Redrum

Ein uraltes Bauernhaus irgendwo im Nirgendwo. Zwei Autoren, die sich dorthin zurückziehen, um endlich ein Buch (bzw. mehrere) fertigzuschreiben. Und als wir reinkommen, liegt in der Diele eine Axt.

Sarah: „Soll ich ‚Redrum‘ an die Wand schreiben, oder willst du das machen?“
Jacob: „Wir können eine Münze werfen.“

Es ist dann doch keiner von uns durchgedreht und mit der Axt auf den anderen losgegangen, die letzte Woche war allerdings trotzdem…intensiv.

08:30: eine vage Sarahförmiger Zombie kriecht aus ihrer Schlafhöhle und wankt in Richtung Küche, wobei sie abwechselnd ‚Hiiiiirne!“ und „Scheiß Frühaufsteher!“ stöhnt. Dort wartet meistens schon der putzmuntere Co-Autor (scheiß Frühaufsteher) mit einer Tasse Tee auf sie, die ihre höheren Denkfunktionen zumindest teilweise wieder herstellt.

08:45-18:00: Die nächsten neun Stunden verbringe ich in der Küche, er im Wohnzimmer, jeder tippselnderweise vor seinem/ihrem Laptop. Gelegentlicher Kriegsrat am Küchenfenster. Um etwa 15:35 kommt der erste Aufschrei der Marke „Shiiit, wo ist der Rest vom Tag hin?!“

18:00 – 19:00: Wenn Wetter es zulässt eine Stunde Joggen. Wenn nicht, dann grantiges am Küchenfenster sitzen und uns darüber wundern, dass wir es geschafft haben, DIREKT von einer Hitzewelle in eine Kaltfront zu flüchten.

19:00-20:00: Abendessen in einem der doch eher seltsameren Steiermärkischen Wirtshäuser. Ausnahmslos überall laufen Hits der mittleren Neunziger. „Weil ich ein Mädchen bin“ während dem Rindsgulasch.

20:00-22:00: Dvd schauen, dabei Bier (er) oder ein Gläschen Absinth (ich) süffeln. Vor uns hinschweigen, weil hirnmäßig völlig ausgelaugt.

22:00: Schlafenszeit.

Abgesehen davon, dass ein Tagaktiver Rhytmus etwas hochgradig Unnatürliches und Perverses ist, war die Woche schon fast gruselig produktiv. Könnte irgendwie an den acht bis neun Stunden völlig ununterbrochener Arbeitszeit liegen. Mehr als zwei Wochen am Stück (zuerst in Vorarlberg, dann in der Steiermark) hält dass das Schreiberlingshirn allerdings nicht durch – dann braucht es zumindest ein paar Tage Pause, damit es nicht explodiert.

Der Punkt ist für uns vorgestern gekommen und hat sich dadurch geäußert, dass ich diesselbe Szene (kniffelig, aber an und für sich nicht unlösbar) fünfmal hintereinander in den Sand gesetzt hab, wobei jeder Folgeversuch noch absuder war als der letzte. Am Ende haben sich die Figuren über ihre tragischen Kindheitserinnerungen mit Hamstern ausgetauscht, was in seriösem Fernsehkrimi nicht immer funktioniert. Die nächste dreiviertelstunde hab ich dann damit verbracht, in Fötalposition auf der Couch zu liegen und dem (unter allen kreativ Arbeitenden sehr beliebten) Gedankengang nachzuhängen, dass ich in Wahrheit gar nicht schreiben KANN, dass meine Familie und die ganze Branche mir das nur aus Mitleid nicht gesagthaben und/oder dass die letzten paar Jahre berufsleben reiner Zufall waren.
Bevor ich zu sehr in Fatalismus abgleiten konnte, hat Jacob dann allerdings seinen Laptop geholt und mir zum Gegenbeweiß eine von meinen eigenen Szenen vorgelesen, die sogar ich ma*. Das hat mich dann zwar ansatsweise mit der Welt und der Schreiberei versöhnt, aber sicherheitshalber machen wir jetzt zwei Tage Pasue, bevor wir uns auf die Überarbeitung der nächsten Folge stürzen.

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Eine Antwort zu Redrum

  1. Mountfright schreibt:

    Heeeeeeeere’s Sarah! 😀

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