Langsam wird’s verdächtig

Ich bin ja perverserweise irgendwie katholisch erzogen, folglich werd ich zutiefst misstrauisch, wenn es ZU gut läuft – das heißt dann nämlich, dass das Universum irgendetwas plant und mich in falscher Sicherheit wiegen will.Nachdem also gestern meine beiden Michaels in verschiedenen Formen siegreich waren, ging’s heute gleich in ähnlich erfreulicher Manier weiter… mit dem Ergebnis, dass ich die ganze Zeit skeptisch zum Himmel hochschaue und darauf warte, dass endlich der Heuschreckenregen einsetzt.

Es begann heute Morgen mit einem Anruf vom Fräulein Brigitte, sie sei im Land und am Abend zur Audienz bereit. Seien wir ehrlich, danach hätte der Tag schon irgendetwas wesentlich ernsthafteres aufbieten müssen als einen Heuschreckenregen, um irgendetwas anderes als per se superb zu sein.

Danach bekomm ich dann eine mail von meiner Mutter mit folgendem link: http://www.nachrichten.at/oberoesterreich/art4,891241
Das Fräulein Flora ist auch schon auf dem halben Weg zu reich und berühmt, so deucht mich, was mein Herz natürlich auf’s höchste erfreut. (Und meinen Narzissmus erfreut es auf’s höchste, dass ich in dem Artikel auch noch vorkomm, aber das ist nochmal was anderes.) Und dabei ist das Mädel ja auch erst frisch maturiert, folglich müsst sie gar nicht so hetzen mit dem reich-und-berühmt-werden. Aber andererseits, warten ist auch fad.

Drittens komm ich dann ins Büro und der Groll teilt mir mit, dass er grad mit der Redakteurin telefoniert hat. Ihr erinnert euch an das Drehbuch, dass uns jetzt seit Monaten fast in den Wahnsinn getrieben hat? Die Fassung, die wir gestern abgegeben haben, funktioniert endlich. (Wer dazu ein mentales Bild will: Sarah lehnt an einer Wand, damit sie vor Erleichterung nicht einfach umkippt. Groll reicht ihr eine Tasse Tee.)

Als dann noch in der U-Bahn ausschließlich höfliche, wohlduftende Menschen mit putzigen kleinen Kindern waren, hab ich langsam den Verdacht geschöpft, dass ich aus versehen in eine utopische Zwischendimension gerutscht bin. Das heißt wahrscheinlich, dass der Heuschreckenregen trotzdem kommt – aber hier sind die Heuschrecken zwei Meter groß, wohlerzogen und sprechen fließend Schwitzerdütsch.

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3 Antworten zu Langsam wird’s verdächtig

  1. Mountfright schreibt:

    Du denkst nicht katholisch, Beste. Wir Katholiken bekommen die Rechnung doch erst beim jüngsten Gericht präsentiert. Wenn Du aber einen Urlaub vom Atheismus nehmen möchtest, würde ich Dir aktuell den Calvinismus empfehlen – die Calvinisten glauben doch, dass Erfolg im Leben darauf hinweist, dass man einen der knappen Plätze im Himmelreich bekommt. Sieht also gut aus für Dich. Hinduismus wäre auch eine Idee – dann könntest Du Dich bequem zurücklehnen und einfach mal davon ausgehen, dass Du Dir das alles in Deinem letzten Leben redlich verdient hast. Keine drei Monate mit einem irren Physiker im ewigen Eis – aber schon in die Richtung. 😉

    Und die erfolgreiche Jungkomponistin soll sich mal flugs zu ihrer Mentorin gratulieren. :-)))

  2. Sarah Wassermair schreibt:

    Für den Jungkomponistinnen-Erfolg kann ich ja nun wirklich NÜSSE – noch dazu, wo sie in einer anderen Kunstgattung erfolgreich ist. Hindert mich natürlich nicht im geringsten dran, mächtig stolz auf die Dame zu sein.

  3. Flora schreibt:

    hm, ja, klingt ganz danach als wäre der calvinismus auch für mich eine option… evangelisch bin ich eh schon, das ist ja kein großer schritt mehr.
    und eine wohlwollende erwähnung in sarahs blog setzt dem ganzen reich-und-berühmt wirklich noch das sahnehäubchen auf! 🙂

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