Von einer eher spannungsarmen Geiselnahme

Weile gerade bei Razor und seiner Familie in Leverkusen, um mich wie jedes Jahr an den intellektuellen Freuden ihrer Gesellschaft und denen des Fantasy-Filmfestes zu verlustieren. Letzteres wird ein wenig dadurch gehemmt, dass ich dieses Jahr so wenige Karten wie noch nie gekauft hab – dafür ist das Programm dieses Jahr eindeutig zu lahm. Allein der Überfluss an mittelmäßigen Zombiekomödien schmerzt. Die Welt hat Shaun. Die Welt hat Fido. Die Welt hat Black Sheep. ES IST ALLES GESAGT.

Wo war ich? Ein paar Filme sahen dann doch ansatzweise interessant aus, darunter ‚The Assault‘ von Julian Leclercq.
http://www.fantasyfilmfest.com/filme/Assault.html

Ergebnis? Autsch. Autschediautschautsch. Französisches Arthouse trifft Amerikanischen Actionthriller und macht beides nicht gut.

Im Programmheft steht unter anderem: „Autor und Regisseur Julien Leclercq umschifft in seiner Aufarbeitung dieser schrecklichen Tragödie gekonnt alle Stolperfallen großer Popcornspektakel, indem er in bedrohlichen, jedoch immer realistischen Bildern eine Geschichte von Helden aus Schweiß und Blut präsentiert, die von Zweifeln zerrissen sind – und zwar auf beiden Seiten.“

Ja, wenn’s nur wäre. Aber es zählt eben NICHT als ausreichende Charakterzeichnung, wenn du einem Polizisten eine hübsche blonde Ehefrau und ein süßes Blag gibst. Und dann abwechselnd zu IHR schneidest, wie sie traurig in die Gegend schaut, und dann zu IHM, wie er heroisch-zerissen in die Gegend schaut, und dann wieder zu IHR, wie sie traurig ausschaut, dann wieder zu IHN, wie er… usw. Kinderlein, das ist keine Charakterzeichnung, das ist eine Charakterbehauptung. Und noch dazu keine besonders Interessante.

Selbes gilt für die Terroristen: darüber, dass die ein bisserl gschreckt dreinschauen, während sie ihr „Allah ist groß!“ herunterrasseln, kommt die Psychologie bei denen nie. Und über eine recht putzige Miniszene, in der einer von ihnen eine Geisel anbrät – eine theoretisch recht interessante Konstellation, die dann aber niemals weiterverfolgt wird.

Das ist einer von den Filmen, die so wehtun, weil immer wieder, in kurzen Szenen, Dialogfetzen, echtes Potential aufblitzt. Die so leicht so viel besser sein hätten können. Wenn beispielsweise der Autor sich nicht so darum bemüht hätte, ein großer Künstler mit Tiefgang zu sein, sondern ein Geschichtenerzähler. Ich will einen Film, der mir Menschen zeigt und nicht existenzialismustriefige Pseudofiguren, die mich emotional in etwa so interessieren wie eine tote Assel auf der Kellertreppe.

Und: Hyperwackelige. Handkamera. In. Normalen. Dialogszenen. Gehört. Bestraft.

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