Die Tribute von Panem

Ich hab jetzt an mehreren Stellen gelesen, ‚Hungergames‘ sei das neue ‚Twilight‘.

Ähm, ja. Klar. Auf der einen Seite haben wir eine stutzenblöde mormonische Teenie-Phantasie mit Glitzerpiren und einer weiblichen Hauptfigur mit der Kompetenz eines toten Mehlwurms, deren größte Leistung ist, dass sie sich nach x Bänden ENDLICH entscheidet, ob sie jetzt nekro- oder caninophil ist.
Auf der anderen Seite nehmen wir eine sehr intelligente und ziemlich abgründige Dystophie, deren weibliche Hauptfigur zuerst im Alleingang ihre Familie ernährt, sich dann für ihre kleine Schwester in den beinahe sicheren Tod begibt und sich nebenher mit einem totalitären System anlegt.
Auf Deutsch: die Paralellen zwischen ‚Hunger Games‘ und ‚Twiligth‘ sind nicht zu übersehen.

Aber nicht nur haben mich schon die Bücher entzückt, auch die filmische Adaption finde ich in großem Maße für gelungen.
Zum einen haben sie es geschafft, übermäßigen Pathos in Szenen zu vermeiden, die direkt nach Pathos brüllen – der oftmals völlige Verzicht auf Filmmusik hilft da natürlich. Die ‚Ernte‘-Szene beispielsweise… sehr zurückgenommen inszenziert und dafür umso brutaler. Gänsehautmoment, ernsthaft.
Zum anderen ist der Infofluss – für den das Buch sich oft seitenweise Zeit nimmt – unaufdringlich und präzise gehalten. Sehr schön gelöst haben sie das beispielsweise, in dem sie (im Gegensat zum Buch) immer wieder kurz den Blickwinkel der Hauptfigur verlassen und dem Publikum zeigen, we die Gegenseite denkt… nicht oft, aber gerade oft genug, um dem ganzen Tiefe zu geben. Im Buch kann Katniss nämlich darüber nachdenken, warum die Bösen tun, was sie tun… im Film will ich das nicht erzählt bekommen, sondern sehen. Grad der Miniatur-Strang mit Spielleiter Seneca ist aus adaptionstechnischer Sicht begnadet, weil er mehr über die Denkweise des Regimes erklärt, als minutelange Monologe es könnten.
Und auch an der Besetzung: absolut nichts auszusetzen. Allein schon die Tatsache, dass die männlichen Hauptfiguren (und potentiellen Love-Interests) eher Durchschnittsvisagen haben und nicht glitzern erfreut mein Herz. Und die Kleine, mit der sie Rue besetzt haben, die möcht ich einfach nur adoptieren.

Unterm Strich: ja, liebe Leute, DAS ist ein Film, den sich Teenager gerne schwarmweise anschauen können. Wenn ein weibliches Rollenvorbild, oh Teenie-Gören dieser Welt, dann hunderttausend mal lieber Katniss als Bella.

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