Postkarten aus Japan IV

Sie moegen ja Wale essen und ein moerderisches schulsystem haben und so weiter, aber jessas na, die leute hier sind schon gruselig freundlich. Ich weiss jetzt, wie man sich hier ohne strassennamen orientiert: Zum einen, weil ueberall sehr uebersichtliche karten herumstehen und man anhand der u-bahn-stationen und grosser gebaude navigieren kann. Und zum anderen deshalb, dass man, wenn man sich doch einmal verlaufen haben sollte, nur fuer etwa zweieinhalb sekunden mit der karte in der Hand dastehen und verwirrt dreinschauen muss, bevor irgendwer herbeigerannt kommt und fragt, ob er einem helfen kann. Und wenn man zu bloed ist, der wegbeschreibung zu folgen, dann bringen sie dich auch schon mal einfach hin. Und aussserdem: ich weiss, dass diese Dauerlaechlerei ein kulturelles ich-verberge-meine-wahren-gefuehle-ding ist und anerzogen und yadayadayada, aber… fuer die wiener psyche ist das dermassen ungewohnt, dauernt angelaechelt, angegrinst und angestrahlt zu werden, dass einem davon ganz flauschig in der psyche wird. (Ich glaube, der fachbegriff in der psychologie dafuer ist „love bombing“, eine art der hirnwaesche durch andauernden positiven emotionalen input.Raffiniert, raffiniert.)

Zum anderen haben die Japaner allerdings Natto erfunden, und dafuer verlieren sie wieder extrem an punkten, da koennen sie grinsen, was sie wollen. Wir waren gestern mit zwei sehr lieben japanischen Maedels – Yuki und Tomo – essen, die Petra uebers sofasurfen kennengelernt hat, und die haben das bestellen fuer uns uebernommen, auf dass wir arglosen touristen einmal die wirklich interessanten dinge zu gesicht bekommen moegen.

Es sah so harmlos aus, das Nat to: nur bohnenbrei in einem sushiroellchen, braeunlich und allgemein unscheinbar. Ich haett es ahnen muessen, als yuki und tomo denselben unschuldigen gesichtsausdruck aufgesetzt haben, mit dem oesterreicher anderen nationalitaeten kutteln servieren. Ich haett es WISSEN muessen, als sich beim abheben des Nattoroellchens schleimfaeden gezogen haben.

HOLY CRAP, waren die vielleicht grauslich.

Ich sags euch, wenn ich eines tages in hohem alter werde (weil ein fallschirmspringenes rhinozeross auf mich drauffaellt, beispielsweise) und wenn ich dann sterbend daliege (unter dem rhinozeross) und zurueckblicke auf mein langes und erfuelltes leben und dieses leben enthaelt nach dem gestrigen Tag nicht das geringste natto, ist quasi ab fuerderhin absolut natto-frei – wahrlich, dann werde ich frohlocken. (Aber wahrscheinlich nicht sehr lang, weil ich ja immer noch unter einem rhinozeross liege.)

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3 Antworten zu Postkarten aus Japan IV

  1. Brigitte schreibt:

    Der Gipfel der Gastfreundschaft ist also fürderhin, dir explizit KEIN natto anzubieten. Krieg wenigstens auch ich als untermittelgute Köchin hin…

  2. Sarah Wassermair schreibt:

    Wahrlich, dearest – gib mir ABSOLUT KEIN Natto und ein Glas Wasser, dann bin ich fuer den Tag versorgt.

  3. Jürgen schreibt:

    Zuerst dachte ich an Schnecken, aber nein … bloß vergorene Sojabohnen!

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