Vom kleinsten Brückentroll der Welt

Sonntägliches Familientreffen, komplett mit dem traditionellen „Erzählst du uns eine Geschichteeee?“-Geschrei der Kleincousinen. Was ironisch ist, wenn man bedenkt, dass zumindest einer der Kleincousinen mittlerweile fünf Zentimeter größer ist als ich.

Ich schwöre, eines Tages werd ich lernen, dass der Satz „Und dann stürzten sie von der Klippe, dem Abgrund entgegen, ohne die geringste Aussicht auf Rettung!“ mehr Ärger bringt, als er wert ist – zumindest, wenn man Nüsse Ahnung hat, wie der Held doch noch gerettet wird. Ich bin überzeugt, die ganze Geschichte mit dem Leben, dass vor dem Tod noch einmal vor dem inneren Auge vorbeizieht, ist in Wahrheit die Erfindung verzweifelter Geschichtenerzähler, die versuchen, mit einer Art metaphysischem ‚Was bisher geschah‘ noch ein oder zwei Sätze Zeit zu schinden, damit ihnen was einfällt, wie sie den verdammten Helden doch noch retten können.

Nachdem der Pilzkönig Mushroomius III sich von einer Nebenfigur in einer anderen Story völlig ungeplant zu einer der Lieblingsfiguren der Kinder wurde, war heute die Saga von seinen edlen Pilzvorfahren dran.

– Maschi, einen fröhlichen kleinen Pilz, der von seinem Pilzclan verstoßen wird, weil er zu Unzeiten zu tanzen beginnt und damit Pilzssammler auf alle aufmerksam macht. (Später wird sich in einer dramatischen Enthüllungsszene herausstellen, dass er gar nicht anders kann, als zu tanzen, weil er einer von diesen Pilzen ist, wie sie gerne in einschlägigen Läden in Amsterdam verkauft werden. Ein Umstand, der ihm noch etwas später während einer atemberaubenden Duellszene sogar das Leben rettet, weil seine Feinde sich plötzlich high auf dem Boden Kugeln)

– Killer, das love-interest, eine hinreißende Kriegerprinzessin vom Stamm der Kannibalenpilze, die andere Schwammerl mit vorliebe töten, zerstückeln und als Dünger verwenden, was sie ursprünglich auch mit Maschi vorhat. Killer ist neben ihrer Mordlust aber auch noch ein ausgesprochen hüsches Exemplar, mit dem schlanksten Fuß und den zartesten Lamellen, die Maschi in seinem kurzen pilzigen Leben jemals gesehen hat

– Puffpuff, der Feuersalamander, Maschis edles Ross, auf dem er in den Sonnenuntergang kriecht. Hat Angst vor Brückentrollen.

– ein Kult männermordender Glühwürmchenfrauen, die die viel kleineren Männer mit ihren Leuchtsignalen anlocken und dann auffressen. Haben damit blöderweise schon die halbe Glühwürmchenstadt entvölkert, was der amtshabenden Glühwürmchenfürstin Teppichsta überhaupt nicht gefällt, vor allem nicht, weil auch ihr Thronfolger unter den Opfern ist. (Der war, obwohl Glühwürmchen, anscheinend keine besonders große Leuchte)

– Erbschen, der kleinste und damit auch depressivste Brückentroll der Welt, der dann aber durch Zufall König der Spitzmäuse wird

– diverse andere

Ehrlich, im Kontext macht das alles komplett Sinn.

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Eine Antwort zu Vom kleinsten Brückentroll der Welt

  1. razorback schreibt:

    *Mitgroßenaugensarahanhimmel* – Erzähl und eine Geschichte! 😀

    Ich habe gerade von einer netten fb-Bekanntschaft die quasi Herausforderung angenommen, eine Geschichte zu schreiben, in der ich eine sehr psychodellicgeladene Liebes… oder nein, seien wir ehrlich: Sexszene aus dem verfilmten Leben des Jim Morrison mit einem Zott-Sahnejoghurt-Werbespot, insbesondere dem darin enthaltenen, dämlichen Lied verbinde um ihr selbige Geschichte dann zu widmen. Da werde ich EINIGE Kilometer schwimmen müssen, um meinem Unterbewusstsein die Chance zu geben, den Zusammenhang aufzubauen. Oder – a propos Pilze – ich suche bei Gelegenheit mal diesen Laden in Vlissingen auf. 😀

    Eine Empfehlung zur Rettung aus gänzlich ausweglosen Klippensturzsituationen: Wie wäre es mit der zufällig vorbeikommenden „Herz aus Gold“ und dem unendlichen Unwahrscheinlichkeitsdrive? Komme gerade darauf, weil meine grosse Tochter derzeit mit rasender Begeisterung die Hitchhiker-Geschichten liest. Sie ist gerade in der Mitte von „Das Restaurant…“ 🙂 Und geklaut wäre es auch nur Semi, weil der Unwahrscheinlichkeitsdrive natürlich auch die Unwahrscheinlichkeit beinhaltet, dass die HaG plötzlich völlig grundlos in einer Deiner Geschichten auftaucht.

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