Von süßem Zeug und seltsamer Rhetorik

Heute morgen beim Zeitungslesen sehr gelacht, was viel damit zu tun hat, dass ich mich schon seit einiger Zeit zwecks Recherche recht intensiv mit Lobbyarbeit von Pharmafirmen und gekauften Zeitungsartikel u.ä. beschäftige. Und dann findet sich heute im Standard etwas nachgerade Lehrstückhaftes, wenn auch eher aus dem Bereich der Lebensmittel- als der Pharmaindustrie:

http://derstandard.at/1326249162789/Suessungsmittel-Stevia-der-grosse-Bluff?seite=2#forumstart

Ich will jetzt gar nicht über die Sache selbst reden, sondern bitte drum, sich mal die Rhetorik dahinter anzuschauen.

Das faszinierende ist nämlich, dass der Artikel aufgemacht ist wie eine Warnung, mit Wörtern wie ‚Bluff‘ und ‚hinters Licht geführt‘, wobei das Hauptargument der Tatsache gilt, dass das, was auf den Markt kommt, nur der Wirkstoff ist und nicht die Blätter.* Man muss das Ding schon zweimal lesen, um mitzubekommen, dass abgesehen davon ausschließlich positive Eigenschaften aufgezählt werden**, was im ‚Ja-Aber!‘-Duktus des Artikels völlig untergeht.

„Hm“, denkt sich Sarah: „Irgendetwas deucht mich da ein wenig seltsam, rhetorisch betrachtet. Hm, hm, hm…“
Ein paar Minuten Google später, und ein gewisser Verdacht bestätigt sich:
http://www.sueddeutsche.de/wissen/ernaehrungsberatung-werbung-durch-die-hintertuer-1.631713
Was, wirklich? Der Experte und Ernährungsguru hat einen gewissen Background im sich-für-gezielte-Meinungsmache-Bezahlen-Lassen? Wer hätte DAS gedacht.

Was lernen wir daraus, liebe Leute? Wenn ein Artikel sich so ließt, als würde jemand was dran verdienen… dann ist es warscheinlich auch so.

* Was, nebenher bemerkt, ungefähr so ist, als würde man sagen: diese gottverdammte Zuckerindustrie! Kommt doch glatt nur der extrahierte Zucker auf den Tisch und nicht die ganze Zuckerrübe!“

**keine Kalorien und kein Karies im Gegensatz zu Zucker, kein Krebs und keine beeinflussung des Blutzuckerspiegels im Vergleich zu herkömmlichen Süßstoffen.

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