Von Nikopas und leeren Abteilen

Das Schweigen der letzten Tage kam daher, dass ich bei der Familie Schreckenberg in Leverkusen weilte, deren Internetzugang grad ein bisserl spinnt.

Dass die Schreckenbergs auf der Liste meiner Lieblingsmenschen auf diesem Planeten ganz weit oben rangieren, dürfte niemanden der Langzeitleser groß überraschen. Ich brauch einfach meine paar Tage im Jahr, in denen ich bei ihnen am Küchentisch sitzen, Tee/Absinth/Whisky süffeln und mit Razor über das Leben, das Schreiben und den ganzen Rest schwadronieren kann. Außerdem hab ich mir meine signierte Ausgabe von seinem neuen Krimi „Die Träumer“ abgeholt, wofür alleine schon der Trip lohnend gewesen wäre.*

Konkreter Anlass für meinen Besuch war die Nikolausparty, die Razor jedes Jahr veranstaltet. Heuer gabs zusätzlich noch eine kleine Küchentischlesung im kleinen Kreis, bei der wir beide abwechselnd vorgelesen haben. Sehr unterhaltsam, das, noch dazu, wo ich eine von Michaels Kurzgeschichten noch gar nicht kannte.
Und schließlich, um mich endgültig zu entzücken, triebs sich auf der besagten Party der ehemalige Sänger und Gitarrist der Boozehounds herum, einer ganz grandiosen Psychobilly-Band, welche in meinen Teenagerjahren prägend für meinen heutigen Musikgeschmack war. Die Boozehounds gibts nicht mehr, aber dafür ist der gute Mann jetzt bei einer neuen Truppe, den Lunatics, und überreichte mir großzügigerweise deren neue CD. Ich hab noch keine Zeit gehabt, hineinzuhören, bin aber schon höchst gespannt. Werde berichten.

Auf der Rückfahrt schließlich habe ich noch etwas gelernt, nämlich die große Weisheit, dass es sich in Zukunft durchaus lohnen könnte, in ein Schlaf- statt ein Liegewagenticket zu investieren. Einfach drum, weil da in einem Abteil weniger Leute sind und die Chance geringer wird, mit gleich zwei älteren Herren im Abteil zu landen, die zwar beide sehr höflich, aber auch eher schweiß-und-bierduftendend und schnarchmelodisch sind.

Eine Schaffnerin findet mich folglich um etwa drei Uhr morgens vor dem Abteil am Gang sitzend und lesend vor.
Sie: „Ist alles in Ordnung?“
Ich: „Ja, alles wunderbar.“
Sie: „Sind Sie sicher?“
Ich: „Ja, alles bestens. Ich kann nur nicht schlafen und will die anderen Herrschaften im Abteil nicht stören, indem ich das Licht anmache.“
Sie mustert mich einen Moment, lauscht dem lauten Schnarchen, das aus dem Abteil dringt, und reimt sich zusammen, was ich nicht sage.
Sie: „Kommen’s, da müssen’s doch nicht am Boden sitzen!“
Sprichts und führt mich zu einem komplett leeren Abteil am Ende des Wagens, das sie für mich aufsperrt.
Sie: „Das ist eigentlich meines, aber ich hab eh zu tun und kann mich nicht hinlegen. Bittschön.“

Also bin ich dann tatsächlich noch zu ein paar Stunden Schlaf gekommen, dank einer über die Pflicht hinaus freundlichen Bahnbeamtin. Ich hoffe, ihr passiert dieser Tage auch etwas völlig unvorhergesehen Gutes.

*Ihr habt die Träumer noch nicht gelesen? Wahrlich? Hierhierhier: http://www.amazon.de/Die-Tr%C3%A4umer-Kriminalroman-Bergischen-Rheinland/dp/3897962306/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1323796803&sr=8-1

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Eine Antwort zu Von Nikopas und leeren Abteilen

  1. Razorback schreibt:

    Es ist immer ein Fest und eine Ehre, den Tisch mit Dir zu teilen. Danke und bis bald. :-*

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