Die kleinen Aha-Momente

So, in einer Stunde unterschreib ich meinen neuen Mietvertrag.

Ich will euch nicht anlügen, oh Freunde, die ganze Sarah-zieht-in-eine-größere-Wohnung-um-Aktion ist bisher nicht ohne die eine oder andere Panikattacke abgegangen. Besonders eindrücklich die, die mich um vier Uhr morgens mit einem Glas Whisky und einem Taschenrechner an den Küchentisch getrieben hat, um meine Finanzen für die nächsten paar Jahre in jeder nur erdenklichen Variante durchzurechnen, von Vollbeschäftigung bis zum Nach-Janus-will-nie-wieder-jemand-in-diesem-Land-mit-uns-arbeiten-und-wir-werden-komplett-verarmen-Szenario.
Eines meiner beiden Schulterteufelchen* war da die ganze Nacht nur beschäftigt mich darauf hinzuweisen, dass ich mich völlig übernehme, dass es taktisch klüger wäre, bis zu meinem Ableben in meiner Studentenbude zu bleiben, weil man als Selbstständiger ja nie weiß, und dass ich eigentlich, also, so genau genommen, doch weder Platz noch Schlaf wirklich brauche, nicht wahr? Und dann beäugt man plötzlich in den frühen Morgenstunden das Telefon und überlegt sich, ob es zu spät ist, den Makler anzurufen und die ganze Nummer abzublasen. Nachdem das aber um vier Uhr morgens nicht geht, hab ich mir stattdessen noch einen Whisky eingeschenkt.

Folglich hatte es Jacob am nächsten Morgen mit einer sehr, sehr übermächtigen Co-Autorin zu tun und sah sich zu einem halbstündigen Peptalk genötigt, dessen Kernpunkt es war, dass ich mich nicht so anstellen soll. Anscheinend, so teilte mir der kluge Groll mit, sind diese Paniknummern komplett normal, wenn irgendjemand seinen Lebensstandard von ‚Student‘ auf ‚Erwachsener Mensch‘ umstellt.

Sarah: „Was – das geht anderen auch so?“
Jacob: „Klar. Manche rufen dann mitten in der Nacht den Makler an und sagen ihm, dass sie die Wohnung doch nicht wollen oder so.“
Sarah (mit größter Undschuldsmiene): „Ach, wirklich? Wer tut denn SOWAS?“
Jacob: „Jeder“
Sarah: „Ist das wieder so ein Erwachsen-werden-Dingsi?“
Jacob: „Genau.“
Sarah (im Ton einer Frau, die grad eine ziemliche Erkenntnis hat): „Ah-ha!“

Als mir dann meine Eltern auch noch unabhängig voneinander versichert haben, dass sie ja auch noch da sind, sollte zufälligerweise der gesamte österreichische Drehbuchmarkt plötzlich einbrechen oder Ähnliches, war ich dann wieder weitgehend beruhigt.

*ich weiß, die traditionelle Arbeitsaufteilung in diesen Fällen beinhaltet ein Engelchen und ein Teufelchen, aber laut Jacob ist es eher unwahrscheinlich, dass sich irgendein Engelchen bei mir für diesen Job freiwillig gemeldet hätte. Stattdessen hab ich eben zwei chronisch überforderte Schulterteufelchen, die nicht die geringste Ahnung haben, was sie da eigentlich machen.

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5 Antworten zu Die kleinen Aha-Momente

  1. Pat schreibt:

    yes. das geht jedem so 🙂 genieß die neue Wohnung! eine schöne wohnung trägt viel zur entspannung selbst bei 🙂

  2. Sarah Wassermair schreibt:

    Aber wenn das jedem so geht… warum SAGT einem das sowas keiner vorher? Ich will eine Broschüre: „Erwachsenwerden für Dummies“. Mit Bildern und so.

  3. Brigitte schreibt:

    bei der vorstellung so einen echten unbefristeten mietvertrag zu unterschreiben kommt mir aber auch das kalte grausen. ich mags schon nicht gern, wenn mein name am türschild steht.
    wenn du dann erwachsen bist, sagst du mir wie das geht? ich will keine broschüre, ich will einen coach.

  4. Sarah Wassermair schreibt:

    Naja, so richtung unbefristet ist das Ding ja nur für den Vermieter – als Mieter bist ein Jahr gebunden, dann hast drei Monate Kündigungsfrist.

    Coach hab ich auch keinen, höchstens eine Couch. Und ich bin nicht sicher, ob uns die irgendwie weiterbringt.

  5. Mountfright schreibt:

    Höret, oh Ihr Jungspundinnen und -spunde, was der Alte Mann spricht: Lasset ab von dem Popanz, dem Hirngespinste, der Narretei, die da genannt ist: Erwachsenwerden. Es ist ein eitel Spiel der Täuschung, und nirnicht hat jemand solches je gesehen, noch erlebt. Mancher mag verknöchern an der Seele und glauben, dieses sei jenes, alle anderen aber warten und warten, bis denn Freund Hein an die Türe klopft und sagt: Komm mit und werd erwachsen.

    Zieh in die Wohnung und hör auf zu grübeln. Carpe Diem!

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