Von der Löwin auf der Käseraspel

Nachdem ich mir neulich den Rücken verissen hab beim Versuch, meine halbe Recherchebibliothek in einem Rucksack zu transportieren, und danach zwei Tage lang eine recht glaubhafte Quasimodo-Imitation geliefert hab*, besitze ich ja neuerdings einen Kindle. Ich hab mich ja lange dagegen gewehrt – Buch bleibt Buch bleibt Buch – bin aber mittlerweile zur Einsicht gekommen, dass es einige erhebliche Vorteile hat, wenn man dreitausend Bücher gleichzeitig in der Handtasche herumschleppen kann, ohne sich dabei weh zu tun.

Ein weiterer Aspekt, der mein Herz erfreut, ist die tatsache, dass ich mir jetzt jedes urheberrechtsfreie (!**) Buch gratis herunterladen kann und folglich endlich mal dazukomme, mich durch die ganzen Klassiker zu arbeiten, von denen es immer vage peinlich ist, sie nie gelesen hab. Momentan kichere ich mich mit großer Begeisterung durch Lysistrata von Aristophanes, das ich immer schon innig geliebt habe. Weil feministisch und unanständig und goschert und allgemein großartig. Es geht darin darum, dass sich die Frauen Griechenlands verbünden, und über ihre Männer ein Sex-Embargo zu verhängen, bis sie Frieden schließen: weder in Athen noch in Sparta darf ein Mann ran, bevor sich die beiden Stadtstaaten nicht versöhnt haben. (Besonders heiß liebe ich, dass die Spartaner in der Kleist-Übersetzung Schwitzerdütsch reden, was offensichtlich für uns ähnlich klingt wie für die Athener das Spartanisch. In der Englischen Fassung, die ich gefunden hab, reden sie Schottisch.)

Eine Stelle allerdings hat mich zuerst in tiefe Verwirrung und dann in eher schräge Phantasien gestürzt. Das ist nämlich die Passage, in der die Frauen ihren Nie-wieder-Sex-bis-Frieden-Schwur leisten.

„…und wenn er mit Gewalt mich zwingen will
Verderb ich ihm den Spaß und rühr mich nicht.
Streck auch zur Decke nicht die Perserschuh
Spiel nicht die Löwin auf der Käseraspel.“

Pardauz!, denkt sich Sarah: Was bitte raspeln die perversen Athener die Löwinnen auf Käseraspeln, um sich an der allgemeinen Raspelung aufzugeilen? Du meine Güte!

Da ich zum Lesezeitpunkt grad bequem und äußerst warm in meine Decken eingekuschelt war, konnte ich mich schwerlich dazu durchringen, aufzustehen, den Computer einzuschalten und bibbernd zu googeln. Folglich hab ich stattdessen ein sehr faszinierendes halbes Stündchen damit verbracht, mir zu überlegen, was für eine abartige altgriechische Sexpraktik um Himmels willen mit der ‚Löwin auf der Käseraspel‘ gemeint sein könnte und kam dabei auf einige gleichermaßen unwahrscheinliche wie unanständige Lösungen. Eine kurze Googelei am nächsten Tag erbracht ein wesentlich wahrscheinlicheres Ergebnis, aber es ist halt nicht so schön abartig wie die eigene Phantasie.

Folglich, liebe Freunde, ein Ratespielchen. Ohne zu googeln oder sonstwie lexikalischen Beistand zu suchen: Was sind eure Theorien, was wohl mit dieser ganzen leoniden Käsereiberei gemeint sein könnte? Lasst hören!

*also, wenn Quasimodo eine kleine dicke Frau mit Brille wäre. Aber mindestens so buckelig.

**nun, ich könnte, wie mir schon mehrere Leute vorgeschlagen haben, auch die URHEBERRECHTSGESCHÜTZEN Bücher gratis herunterladen. Ich glaube nicht, dass ich das euch klugen, gesetzestreuen, nicht-den-autor-verhungern-lassen-wollenden Leuten gegenüber noch eines Kommentares würdigen muss, oder?

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5 Antworten zu Von der Löwin auf der Käseraspel

  1. Brigitte schreibt:

    ich musste es googlen, ich konnte mich nicht in abstinenz üben – das schöne ist jedoch, dass ich eine plausible antwort auf einer seite mit dem wahrlich würdigen titel „zölibat und mehr“ fand. hachja.

  2. Razorback schreibt:

    Da wir hier von der Wiege der abendländischen Philosophie sprechen (also…regional… nicht sexuell… oder vielleicht doch… ach, egal), gehen wir’s doch mal systematisch an: definiere „Käsereibe“. 😀

  3. Sarah Wassermair schreibt:

    Na großartig, kaum ist das Käsereibenproblem gelöst, schon tun sich neue Fragen auf: „Zölibat und mehr“?
    Ist die übliche Steigerung nicht „Zölibat und weniger“? Wie bitte kann man das Zölibatthema denn variieren? „Kein Sex am Montag“, „Kein Sex am Dienstag“, „Kein Sex am Mittwoch“, „Überhaupt kein Sex, auch wenn man unbedingt möchte, am Donnerstag“, „Kein Sex am Freitag“…?

    Oder gibts da sonderangebote, wie Keuschheitsgürtel und Kastrationszangen und Nacktbilder von der Mikl-Leitner, für die ganz Eifrigen?

  4. Razorback schreibt:

    Hab’s inzwischen auch recherchiert. Blumige Sprache, das.
    Zölibat und mehr… Zölibat ist ja erstmal nur Ehelosigkeit. Die meinen vermutlich also: Zölibat UND kein Sex. 😀

  5. Sarah Wassermair schreibt:

    Das heißt, du kannst es treiben wie ein besonders enthusiastisches Karnickel und bist immer noch zölibatär?

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