Von Söldnern und Recherche

Ich recherchiere momentan für ein kleines Nebenprojekt moderne Söldnerheere im Irak und Afghanistan. Nur, dass die Leute nicht mehr ‚Söldner‘ genannt werden wollen, sondern „Sicherheitsfirmen“, „Contractors“ und ähnliche klinischen Dinge. Reizend. Für Söldner gelten nicht dieselben Regeln wie für Militärs, also kommen sie mit Dingen durch, für die jeder Soldat (hoffentlich) vor einem Disziplinargericht landen würden. Da aber kaum ein Staatsanwalt in den Irak zu fahren wird, um den Verbrechen nachzuforschen, die ein Deutscher begeht, der bei einer holländischen Firma anheuert, um im Namen Amerikas zu foltern (um nur ein Beispiel zu nennen), passieren da anscheindend sehr, seher ungeheuerliche Dinge, ohne dass es irgendjemand es mitbekommt.

Nun dachte ich also, schlaues Mädchen, das ich bin, ich schau mir mal die Homepage des Branchenriesen Blackwater an. Dort findet sich, wie zu erwarten, das Übliche Heldentum- und Anwerbungsgeschwätz – und eine Rubrik, in der steht „Blackwater: Das Computerspiel. Coming Soon!“

Ich gestehe, ich bin so so heftig vom Computer zurückgezuckt bin, dass ich plötzlich fast am anderen Ende des Zimmers stand. Das wird wahrscheinlich irgendein 08/15-Egoshooter werden, aber im Kontext mit der dahinterstehenden Realität – und dem Stapel von Augenzeugenberichten, mit dem ich die letzten paar Stunden verbracht hatte – klingen die Worte „Blackwater: Das Computerspiel“ einfach nur obszön.

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