Von einem Raaben, einem Handy und einem Schmortopf.

Gestern Abend also mit den Brüdern im Max Raabe Konzert gewesen – nicht mit dem Palastorchester, sonder nur er und ein Pianist. Liederabend, hauptsächlich Stücke aus den Zwanzigern und Dreißigern, mit ganz, ganz hinreißenden Texten*, die noch hinreißender werden, wenn Max Raabe sie singt. Denn, seien wir uns ehrlich, es gibt nichts, aber auch gar nichts im musikalischen Kosmos, das NICHT durch eine Adaption durch diesen Mann gewinnen würd. Ich kanns nicht besser beschreiben als: man hört ihm beim Singen den Gesichtsausdruck an. Und das ist einfach schön.

Und weil das nicht großartig genug gewesen wäre, hatt er dann bei der dritten Zugabe verkündet, ein Freund von ihm säße im Publikum. Der würde zwar nicht mehr öffentlich auftreten, aber vielleicht, wenn man ihn so Überfalle, würde er sich noch einmal überreden lassen…? Der Freund ließ sich tatsächlich auf die Bühne bitten… und dann war das Michael Quasthoff.** Der Mann hat standing ovations bekommen, bevor er nur den ersten Ton gesungen hatte. Und dann… sagen wir mal, wenn sich Raabe und Quasthoff duetteln, dann könnten die auch das Parteibuch des Kleingartenverbandes Hanzelnudel-Hupferstdorf absingen, nach der Melodie von Waddehaddeduddeda, und es würd einem immer noch Tränen der Ergriffenheit in den Augen treiben. Man hat richtig gemerkt, wie jedem einzelnen Menschen im Saal klar war, dass wir da grad unverhofft Zeugen von etwas Seltenem, Ehrfurchtsgebietendem werden… also jedem einzelnem außer dem Typen, der sein Handy nicht ausgeschalten hatte.
Denn grad bei der letzten Strophe, bei der Textzeile „… und dann wird es ganz still“ fängt es plötzlich im Saal zu dudeln an, dass es eine Freude hat. Michis Kommentar nachher: „Ah. So fühlt es sich also an, wenn tausend Leute gleichzeitg beschließen, dass sie jemand unbekannten abgrundtief hassen.“ Sekunden drauf hat man eilige Schritte und die Saaltür gehört – vermutlich wollte da jemand dem Lynchmord entgehen.

Gleich nach dem Konzert mit dem letzten Zug nach Oberösterreich, um heut rechtzeitig um halb neun im Spital zu sein, zum jährlichen Schilddrüsengesundheitscheck. Nicht, dass ich damit große Probleme hätte, aber nachdem ein Blick ins Familienalbum mütterlicherseits fast mehr Kropf als Kopf zeigt und solche Dinge erblich sind… nun, sagen wir mal, ich bin vorsichtig. Ich muss ja nicht unbedingt wie meine Urgroßmutter enden, die ein eigenes Tuch hatte, dass sie sonntags zum Kirchtag um das unkleidsame Halsgemüse zwirbeln konnte. Da tingle ich dann doch lieber einmal im Jahr zum Ultraschall, damit meine Schilddrüse sich ob der strengen Beobachtung nicht zu mucken traut.

Danach ein paar Stunden geschrieben / mit dem Co-Autoren am Telefon über Figurenschicksale verhandelt und dann schon wieder zurück nach Wien, weil das Fräulein Brigitte einen kürzestbesuch angekündigt hat – und das Leben enthält viel zu wenig Brigitte, um von der ohnehin schon arg begrenzten Brigittezeit auch noch was zu versäumen. Bin folglich dazugekommen, zum ersten Mal in der neuen Wohnung wirklich aufzukochen, für sie, ihren Beau und das zufällig dazugestoßene Cousinchen Lena.*** Sehr netter Abend, der noch netter dadurch gemacht wird, dass ich ja jetzt eine Geschirrspülmaschine hab, die das Abwaschen für mich übernimmt.

Und nachdem ich jetzt eben NICHT abwaschen muss, dafür aber morgen zu Zeiten zum Schreiben aufstehen****, weil die Deadline dräut… ratet mal, was ich jetzt mach? Genau. Nacht allerseits.

*Mein Favorit, hier mit Orchester: http://www.nuna.tv/carmen-erbarmen

**Für die, die ihn nicht kennen: ganz großartiger Star-Bariton, der vor einiger Zeit seine Karriere aus gesundheitlichen Gründen beenden musste und den ich bis dahin noch nie live gehör thab.

*** Für seltsame Leute, die anderer Leute Menüfolgen interessieren: Kürbis-Mandarinensuppe mit Croutons, einen Schmortopf mit Hühnchen, Pilzen und Pflaumen auf arabische Art, dazu Couscous und Tomatensalat und zuletzt eine Bratapfelcrumble zum Nachtisch. Und, no na ned, zwei Flaschen Wein.

**** Ich bin momentan teereduziert und damit tagaktiv. Lange Geschichte. Sehr seltsam. Jacob ist schuld. Erzähl ich morgen.

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