Sarah und die Rechten Recken

Der Rechte Recke – der im Übrigen ein anderer Rechter Recke ist als der von vor zwei Wochen – hat mir heut morgen zurückgeschrieben.

Er: „was glaubst du wieso ich dieser Gruppe beigetreten bin? Bei einer Pro-Strache Gruppe so etwas zu schreiben ist leicht. Das bisschen Schreiben kann jeder machen. Aber bei einer Gruppe, die zu 100% aus Asylantenfreunden besteht, ist das deutlich interessanter. Sich diese sinnlosen Argumente anzuhören wieso es gut ist dass Asylanten in Österreich sind kotzt mich an. Wieso gehst du nicht ins südost-europäische Ausland? Vielleicht kommst dann endlich drauf, dass fremde nirgends gerne gesehen sind.“

Worauf ich mir ans Hirn gegriffen und etwa vier verschiedene Antworten verworfen hab, weil sie Ausdrücke enthielten, die ein zumindest theoretisch wohlerzogenes Mädchen nicht verwenden sollte. Ein winziges bisserl patzig bin ich dann allerdings schon geworden.

Ich: „Wenn du der Gruppe beigetreten bist, weil du dir so gerne unsere sinnlosen argumente anhörst – was beschwerst du dich dann, wenn du sie zu hören bekommst? Hast du erwartet, dass wir uns tief betroffen ans Herz greifen und sagen: „Oh, da ist jemand von der anderen Seite unserer Gruppe beigetreten! Da werden wir jetzt schleunigst aufhören, sie als Verteiler zu benutzen, wir könnten den armen Mann ja in seiner Sonntagsruhe stören!““

Ich mein, mal abgesehen davon, dass ich mich mit dem Burschen sicher nicht auf eine politische Grundsatzdiskussion einlass, mir geht einfach die LOGIK nicht ein. Ich tret ja auch nicht einer Neonazi-Facebookgruppe bei und beschwer mich dann beim Administrator, wenn ich Neonazibriefchen bekomme, oder?

Bis ich eine halbe Stunde später im Büro angekomme, bin ich über die ganze Sache schon mehr verwirrt als verärgert, weil: „Jacob, ich versteh einfach die LOGIK nicht!“ Woraufhin Jacob mich mittleidig anschaut und meint: „Wenn du dich wunderst, dass du die Logik von einem rechten Ausländerhasser nicht verstehst, dann versteh ich DEINE Logik nicht. Und, ehrlich, ich bin der Typ, der jetzt wirklich für alles und jeden Verständnis hat.“*
Wo er auch wieder recht hat. Oder links. Oder wasweisich. Auf jeden Fall hab ich beschlossen, von der ganzen Angelegenheit vage amüsiert zu sein.

In other news: heute der erste Zurück-im-Büro-Tag nach Japan und nach kaum einer Stunde Drehbuchbesprechung hab ich gemerkt, wie die ganze Unrast und Nervosität, die mich in der letzten Woche umgetrieben hat, sich in Luft auflöst. Anscheinend kann man also Büro-und-Pinnwände-und-Plotgrübelei-Entzugserscheinungen haben. Gibt definitiv schlimmere Berufskrankheiten. Solche mit weniger Tee.

Das Leben ist also allgemein amüsant, ich hab noch einen Rest Jetlag im Nacken und geh jetzt ins Bett. Nacht allerseits.

*Das stimmt. Ich war schon dabei, wie Jacob einen Barstreit gewonnen hat, indem er seinem Gegner so beharrlich Verständnis und ehrliches Interesse entgegengebracht hat, bis der in Panik geflohen ist.

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