Sommertage

Grad in der Phase, in der das momentane Drehbuch fertig und an die MTRs* ausgeschickt, aber noch kein feedbackzurückgekommen sind. Ich steh fürchterlich auf die Phase, weil wir momentan ein paar Tage lang einfach nicht arbeiten KÖNNEN und deshalb faulenzen dürfen wie die bösen.
Folglich hab ich nicht das geringste schlechte Gewissen, dass ich den gesamten gestrigen Tag mit dem Fräulein Leni Lauritsch* und Anhang beim Picknicken im Augarten verbracht habe. In der Sonne gelegen, Mohnkuchen und Erdbeeren gegessen, gelegentlich von der Slackline geplumpst, die wir zwischen zwei Bäumen gespannt hatten, Blödsinn geredet, Leni beim Jonglieren zugeschaut, noch ein bisschen mehr in der Sonne gelegen…
Eine Dame aus unserer Gruppe hatte eine Ukulele dabei, irgendwann sind auch Roma-Zieharmonikaspieler vorbeigekommen und haben gegen kleinen Obulus ein Viertelstündchen aufgespielt.
Eine Familie, die in der Nähe gepicknickt hat, hatte dieses entzückende blonde Mädchen dabei, vielleicht zwei Jahre alt, die immer wieder mit ihrer Puppe zu uns herübergewandert ist und mit uns spielen wollte. Ich muss ja gestehen, dass es mich mit einer gewissen befriedigung erfüllt hat, dass meine simplen Münzen-verschwinden-und-aus-dem-Ohr-zaubern-Tricks sie anscheinend mehr fasziniert haben als Lenis höchst kunstvolle Jongliererei – aber im endeffekt war sie dann am glücklichsten, als wir ihr Grashalme zwischen die Zehen geflochten haben, also dürfte sei als Performancekritikerin sowieso einen sehr eigenwilligen geschmack besitzen.

Kurz: es war einer von diesen durch und durch goldenen Sommertagen, die man am liebsten irgendwo aufbewahren würde, verkorkt einem Apothekerfläschchen vielleicht oder eintättowiert in der Haut am linken Knöchel. Damit man kein Detail verliert, damit man diesen Tag in fünfzig Jahren wieder hervorholen kann, im Winter, wenn man alt und grau ist und die Kälte einem in den Knochen sitzt. Damit man sich dann daran erinnern und sagen kann: „Damals waren wir jung und hatten Erdbeeren und einen Sonnenbrand und das kleine Mädchen trug einen grünen Hut und jemand hat Ukulele gespielt.“

Und natürlich gab es dann noch das Zombie-Kind, aber das ist eine andere Geschichte.

*most trusted readers: die paar armen teufel, die das pech hatten, als kompetente feedback-geber auf unserem radar aufzutauchen und jetzt bei jedem neuen buch eine testlesung am hals zu haben
Üwir erinnern uns, die Dame, die beim paintball bewiesen hat, dass man im Fall eines postapokalyptischen Straßenkampfszenarios auf jeden Fall zumindest eine Kamerafrau auf seiner seite haben will

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2 Antworten zu Sommertage

  1. Elysa Waltner schreibt:

    liebe Sarah, du brauchst keine tätowierung, dieser wunderbare tag ist in dich eigegraben und wenn auch du einmal alt bist – in SEHR vielen jahren – kommt es irgendwann ganz von alleine hoch, in einem augenblick in dem du es gar nicht vermuten würdest, am ehesten wenns kalt ist und schneit, du ganz alleine irgendwo stehst und möglicherweise sogar traurig bist, dann hörst du plötzlich die töne einer ukule, spürst die sonne auf der haut und siehst das kleine mädchen mit dem gras zwischen den zehen.
    glaubs einer alten frau, wenn du es brauchst trösten dich deine schönen erinnerungen ganz von selbst.
    ich wünsch dir ganz viele solche wunderbaren trosttage mglg elysa

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