Landflucht

Es ist ja irgendwie ein alter Hut, das Schimpfen über das Wetter und so, aber… wenig dinge, die ich so wenig brauche, Wiener U-Bahnen bei 37° im Schatten. Man läuft einfach dauernd gefahr, dass man an jemandem kleben zu bleiben. Noch dazu, wo meine eigene dünne Schicht aus Zivilisation und Manieren in der Hitze dahinschmilzt wie die Polkappen und ich dauernd etwa zwei Minuten davor bin, jemand anzuherrschen: „Körperhygiene! Mal ausprobieren!“ Und das ist dann irgendwie nicht nett und am End würd jemand weinen und ich hätt ein schlechtes Gewissen. Also, fast.

Dazu kam dann heute noch eine sechseinhalbstündige Besprechung im Orf, einem sehr netten Siebzigerjahregebäude, das viele mysteriöse Gänge, aber wesentlich weniger Klimaanlagiges hat. Und danach die Tatsache, dass wir bis August einen Haufen Drehbuch-Endfassungen haben sollten und uns drum wirklich nicht leisten können, einfach eine Woche Pause zu machen. Und dann noch einmal vierzig Minuten U-Bahn-Fahrt in einem Abteil voller schwer tättowierter Herren mit Perspirationsproblemen. Und danach dann die Worte des Kellners beim Italiener, die da lauteten: „Sorry, Eis ist aus.“
Wenn ich noch die Kraft gehabt hätte, wäre ich an dieser Stelle dramatisch in die Knie gegangen, hätte die Hände gehoben und gen Himmel gebrüllt: „WARUM NUR, SONNE, DU GELBE SAU? WARUUUUUM!“
Nachdem aber die für einen cineastisch ansprechenden Verzweiflungsausbruch nötige Energie nicht mehr da war, weil weggeköchelt, hab ich stattdessen nur die Stirn auf den Tisch gelegt und leise unschöne Dinge über den Sommer geraunt, die ich in gemischter Gesellschaft ungern wiederholen würde.

Folglich steht momentan der Plan im Raum, für ein paar Tage das gesamte Büroleben nach Vorarlberg zu verlegen. Meine Familie hat dort ein Haus, auch in Vorarlberg kann man schreiben, die Leute reden putzig… und es ist im Durschnitt sieben Grad kühler als in Wien. Sehr verlockend.

Falls ich also ein paar Tage schweigsam bin, dann bin ich vor dem Sommer geflüchtet. Der Sommer ist doof.

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