Von Autorenexodus und einem Zombiehandy

So. In Bregenz hat es zehn grad weniger als in Wien, also treff ich den Groll in einer Stunde am Bahnhof, um den großen Drehbuchautoren-Exodus von ’12 zu starten.

Als ob das nicht schon der Aufregung genug wär, hat gestern mein antikes Handy den Geist aufgegeben, dass ungefähr zehn Jahre auf dem Buckel hatte und mittlerweile vage danach ausgeschaut hat, als würd es im nächsten Moment auf andere Handy losgehen, um deren Hirne zu fressen.* Gegen ein Ersatzhandy hab ich mich jahrelang gewehrt, mit der sehr berechtigten Begründung, dass ich von so einem Ding nur will, dass man damit telefonieren kann – dass ein Handy auch noch in der Lage ist, im Internet zu surfen, siebenunddreißig Klingeltöne abzuspielen und mir ein Spiegelei zu machen, das ist mir tendenziell suspekt. Ganz abgesehen mochte ich die Töne höchsten Unglaubens, die die Leute immer von sich gegeben haben, wenn sie meines Handies ansichtig wurden, ganz so, als hätt ich grad einen lebende Pterodactyl aus der Handtausche gezaubert.

Aber irgendwann hilft alles nichts mehr, das Ding ist tot, von dannen gegangen, verschieden, es ist ein Ex-Handy. Mit dem Ergebniss, dass gerade folgendes Telefonat stattfand.

Jacob: „Also, unser Zug geht kurz nach 13 Uhr, in Feldkirch können wir dann ein Auto mieten.“
Sarah: „…Feldkirch… Auto… Zug…“
Jacob: „Du bist noch nicht ganz wach, oder?“
Sarah: „DOCH! ABER ICH WAR GERADE IM MEDIA MARKT UND DORT WAREN VIELE LEUTE UND ES WAR HEISS UND ICH GLAUB ICH HAB DEN ARMEN VERKÄUFER IN DEN WAHNSINN GETRIEBEn WEIL TECHNIKBLÖDESTER KUNDE DES JAHRHUNDERTS – DER IST WAHRSCHEINLICH GLEICH DANACH IN EINEN LAGERRAUM GEGANGEN UND HAT SICH AUFGEHÄNGT UND JETZT HAB ICH EIN HANDY UND ICH KENN MICH NICHT AUS UND DAS HAT DAUERND SOLCHE FUNKTIONEN** UND ES IST HEISS UND….“
Jacob: „I see.“

Hilft alles nichts, das neue Handy ist da, hat nach langem Ringen sogar meine sim-karte und pincode akzeptiert… und nur etwa ein fünfte meiner alten gespeicherten Nummern übernommen, was ein wenig unerfreulich ist. Daher meine Bitte, liebstes Volk – wenn ihr der Meinung seid, ich sollte eure Nummer haben, dann seid so gut, und schickt mir eine namentlich zuordenbare sms. (Ob ich eure Nummer haben sollte lässt sich wahrscheinlich relativ leicht daran festmachen, ob ihr MEINE Nummer habt. In diesem Falle nämlich würd ich um sms-ung bitten.)

Gschamigster Diener,
S.

** „Funktionen“ im selben Tonfall ausgesprochen, in dem man auch von „Geschlechtskrankheiten“ und „wirklich grauslichen Ausschlag“ reden würde.

*und dann bitter enttäuscht zu sein, weil es mit dem Handyhirn halt so eine Sache ist

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Eine Antwort zu Von Autorenexodus und einem Zombiehandy

  1. Mountfright schreibt:

    Ah… schönes Handy. Ein Norwegian Blue, nicht wahr? Das ist nicht tot. Da schläft nur. Das ruht sich nur aus. DA! Es hat sich bewegt.

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