Von Postboten und Wikingern

Wurde heut morgen von meinem Briefträger als sein ‚Lichtblick‘ bezeichnet – scheint so, als würden wenig Leute freundlich drauf reagieren, wenn sie um sieben in der früh für ein Päckchen aus dem Bett geklingelt werden. Ich hab ihm darauf allerdings erklärt, dass ganz im Gegenteil er MEIN Lichtblick unter den Briefträgern ist. Alle anderen klingeln nämlich nicht, sondern lassen einfach nur einen gelben Zettel da und ich muss dann ewig und drei Tage bis zum nächsten Postamt hatschen, um das Paket zu bekommn.* Da steh ich hundertmal lieber kurz auf, während der gute Mann jedes Mal zwei Stockwerke Treppen für ein Packerl steigt. Insofern bin ich der Meinung, einen ausgesprochen hervorragenden Postboten abbekommen zu haben.

Dann bin ich wieder ins Bett gegangen und hab geträumt, dass ich zwangsverpflichtet worden bin, auf einem Wikingerschiff mitzufahren. Die sahen alle aus wie real-Versionen der Wikki-Wikinger, inklusive dem dicken, rotbärtigem Cheffe, aber minus Wikki. Wir fahren eine Flussmündung hinauf, hinein in eine Sumpflandschaft. Ich bin erfreulicherweise vom Rudern befreit, weil ich stattdessen den Job habe, die Autobiographie des Wikingerchefs aus dem Dänischen ins Deutsche zu übersetzen. Glücklicherweise klingt mein Traum-Dänisch ausgesprochen Englisch, mit dem Ergebnis, dass ich mit dem Übersetzen hurtig weiterkomme.
Dann aber fällt eine der Mitreisenden – ein Mädchen im Teenageralter – ins Wasser, verfängt sich in diversen Seilen und Angelruten, und es stellt sich heraus, dass die Wikinger allesamt wasserscheu sind. Also hol ich das Mädel halt heraus, trockne sie ab und sage zu ihr: „So ein Schreck. Nicht fürchten? Hättest du gerne was zur aufmunterung?“
Sie: „Ja, den Spatzen.“
Ich schaue zurück und stelle fest, dass an meinem Sitzplatz tatsächlich ein toter Spatz liegt und mir fällt ein, dass wir den heute erlegt haben, als einziges Fleisch, das momentan zur Verfügung steht.
„Klar“, sage ich: „Ich rupf ihn dir.“
Ich gehe zurück zum Boot, nehme den toten Spatzen und will anfangen, ihn zu rupfen. Aber er ist noch so warm in meiner Hand, dass ich erstarre. So warm. So weich. Grad noch so lebendig.
„Weißt du was“, sage ich plötzlich und verstecke den Spatzen hinter meinem Rücken: „Den gibts später. Zuerst lernt ihr jetzt alle Schwimmen!“

Und dann veranstalte ich am nächsten Campingplatz (weil auch so etwas muss es in mittelalterlichen Sümpfen geben) Wikinger-Schwimmunterricht, bei dem vor mir im Wasser zwanzig bärtige Gestalten husten und prusten, während ich gelassen am Ufer sitze und das nächste Kapitel der Wikinger-Chef-Autobiographie in mein Notitzbuch kritzle.

Ich hab ja schwer den Verdacht, dass mein Unterbewusstsein heimlich Drogen nimmt.

*und zwar wirklich EWIG. Es gibt zwar ein Postamt, das hier gleich ums Eck ist, aber aus unerfindlichen Gründen landen meine Pakete immer in einem am äußersten Rande des Bezirks.

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4 Antworten zu Von Postboten und Wikingern

  1. Razorback schreibt:

    Das mit dem Wikingermädchen und dem Spatzen solltest Du mal dringend einem Profi erzählen, aber darf ich die Geschichte mit dem Postboten haben? Ich schreibe daran so lange, bis meine Ich-Bin-Das-Einzige-Mädchen-Im-Robotik-Mit-Lego-Wahlpflichtkurs-Tochter Sheldon Cooper geheiratet hat, dann bauen die beiden mir eine Zeitmaschine mit der ich in die 50er zurückreise, dort verkaufe ich das Drehbuch in Hollywood und Doris Day spielt Dich und Rock Hudson den Postboten. Oh, darf ich? Bittebittebitte!!!!

  2. Sarah Wassermair schreibt:

    Dazu kann ich nur sagen: wenn deine Tochter Sheldon Cooper heiratet, möchte ich zur Hochzeit geladen sein.

  3. Razorback schreibt:

    Davon gehe ich aus, sie mag Dich ja sehr. Und zu der Frage, ob das ein fiktives Szenario ist, ein Zitat:

    „(…) und als wir zu XYZ gegangen sind, hat der L. wir zehn Minuten lang vom binären System erzählt, der kannte das nämlich schon.“

    Dabei hat sie nicht etwa genervt die Augen verdreht, sondern war ganz begeistert. Der L. ist übrigens auch in ihrer Arbeitsgruppe bei Robotik und war in ihrem Team bei der Wir-Lernen-Die-Schule-Kennen-Ralley. Ich sage nicht, dass sie den L. mal heiraten wird – aber sie mag die generelle Richtung schon. 😉

  4. Sarah Wassermair schreibt:

    Das Mädel hat Geschmack, deucht mich.

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