei Stunden, wenn Jacob auftaucht, ein andermal komm ich ins Büro und find schon ein frisch ausgedrucktes, nigelnagelneues Exposé an meinem Schreibtisch und einen selbstzufrieden grinsenden Co-Autoren auf seinem. Punkt ist, dass wir plötzlich so produktiv sind wie nie – was bei den dräueenden Deadlines auch keine schlechte idee ist – aber auch aufpassen müssen, dass wir’s nicht übertreiben. Siehe spontane Hirn-Explosion u.Ä.

Also bin ich aus einem Impuls heraus nach dem Büro nicht in meine Wohnung gefahren, sondern zum Bahnhof – einen Tag Oberösterreich einlegen, die Familie sehen, Mamas frische Powidl kosten, im Herbstwald laufen gehen. Solche Dinge halt. Hauptsächlich aber Familie sehen, weil das wahrscheinlich meine letzte Gelegenheit dazu ist, bevor ich mich für zwei Wochen nach Japan verkrümle. Ich mag ja ein zynisches kleines Bösding sein, aber hin und wieder ein bisserl Familie und so, das braucht es schon.

Als ich hier ankomme, stelle ich dann fest, dass das Haus ausgestorben ist. Dass meine Eltern auf Betriebsausflug sind, wusste ich, dass Michi irgendwo unterwegs sein wird, hab ich geahnt und dass Jo den Abend auswärts verbringt war zumindest im Bereich des Möglichen. Tja.

Wer da ist, das sind meine drei Katzen, die mich mit wildem Maunzen empfangen haben. Wobei ich natürlich nicht so naiv bin, zu glauben, dass das: „Oh mein Gott, wir haben dich vermisst!“, bedeutet. Die wörtliche Übersetzung aus dem Großen Maunz lautet wahrscheinlich eher: „Knie nieder, Sklavin, und dann steh wieder auf, damit du uns füttern kannst! Oder füttere uns halt im knien, aber füttere uns jetzt endlich!“
Dennoch, die Katzen sind da und sie sind warm und lebendig und auch eine Form von Familie, also beschwer ich mich nicht.

Und außerdem riechts irgendwo nach frischem Powidl.

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