Die Tränen des Laurentius

Für mich ist das Gefühl, in den Sternenhimmel hinaufzuschauen so ziemlich das gleiche, wie im Meer hinunter in die Tiefe zu spähen. Es ist eine Mischung aus Ehrfurcht und akuter Dankbarkeit für das winzigkleine physikalische Gesetzchen, das mich daran hindert, in diese schwarze Ewigkeit zu fallen. Ob hinauf oder hinunter, ob Sterne oder bioluminiszenter Plankton – das macht dann alles nur noch einen marginalen Unterschied.
W#hrend mich also der Sternenhimmel an sich ziemlich einschüchtert, ist der Anblick der Milchstraße dagegen auf seltsame Art… beruhigend. Heimelig. Wahscheinlich, weil mein Hirn sich ausrechnet, dass so eine Galaxis zwar verdammt groß, aber immer noch kleiner als das ganze Universum. Ich schaue zwar gerade in die die Unendlichkeit hinaus, aber die Milchstraße ist zumindest unsere Ecke der Unendlichkeit – nicht ganz so fern, nicht ganz so fremd wie alle anderen Sterne rundherum, sondern eigentlich schon so gut wie daheim daheim.*

Ich vergesse ja in Wien immer, wie ein richtiger Sternenhimmel aussieht – wenn man da die Venus zu Gesicht bekommt, ist das schon ein Hochamt. In Aschach schaut die Sache schon besser aus, aber auch hier gibt es viel zu viele Straßenlaternen und andere Leuchtigkeiten, die den Blick versperren.
Nachdem momentan die Perseiden fleißig auf Durchzug sind und es zudem eine absolut sternenklare Nacht ist, haben meine Mutter und ich heute Nacht spontan ins Auto gesetzt und sind eine Viertelstunde lang gradaus gefahren, hinein ins Oberösterreichische Hinterland. Auf einer kleinen Wiese weit weg von jeder Ortschaft, weit weg jeder menschlichen Lichtquelle, haben wir dann angehalten, uns in unsere Jacken gewickelt, den Grillen gelauscht und Sternschnuppen gezählt.

Nach einiger Zeit hab ich dann beobachtet, wie meine Mutter fröstelt.

Sarah: „Ist dir kalt? Sollen wir zurückfahren?“
Mutter: „Noch nicht. Eine Sternschnuppe brauch ich noch.“
Sarah: „Wofü… ah. Zwei hattest du schon?“
Mutter: „Genau.“
Sarah: „Kann ich dann davon ausgehen, dass deine ersten beiden Wünsche etwas mit deinen ersten beiden Kindern zu tun hatten und du jetzt noch einen für das Dritte brauchst?“
Mutter: „Ich kann doch jetzt den Michi nicht vernachlässigen, nur, weil keine Schnuppe mehr daherkommt! Das wär jetzt wirklich nicht fair!“
Sarah: „Seh ich ein.“

Also haben wir noch ein paar Minuten gewartet, auf dass der Klein-Bruder nicht sternschnuppentechnisch unterversorgt aussteigen möge – und dann war es pötzlich so, als würde der ganze Himmel in Bewegung kommen. Das Mütterlein hatte am Ende sogar noch mehrere Wünsche überschüssig, aber für was sie die verwendet hat, das hab ich sie nicht gefragt

*Ich hab nie behauptet, dass mein Hirn in solchen Dingen besonders logisch ist.

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2 Antworten zu Die Tränen des Laurentius

  1. Mountfright schreibt:

    Ich wollte gestern auch Perseiden schauen, dann ist mir aber rechtzeitig eingefallen, dass ich dafür auch ein paar Kilometer aus der Stadt fahren muss. Und dass ich am Nachmittag einen Whisky und zwei Gin Tonic getrunken hatte. Und dass der eine oder andere Verkehrsrichter meinen Sinn für Romantik womöglich nicht teilt. Und dass es meiner Reaktionsfähigkeit auch egal ist, wie schön es wäre, jetzt auf einem Hügel zu sitzen und in die Sterne zu schauen. Mal sehen, heute Nacht vielleicht.

    Tiefe Wasser und das Weltall beruhigen mich eher. Das ist ein großes Nichts, in das ich im Zweifel aufgehen könnte. Was mich ängstigen kann ist ein ganz simpler, schöner Taghimmel, der sich über mir aufspannt und an dem jede Wolke größer ist als alle Gebäude und alles menschengemachte um mich. Das macht mich klein. Andererseits – was ist schon schlimm daran, winzig zu sein. 😉

  2. Sarah Wassermair schreibt:

    Ich glaub, für tiefes Wasser hab ich einfach zu viel Phantasie… beziehungsweise ein Stammhirn, dass sich verpflichtet fühlt, mich immer wieder mit grossem Nachdruck darauf hinzuweisen, dass da unten theoretisch gaaaaanz große Tiere leben könnten.

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