Fegefeuer, Einheitsgröße

Meine Meinung über den unsäglichen Gräuel des Kleidung-Einkaufen.Müssens habe ich ja schon oft und lautstark geäußert (hier zum beispiel, damals in der alten Heimat: http://www.o-livro.de/home.php?link=/kolumne/kolumne023.htm) und werde sie wohl auch zeitlebens nicht ändern. Es mag Frauen geben, die Shopping als etwas Positives erachten, ich halte diese einstellung allerdings für fragwürdig bis pathologisch.

Nachdem ich
a) allerdings grade im Sommer etwa gleich viel Zeit in OÖ und in Wien verbringe und es langsam leid bin, entweder meine halbe Gardarobe hin-und-herzuschleppenschleppen oder innerhalb kürzester Zeit vor einem akuten T-Shirt-Mangel zu stehen
und b) am Samstag mit der innig geliebten Familie für drei Wochen nach Frankreich fahre*

blieb mir also heute nichts anderes übrig, als heute in kleiderkauferischer Absicht auszuziehen. (Beziehungsweise anzuziehen.)
Mittlerweile habe ich ja meine Taktik eigentlich ziemlich perfektioniert, die daraus besteht, in einen HM zu gehen, ein schwarzes T-Shirt zu lokalisieren, das halbwegs passt, und dann zehn Stück davon zu erwerben.
Heute aber hatte ich die geistesgestörte Idee, dass ich doch eigentlich wieder einmal probieren könnte, etwas un-schwarzes-T-Shirt-iges zu finden. Ich weiß nicht genau, wie ich auf die Idee gekommen bin, vermute aber eine zeitlich beschränkte Psychose. Und die fälschliche Annahme, dass ich mittlerweile psychisch so gefestigt bin, dass mein Selbstbewusstsein sogar so etwas widerstehen kann. Genau.

Auf jeden Fall fand ich mich etwas später in einer Umkleidekabine wieder, einen Stapel vielversprechender Stoffetzen vor mir. Das Experiment hätte sogar gelingen können, wenn nicht die besitzerin der Boutique und eine ältere Kundin beschlossen hätten, genau in diesem Moment direkt vor der Kabine aufstellung zu beziehen und folgenden Dialog zu beginnen.

Kundin: „Ich würd das für meine Tochter kaufen, selber zieht sie sich ja nicht gscheit an. Ziemlich dick ist sie schon.“

„Hm“, denke ich: „Das Grüne da, damit fangen wir an.“

Kundin: „Und die Farben, die sie immer aussucht! Unmöglich!“
Verkäuferin: „Aber ich sag’s Ihnen, wenn sie ihr was mitbringen, die wird das nicht anziehen.“
Kundin: „Aber was sie sich selber kauft, das steht ihr nicht!“
Verkäuferin: „Ich weiß, die Jungen, die kaufen was und glauben, sie schauen gut drin aus, und in Wirklichkeit…“
Kundin: „Fürchterlich schaut sie aus!“

„Hm“, denke ich, mittlerweile mit zusammengebissenen Zähnen: „Das da, das vielleicht lieber doch nicht, zu schlabbrig, das schaut aus, als ob jemand versuchen würd, eine Fregatte mit einer Picknickdecke zu tarnen.“

Verkäuferin: „Ich sag’s ihnen, die Jungen, die verstehen nicht, dass man ein bisserl tarnen kann. Wir Alten, wir wissen mittlerweile, dass es ruhig ein bisschen weiter sein darf, wenn man was verstecken muss.“

„SIE REDEN NICHT MIT DIR!“, denke ich und widerstehe den Versuch, aus Versehen einen Kleiderhaken wie einen Bummerang aus der Kabine zu schleudern und die Frau damit bewosstlos zu schlagen.

Kundin: „Und sie fühlen sich nie angesprochen, wenn man mit ihnen redet!“

Zwanzig Minuten später stehen ich im HM und kaufe zehn schwarze T-Shirts. Ich hab meine Grenzen.
Echtes Beileid an die Tochter der Dame, die trägt ganz sicher keinen psychologischen Schaden davon, wenn sie sich zu Hause solchen Müll anhören muss. Grmpf.

*keine Sorge, auch dort gibt es Internet. Ich hab nicht vor, euch zu vernachlässigen

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