Von Umzügen und Froschfluchten

Umziehen ist lustig. Umziehen macht Spaß. Und jetzt tun wir das bitte nie, nie, nie, nie wieder. Damals und die Wohnung eingezogen bin ich mit drei Bananenschachteln und einem Blumentopf. Ausgezogen bin ich mit zwei Möbelpackern und einem Lastwagen. Unglaublich, was in sechs Jahren an Büchern zusammenkommt – sogar, wenn man rigoros aussortiert und eh die Hälfte seiner Bibliothek in Oberösterreich hat. Dankenswerterweise waren die beiden Knaben von der Umzugsfirma, sonst wären Mütterlein und ich gleich mehrere unschöne rückenleideninvolvierende Tode gestorben.

Und nicht nur waren die Knaben kräftig, sondern noch dazu sehr, sehr umsichtig und haben das Aquarium angegriffen, als würd es ganz aus Meißner Porzellan und Babys bestehen. Unterm Strich ist die Übersiedelung erstaunlich unfallfrei gelaufen – die einzigen Fatalitäten waren ein paar Bilderrahmen (Opfer einer heimtückisch, quasi in meuchelmörderischer Absicht durchreißenden Schachtel) und ein Neon-Fisch. Der Tod Neon-Fisches lag an der fast lächerlichen Fähigkeit der Viecher, sich zu verstecken. Ernsthaft – die Guppys hatte ich allesamt in zwei Minuten eingefangen, weil die Burschen neugierig wie sieben Katzen sind. Wenn ein großes Netz vom Himmel kommt und einen Guppy einsammelt, sind sofort drei andere zur Stelle, um zu schauen, was denn da passiert sein könnte. Die Neons hingegen… man müsste nicht glauben, dass eine lebende Leuchtreklame dermaßen UNSICHTBAR sein kann. Am Ende hatte ich nur noch einen Zentimeter Wasser im Becken und hab raffinierte Netzfischtaktiken eingesetzt, die in sechs von sieben Weltmeeren illegal sind, und hab immer noch einen von ihnen übersehen. RIP.

Dazu kam dann noch, dass es den Lazafrosch* fürchterlich irritiert hat, dass sein Zuhause jetzt plötzlich völlig anders ausschaut und er folglich beschlossen hat, in Lassie-Manier trotz aller Hindernisse und Gefahren seinen Weg zurück in die alte Heimat zu finden. Was er dort wollte – die Nachmieter hinausprügeln, Timmy aus dem Brunnen retten oder einfach nur herumsitzen – ist ungeklärt. Besonders weit ist er nämlich nicht gekommen, grad weit genug, dass meine Mutter mich in aller Herrgottsfrühe mit den Worten: „Entweder, ich halluzinier, oder da sitzt ein verwirrter Frosch im Bad“ geweckt hat.

So schlauchig die ganze Aktion auch für Sarah, Sarah-Familie und Sarah-Amphibien war, insgesamt hat es sich aber höchst gelohnt.
Sobald ich wieder selber Internet hab, gibt’s auch Fotos von der neuen Wohnung, aber insgesamt verbring ich momentan viel, viel Zeit damit, ob Platz und Ruhe selig zu grinsen. Also, die Zeit, die ich nicht hektisch in meinen Laptop hake, weil die Umzieherei wertvolle Schreibzeit gefressen hat. Ich werd wahrscheinlich jetzt erst mal ein paar Monate aus Umzugskisten leben, bis alle Headlines erledigt sind… aber das war es wert.

*momentan ein einsamer Lazafrosch, Kermit hat scheinbar vor einiger Zeit entweder a) das Zeitliche gesegnet oder b) wesentlich erfolgreicher als sein Kollege die Flucht ergriffen und betreibt jetzt eine Cocktailbar in Tahiti. Ich hoffe auf Letzteres. Sobald das Becken halbwegs eingefahren ist, bekommt Lazafrosch aber wieder Gesellschaft – Zwergkrallenfrösche alleine zu halten ist fies, gemein und allgemein verwerflich.

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4 Antworten zu Von Umzügen und Froschfluchten

  1. Mountfright schreibt:

    „Ausgezogen bin ich mit zwei Möbelpackern und einem Lastwagen.“

    Ah – so erfährt man als ferner Freund, der Dich im Wiener Singlejungle wähnt, dass Du eine WG mit gleich zwei kräftigen Jünglingen unterhältst. Hut ab.

    Kermit wartet vermutlich nur darauf, dass Lazerfrosch folgt. Es gibt da eine alte Mauer, und darin einen Brocken Vulkangestein, den man in einer Mauer in Neu-England nie erwarten würde… 😉

    Alles Gute im Neuen Heim, meine Beste!

  2. Sarah Wassermair schreibt:

    Ja… und du solltest erst mal den Lastwagen sehen…

    (Im Übrigen, ganz was anderes – erfreust du dich grad auch so an der argumentativen Misere der Frau Schramm? Nett, oder?)

    • Mountfright schreibt:

      Eigentlich widern die Dame und ihr Verhalten mich an. Nicht, weil sie plötzlich, als Urheberin, feststellt, dass das Urheberrecht und die klassischen Geschäftsmodelle doch sinnvoll sind – im Gegenteil, da hätte sie meine volle Solidarität. Aber ihr argumentatives Herumwinden, in dem sie wahlweise mal wieder die Urheber (also – ALLE anderen Urheber die meinen, Geld für Ihre Arbeit bekommen zu wollen, nur nicht sich selbst), ihre Vertragspartner beim Verlag oder auch die Parteibasis der Piraten verunglimpft und sich selbst im Recht sieht, das treibt mir das Vorverdaute aus dem Gesicht. Mit der Argumentationslinie der Trulla in Sache Geistiges Eigentum könntest Du, Beste, Päpstin werden: Ich glaube zwar nicht an Gott, aber die Vorteile, die das Amt des obersten Gottgläubigen einer bestimmten Religion so mit sich bringt, die nehme ich gerne mit. Ich muss an mich halten, nicht ausfallend zu werden, bei so viel dummdreister, ignoranter, illoyaler Selbstgerechtigkeit.

      Ich freue mich eher über die Frau Weisband. Wie schnell man von der Vordenkerin einer Partei zum niedlich-naiven Dummchen mutieren kann („Ich brauche das Geld ja zum Leben…“) ist atemberaubend. Ja, Marina, wir auch. Erstaunlich, oder? Was dachtest Du denn?

      Allerdings schaue ich dann, was die Netzpolitiker und Jungspunde meiner (noch?) eigenen Partei so verzapfen und verstumme in schamhafter Demut.

  3. Sarah Wassermair schreibt:

    Bester, du sprichst mir aus der Seele…

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