Von Socken und Symptomen

Die Alpträume samt Herzrasen im letzten Monat waren auf ihre Weise ja noch ganz unterhaltsam. Auch die Tatsache, dass ich in letzter Zeit gelegentlich ohne den geringsten Anlass einfach in Tränen ausbreche,* kann man ja zumindest mit einem gewissen wissenschaftlichen Interesse betrachten, genau so wie die Magenschleimhautenzündung (die sich allerdings dankenswerterweise wieder halbwegs verzogen hat) und eine gewisse allgemeine Antriebslosigekit.
Aber dieses seltsam diffuse Angst- und Beklemmungsgefühl, dass mir heute den ganzen Tag nachgeschlichen ist wie ein besonders schlecht gelaunter Finanzbeamter? Das nervt dann doch, vor allem, wenn man im Kaffeehaus sitzt und schreiben will, aber nicht kann, weil einem die Hand zu sehr zittert.

Ich bin sicherheitshalber nach OÖ gefahren, um mich vom Väterlein austesten zu lassen, ob nicht doch etwas physiologisches hinter dem ganzen Theater steckt, aber Puls und Blutdruck sind völlig normal. Hätte mich allerdings auch gewundert, weil ich ja nicht völlig belämmert bin – ich erkenn psychosomatische Symptome, wenn sie dermaßen auffällig sind. Grad, dass sei nicht in einem Tütü am Tisch tanzen und die österreichische Bundeshymne singen oder etwas in dieser Art. Das wäre ja auch alles wunderschön und freudsch und wasweisich, wenn ich DIE GERINGSTE AHNUNG hätte, was das ganze Brimborium soll. Ich bin nicht depressiv, ich leide unter keiner wie auch immer gearteten Seelenpein außer ein bisschen Schlechtwettergrant, meine Frösche misshandeln mich nicht und das Leben ist momentan zwar nicht besonder spannend, aber es enthält Tee und Bücher und Katzen und ist eigentlich im allgemeinen eine sehr angenehme Sache. Himmel, ich hab heut sogar in einem Wiener Teegeschäft den Milky Oolong gefunden, den besten Tee des Universums, der angeblich lieferschwierigkeiten hatte und nirgendwo aufzutreiben war.**

Der ganze Spuk hat lang vor dem Tod meiner Oma angefangen, also kanns nicht daran liegen, und dass ich eine plötzliche Teetassen-phobie oder panische Angst vor Sauerstoff entwickelt habe oder so, deucht mich auch recht unwahrscheinlich.

Folglich stehe ich momentan so ratlos vor meinem eigenen Hirn*** wie vor einer IKEA-Bauanleitung, die jemand aus dem schwedischen über einen japanisch-finnisch-haitiianischen umweg ins Deutsche übersetzt hab und möcht einfach nur wissen: Wieso zum Teufel dreh ich grad ein bisserl durch?

Grmpf.

Auf der positiven Seite hab ich heute ein geniales neues Ordnugnssystem für meine Socken eingeführt, was auch schon wieder was wert ist.

* Und das mir, einer amtlich verprüften zynischen harten Sau. Das kratzt dann schon gewaltig an der Würde.

**Ich: „Haben Sie Milky Oolong?“
Verkäuferin: „Ja.“
Ich: „Dürfte ich sie auf der Stelle ehelichen?“

*** Im übertragenen Sinne, versteht sich. Wenn ich wirklich vor meinem Hirn stünde, wäre die Diagnose recht simpel.

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