Dschungelbuch

Hatte heute ein paar Stunden frei, weil der Groll mit Schreiben dran war. Weil Freizeit aber bekanntlich gesundheitsgefährdend ist, hab ich die Zeit genutzt, um schon mal ein bisschen mit meinem August-Projekt anzufangen – eine Musical-Adpation vom ‚Dschungelbuch‘.

Der Stoffwunsch kam vom Auftraggeber und hat sich in der Adaption als… nun, sagen wir mal, kniffelig erwiesen. Sich an der Disney-Version anzulehnen kann man von vornherein vergessen – zum einen natürlich rechtemäßig, zum anderen, weil da die gesamte Story daraus besteht, dass die Hauptfiguren durch den Wald marschieren und gelegentliche ein Liechen trällern. Und dann treffen sie einen Haufen Affen, aber dadurch wird die Situation auch nicht besser, denn die singen auch. Und dann gehen sie noch ein bisschen mehr durch den Wald und dem Zuschauer wird von den vage rassistischen Untertönen unbehaglich und dann ist der Film aus.

Folglich hab ich mir also stattdessen die Originalvorlage von Kipling besorgt und einen sehr erbaulichen Leseabend damit verbracht, alle drei Minuten „Uiuiui!“ und „Ihr verarscht mich doch!“ zu sagen. Ernsthaft, das Buch Buch liest sich wie der Pressetext der internationalen ‚Kolonialismus Yay!‘-Kampagne von 1894. Neunzig Prozent der Zeit sind die Viecher nur damit beschäftigt, von Mowgli beeindruckt zu sein, weil er als Mensch so unsäglich überlegen ist. Die anderen zehn Prozent der Zeit wollen sie ihn fressen, was aus meiner Sicht völlig legitim ist.

Folglich werd ich zwar Elemente und Figuren aus dem Original verwenden, die aber völlig neu anordnen – und so ziemlich genau das Gegenteil von dem erzählen, was bei Kipling unterm Strich rauskommt.

Das Treatment steht weitgehend, als nächstes kommen die Lieder – einen Arbeitsschritt, auf den ich schwer stehe. So sehr ich das Drehbuch auch als Medium liebe, es verlangt nun einmal eine ausgesprochen nüchterne, zweckmäßige Sprache in den Regieanweisungen und eine möglichst realistische in den Dialogen. Mit Sprachmetaphern spielen oder mit dem Rhytmus, mit dem reinen Wortklang an sich… das ist da eher selten drin.** Von Reim und Metrum ganz zu schweigen. Darum freu ich mich dann immer wie ein Hampelmann, wenn wieder ein Libretto am Programm steht – quasi als schreiberische Ausgleichssportart, damit nicht irgendwann aus Versehen der Teil von meinem Hirn abstirbt, der mal wusste, wie ein Jambus funktioniert.

*und damit Angehöriger der zivilisationstreibenden Gattung

**Grundsätzlich hab ich ja den Verdacht, dass Poesie im Film kommt meistens aus den Bildern, oft aus der Geschichte und alle heiligen Zeiten einmal aus der Sprache. Löbliches Beispiel für Letzteres ist die Serie ‚Being Human‘ (also, die britische Version natürlich, nicht die amerikanische, die die Welt in etwa so nötig hatte wie einen gesüßten Kartoffelsalat) – da sind die Dialoge teilweise von so lächerlicher Schönheit, dass man jaulen möcht

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Dschungelbuch

  1. Mountfright schreibt:

    Lass mich raten: Shir Khan als Chef der Volksfront zur Befreiung des Dschungles? 😉 Auf die Adaption bin ich wirklich gespannt, ich wünschte, ich könnte sie sehen. Allein – ich fürchte, das Ensemble wird nicht auf Tour gehen. *seufz*

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s