Schwärmedi-schwärm-schwärm

So anstrengend die Umzieherei auch ist… sie war trotzdem eine der cleversten Ideen, die mir in den letzten Jahren so durch mein wirres kleines Hirnchen gezogen sind. Leute, ich sage euch: ich liebe diese Wohnung. Ich bete sie an. Ich würde sie ehelichen, wenn das gesetzlich nicht auf so dünnem Eis stünde.

Anstatt eingequetscht in meinem Schlaf-Wohn-Arbeitszimmer sitze ich jetzt zum Schreiben in meinem Wintergarten und anstatt dass alle fünfzehn Minuten ein Zug vorbeidonnert, singen draußen die Vögel. Der Garten, auf den der Wintergarten hinausschaut, beherbergt nämlich eine ganze gefiederte Heerschaar. Im Bad gibt es eine Badewanne, meine Toilette attackiert weder mich, noch meine Gäste und die Heizung lässt sich ganz ohne arkane Beschwörungsrituale und Jungfrauenblut einschalten.

Apropos Gäste: das geht ja jetzt plötzlich auch. In meiner alten Wohnung waren maximal vier Personen gleichzeitig möglich, jetzt hab ich hier einen ausziehbaren Esstisch stehen, an dem ich zwölf unterkriegen würd. Das hab ich zwar noch nicht auspobiert, aber vorgestern gabs schon ein vollständiges English Breakfast (minus die Würstchen, weil Würstchen zum Frühstück einfach nur pervers sind) für sechs Leute. Ich hege jetzt schon große Pläne für Teegesellschaften, formelle Abendessen und Gelage von solcher Gelagigkeit, dass kommende Generationen noch ehrfurchtsvoll über die Dekadenz der Wiener Drehbuchautoren reden werden.

Und dann die Gegend! Allein in der Porzellangasse gibt es ein Büchergeschäft, ein Aquariumsgeschäft, ein Teegeschäft und drei Blumenläden, als hätten sie die heimische Ökonomie ganz gezielt auf meinen Bankrott ausgerichtet. Wunderschöne Jugendstilhäuser rundherum, Cafés und Lokale in fast lächerlichen Massen*, in ein paar Gehminuten ist man am Grünen Donaukanal. Und direkt vor der Haustür Fährt die Straßenbahnlinie D, die den gesamten Ring abfährt – ich brauch von hier keine zehn Minuten bis zum Volkstheater, zur Oper, zum Museumsquartier…

Und dann sind da natürlich noch die Nachbarn. Die Nachbarin zu meiner Rechten ist eine hinreißende Dame namens Rosita, mit der ich mir schon ausgemacht hab, dass wir kommendes Frühjahr den Gemeinschaftsgarten zusammen aufmöbeln werden. (Bisher hat sie sich allein drum gekümmert.) Mit dem jungen Mann zu meiner Linken hab ich mich noch nicht so lang unterhalten, aber auch der wirkt ausgesprochen nett. Das heißt, ich kenn nach zwei Tagen schon zwei Leute im Haus mit Vornamen – das ist mehr, als ich im alten Haus in sechs Jahren geschafft hab.

Kurzum: die ganze Aktion ist jeden Tropfen Umzugsschweiß, jedes Formular und jeden Cent mehr an Miete hundertmal wert. Es ist einfach herrlich.

Und jetzt noch, weil ich schon seit Wochen Fotos verspreche: das allererste Frühstück im Wintergarten.

*schon ausprobiert: Grieche, Beisl und Bolivianer. Ganz hervorragend. Bolivianer hat einen hinreißenden Koka-Schnaps, nebenbei bemerkt.

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5 Antworten zu Schwärmedi-schwärm-schwärm

  1. Pat schreibt:

    sieht gemütlich aus! 🙂

    • Sarah Wassermair schreibt:

      It is, it is…

      Und sobald ich mal ansatzweise Luft hab und es im Rest der Wohnung nicht mehr ausschaut wie im Ikea-Schachtellager, dann sind du und deine Dame definitiv in absehbarer Zeit zum Mahl geladen. 🙂

  2. frl. e schreibt:

    freut mich für dich und freu mich schon das ganze mal live zu sehen 😉

  3. Sarah Wassermair schreibt:

    So kommen Sie nach Wien, Madame!

  4. Brigitte schreibt:

    ein katalogfoto… ich freu mich für dich!

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