Von Schweinen und Träumen

Seltsamen Traum gehabt heute Nacht. Also, von den Zutaten nicht wesentlich seltsamer als normal, aber dafür eigenartig real und texturiert.

Und vor allem ein klassischer Fall von ‚genau an der falschen Stelle aufgewacht‘.

Ich bin also mit einer Freundin* auf einer Art Vergnügungspark unterwegs, wenn auch ein etwas altmodische Variante – die Attraktionen haben zum Teil ordentlich Patina angesetzt, an allen Ecken und Enden rostet und staubt es.
Das bekümmert uns allerdings nicht sehr, wir fahren mit ein paar von den Achterbahnen, und beschließen dann, uns in einer etwas abseits gelegenen Gasse umzusehen, von der man uns gesagt hat, dass dort die Bücher sind. Dort reihen sich tatsächlich die Bücherhhandlungen aneinander, in kleinen Hütten, alten Backsteinhäuschen, Zelten… und einem zur Buchhandlung umgebauten Güterbahnwaggon.
Der rostet gemütlich vor sich hin, hat einen Haufen Blumentöpfe und Kisten mit Second-Hand-Büchern in der Auslage stehen und ich bleibe ein bisschen stehen, um zu blättern. Die Freundin wandert derweil davon, um sich in der Benachbarten Eier-Buchhandlung umzusehen.**

Schließlich trete ich ein und werde vom besitzer Empfangen, der aussieht, wie Santa Claus in Pyjamas – ungeheuer dick, mit einem weißen Rauschebart und vage orentalischer Kleidung in Gold und dunkelviolett. Außerdem trägt er einen kleinen runden Hut auf dem Kopf.

„Sie müssen zum Abendessen bleiben“, sagt er und deutet auf den Herd, der mitten zwischen den Bücherregalen steht: „Ich mache gerade Eintopf.“
„Ich bin eigentlich nur wegen der Bücher da.“
„Nein, sind Sie nicht. Schauen sie sich aber so lange um, bis ich fertig gekocht habe.“

Also gehorche ich, schaue mich um und merke, dass jedes der Second-Hand-Bücher von einer dicken Staubschicht überzogen ist … ich bin offensichtlich seit einiger Zeit der erste Kunde. Außerdem sind die Bücherregale so mit normalen Möbelstücken – einer Theke, einem Ohrensessel, einem Bett – verwoben, dass ich den Verdacht bekomme, dass das hier Wohnung und Arbeitsplatz zugleich ist.***
Die Bücherauswahl ist eine kuriose Mischung aus neuster Ware – Graphic Novels, beispielsweise – und antiquarischen Ausgaben von Klassikern, die mir fast in den Händen zerfallen.

Ich drehe mich zu meinem Gastgeber um, um das zu kommentieren, merke aber, dass etwas feuchtes meine Kniekehlen beschnuppert. Ich schaue hinunter und in die treuseeligen Augen eines schwarz-weiß-gefleckten Schweines. Und plötzlich verschwindet alle Beklemmung, die die Szene bisher bei mir ausgelöst hat.

„Sie haben ein Hausschwein?“, frage ich den Pyjama-Weihnachtsmann und er nickt begeistert, während er in seinen Töpfen rührt.
„Der ist ganz lieb. Keine Angst.“
„Hab ich nicht. Schweine sind cool“, sage ich. Der Weihnachtsmann trägt zwei Teller mit einem dunkelroten Eintopf zu einem kleinen gedeckten Tisch, der im Hintergrund von weiteren Bücherregalen verboren ist, stellt sie hin, setzt sich hin.

Schaut mich erwartungsvoll an uns sagt: „Und jetzt kommen Sie, essen Sie und dann erzähle ich ihnen meine Geschichte…“

Dann wache ich auf. Und jetzt zerbreche ich mir schon den ganzen Tag den Kopf darüber, was zum Teufel die Geschichte gewesen wäre, die ich zu hören bekommen hätte, wenn ich noch ein wenig hätte bleiben können.

*mit WELCHE Freundin aber, das kann ich echt nicht sagen.
** eine Buchhandlung, die ganz dem EI gewidmet ist: Bücher über Hühnereier, Gänseeier, Wachtelleier, Straußeneier, Eierspeise, Eierbemalen, Eierwerfen, über das Hartkochen von Eiern, das Weichkochen von Eiern…
Und ja, irgendwo ist da eine freudsche Interpretation drin, was mich auch schon den ganzen morgen vage beunruhigt.

***vielleicht war der ‚black books‘-Marathon letzte Woche eindeutig zu viel…

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4 Antworten zu Von Schweinen und Träumen

  1. brigitte schreibt:

    Vielleicht wäre es um die Achterlbahn gegangen – ich habe gerade eine ganze Weile darüber gegrübelt, wie man sich so ein Ding wohl vorzustellen hätte, bis ich dahinterkam, dass mein noch nicht vollständig von den diversen Geburtstagsfeiern des Wochenendes erholter Kopf sich das l einfach nur eingebildet hat.

  2. Sarah Wassermair schreibt:

    DAS ist auch mal ein hübsches mentales Bild! Apropos Achterl…nachdem Madame gerade im Land ist und ich tiefsten Widerwillen dagegen verspüre, diese Gelegenheit nicht ausgiebigst zu nutzen, wie schauts denn bei Ihnen in der kommenden Woche so aus, ganz allgemein?

  3. Gelbling schreibt:

    Lustig, wo ich heute überall hinsurfe, begegne ich Schweinen:
    http://www.literaturforum.net/viewtopic.php?f=6&t=5310

  4. Sarah Wassermair schreibt:

    Und jetzt zwickt mich grad ganz bös das Heimweh nach unserer alten O-Livro-Truppe. Gott, habt ihr mir damals vielleicht die geistige Gesundheit gerettet.

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