Von Mörderinnen und roten Bärten

Hab den gestrigen Tag bei meiner Großcousine Marga verbracht, die a) eine ausgesprochen liebe Frau ist und b) bei sich zu Hause einen Haufen Unterlagen zu diversen Familiengeheimnissen gebunkert hat.

Gestern war ich hinter ein paar alten Zeitungsausschnitten her, die eine besonders unglückselige Urahnin betreffen. Es macht mein Mütterlein aber nervös, wenn ich solch Ding eins Internet stelle, also muss die Story bis zu meinem ersten großen Roman warten. (Die Unterlagen hab ich ja jetzt. Wenn ihr nicht auf besagten, noch-nicht-einmal-geplanten Roman warten wollt, dann zahlt mir bei Gelegenheit ein Achtel und erzähl euch in trauter Runde so von den Leichen im familiären Keller*.)

Auch faszinierend war das Zeitbild, dass die alten Zeitungen gezeichnet haben.

Da suchte beispielsweise jemand in einer Annonce eine Hilfskraft:
„Stelle findet in einem Hotel, für Zimmer und Beihilfe beim Servieren, ein CHRISTLICHES WILLIGES MÄDCHEN, das gute Talente beim Rechnen hat und einen streng sittlichen Charakter besitzt.“

Und ein Leserbriefschreiber empörte sich über ein gar schändliches Verbrechen:
„Habe schon früher einmal anlässlich eines Ausfluges erfahren, dass ein Händler in Bregenz seinen Laden länger offen hielt als andere. Zu meinem größen Erstaunen sah ich nun am Maria Himmelfahrtstag, dass der betroffene Herr – ich glaube, er hatte einen rothen (sic!) Bart – wieder der einzige Kaufman in Bregenz war, der sein geschäft nicht geschlsosen hatte. Hat denn derselbe eine Extrawurst? Oder sehen die Herren Kollegen in Bregenz so etwas nicht? Meine Freunde und ich haben uns ordentlich geärgert.“

Ich bin nicht ganz sicher, ob sein Grant daher kommt, weil die Ladenöffnungszeit-Diskussion damals noch ganz anders geführt wurde, oder wegen dem Verbrechen gegen den heiligen Sonntag. Vielleicht hat ihn aber auch nur der rothe Bart des Bösewichts gestört, wer weiß das schon.

Entzückend fand ich dann allerdings folgende Kurzmeldung vom 12. September 1989: „Dornbirn: In einem Obstgarten in der Reggelgasse in Haselstauden befinden sich zwei Apfelbäume heuer zum zweiten Mal im Blüthenschmuck.“

Gut zu wissen. Vielleicht schau ich ja im Frühling mal in Dornbirn vorbei und schaue nach, ob die Bäume noch stehen.

*Bei besagter Urahnin reden wir dann sogar von einer echten Leiche in einem echten Keller.

Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.