Von beunruhigender Recherche

Weil man bei einem Drehbuch über die Pharmaindustrie halt zumindest ungefähr wissen sollte, wovon man so redet, bin ich heute in die Stadtbibliothek gewandert und hab das halbe Regal über Psychopharmaka leergeräumt. Daheim hab ich mich dann mit einem Tässchen Tee und einer Schüssel Porridge* auf die Couch gepflanzt und beginnen, mich ein bisschen in Wirkung von Neuroleptika einzulesen. Etwa eine halbe Stunde später bekam Jacob einen ziemlich hysterischen Anruf.

Sarah: „Ich hab eine Aufgabe für dich! Eine wichtige!“
Jacob: „?“
Sarah: „Sollte ich jemals endgültig austicken – und seine wir uns ehrlich, der Tag kann und wird wahrscheinlich kommen – dann hältst du jeden von mir fern, der mir irgendwelche kleinen weißen Pillen geben will.“
Jacob: „???“
Sarah: „Egal, wie durchgedreht ich bin – sogar, wenn ich mich für Godzilla halte und mit einer Jungfrau unter jedem Arm auf den Stephansdom klettern will – die geben mir nicht mal ein Aspirin. Schieß im Notfall auf den Psychiater!“
Kurzes Schweigen am anderen Ende.
Jacob: „Dieses Projekt macht interessante Dinge mit deiner Psyche.“
Sarah: „Ach, WIRKLICH???“

Nichts gegen Psychopharmaka im Allgemeinen, ich bin sicher, sie sind nützliche, fromme Mitglieder der Medikamentengesellschaft und alles. Nur gibts da halt die möglichen Nebenwirkung von Gefühlsabstumpfung und Ideenarmut, was für einen Schreiberling völlige Arbeitsunfähigkeit bedeuten würd. DAS nenn ich mal ein Alptraumszenario: einfach nicht mehr schreiben können. Nicht motorisch, sondern hirnmäßig, und zwar bei vollem Bewusstsein.
Sollte ich mal zufällig wahnsinnig werden, dann sperrt in eine Gummizelle, gebt mir nur Papier ohne scharfe Kanten und besonders weiche Wachsmalkreiden, aber bleibt mir bloß mit der chemischen Un-Schreibseligkeit fern. Daneben klingen ja die meisten Ideen vom Marquis de Sade wie flauschig-rosige Sonntagsidylle.

Ich glaub, für heute lass ich’s mit der Recherche sein und schau mir lieber ein paar Folgen Battlestar Galactica an. Besser für die Nerven

*Aber, bittschön, kein dahergelaufenes Hafergeschlotz, sondern ein wassermairsches Edelporridge mit Vanille, Tonka und einem Schuss Rosenwasser. Merke wohl: Wenn man schon zu wirrhirnig ist ist, zum Abendessen irgendetwas anderes als trockene Haferflocken einzukaufen, dann sollte man zumindest Gewürze im Haus haben.

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4 Antworten zu Von beunruhigender Recherche

  1. sarah pszeida schreibt:

    hach..zum thema psychopharmaka hät ich ja eine meinung. (fraglich allerdings, wie relevant fürs drehbuch..)
    und ich gebe die hoffnung nicht auf und warte auf die psycho-frageliste!

  2. Sarah Wassermair schreibt:

    Und die Meinung zu Psychopharmaka wäre? (Ernst gemeinte Frage, weil ich grad versuch, mir aus diversen Quellen eine eigene zu bilden, weil’s so konträre Standpunkte gibt.)

    Und glaub mir, früher oder später kommt die frageliste, dem entkommst du nicht. Ich muss zuerst nur genug wissen, um zu wissen, was ich fragen muss. 😀

  3. Razorback schreibt:

    Ich musste gerade an die Modedroge Retardi… verzeihung Retalin denken, die man Kindern gibt, damit sie hübsch normal sind. Gut… zu meiner Zeit gabs das noch nicht. Und ich bezweifle auch, dass meine Eltern es mir verabreicht hätten. Die fanden es zwar etwas strange, dass ich beim Malen und Schreiben immer so komisch herumhüpfte und zappelte, aber es war ja offensichtlich ungefährlich. Wenn sie aber nicht so entspannt gewesen wären – wer weiss, wo ich heute wäre. Mich gruselt…

    Und übrigens: Sieh da – die Dame HAT Tonka??? 😀

  4. Sarah Wassermair schreibt:

    Ritalin… ganz eigene Sache. Gaaanz eigene Sache.

    Die Dame hat ja auch nie bestritten, Tonka zu haben. Sie ist immer nur zu wurschtelhirnig, es mitzubringen. 😀

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