Von gescheiterter Ent-elfisierung und einer unerwarteten Liebe

Das Schweigen der letzten Tage kam daher, dass ich versucht habe, zu eurer Belustigung die Geschichte herunterzutippen, die ich meinen kleinen Cousinen auf der Großfamilienweihnachtsfeier erzählt hab. Kurz vor dem zweiten Wendepunkt ereilte mich jedoch die siedendheiße Erkenntnis, dass es keine Möglichkeit gibt, die Story ohne die Elfenkönigin zu erzählen. Ich hab kurz versucht, sie durch einen Trollkaiser oder einen Piratenpräsidenten zu ersetzen, aber das hat einfach nicht funktioniert. Ich hab keine Ahnung, warum meine Kleincousinen immer nach Elfen verlangen – irgendein frühkindlich geprägter und eher perverser Fetisch für spitze Ohren, vermutlich – aber ihr solltet den Aufstand sehen, wenn ich versuche, ihnen elfenbereinigte Geschichten zu erzählen. Also fürchte ich, ihr müsst auf die wilde Mär vom Pilzkönig Mushroomius III, den Staubmonstern und dem Tintenwolf verzichten müssen, denn und ich werd einen dreifachteufel tun, irgendetwas elfenköniginhältiges mit meinem Namen drunter ins Internet zu stellen. Man hat seine Würde.

Stattddessen bekommt ihr also die wesentlich weniger spektakuläre Mär von Klein-Sarah, die heute mit jemanden Tee trinken ging und sich dabei Hals über Kopf verliebt hat.

….

Leute, man MUSS Madame Wu’s Teesalon in Linz einfach vergöttern, verehren und zur Ausübungsstätte kultischer Teeverehrungsrituale ernennen. Wahrlich, ich bin wieder in Wien, aber ein Teil meines Herzens wird auf ewig in Linz weilen. Oh, der Assam! Oh, welche Auswahl an Darjeeling! Oh! Mög, sei noch einmal belobigt für die Lokalwahl.
Am Ende war ich sogar so weit, dass ich einen Oolong gekauft hab, und normalerweise kann man mich dem dünnblütigen halbfermentierten Geschlabber jagen. Ich bin eindeutig ein Assam-Mädel, das sich maximal hin und wieder einmal ein Seitensprung zum Early Grey erlaubt – dass mir aber Oolong in die Tasse kommt, ist unerhört. Beim ‚Milky Oolong‘ handelt es sich um eine Spezialität, bei der die Blätter vor dem Trocknen mit Milch behandelt werden, und das ergebnis ist … faszinierend. Ich kann mir selbst nicht erklären, warum ich ihn mag. Viel sanfter als alles, was ich normalerweise trinken würde, ein Hauch, das Gespenst eines Tees, und trotzdem bin ich schon bei der vierten Tasse. Ich stehe vor einem absoluten Rätsel- die Liebe ist ja angeblich unerklärlich, aber sie ist nichts im Vergleich zu den tiefen, unergründlichen Mysterien der Teepräferenz.

Im Übrigen war das das sechste Jahr in Folge, dass mir jemand – heuer meine Mutter – zu Weihnachten Teetassen geschenkt hat. Sie sind passend zur Büro-Teekanne ausgesucht, wunderschön und ich liebe sie* von ganzem Herzen, aber langsam fühle ich mich ein winziges bisschen berechenbar.

*Sowohl Tassen als auch Mutter, in aufsteigender Reihenfolge.

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