Streifiges

Ich fitzle momentan die Arbeit am Dschungelbuch in die Momente, in denen ich auf Jacobs Rückmeldung bei Janus warten muss, auf dass keine Sekunde arbeitszeit ungenützt verstreichen möge. Heut abend brüte ich über einem von Shere Kahns Liedern, was nicht ganz einfach ist, weil meiner Meinung nach das ultimative Tigergedicht schon längst geschrieben wurde: „El Tigre“ von Pablo Neruda.

Der Tiger

Ich bin der Tiger.
Laure auf Dich im Laub,
zwischen Blättern, so strotzend
wie Barren feuchten Erzes.

Der weiße Fluß schwillt an
unterm Nebel. Du kommst.

Nackt tauchst Du unter.
Ich warte.

Und dann, in einem Sprung
von Feuer, Blut und Zähnen,
reißt ein Prankenhieb Dir
die Brust, die Hüften nieder.

Ich trinke Dein Blut, breche
Dir Deine Glieder, einzeln.

Und dann halte ich Wache
im Urwald, jahrelang,
bei Deinen Knochen, Deiner
Asche, regungslos,
fern dem Haß und dem Zorn,
entwaffnet durch Deinen Tod,
von Lianen umwuchert,
regungslos unterm Regen,
unerbittlicher Wächter
bei meiner Mörderliebe.

Ernsthaft – was soll man da noch groß tigertechnisch Wörter zusammenstückeln, wenn Neruda echt schon alles gesagt hat, nur besser? Ich weiß noch, wie wir damals auf o-livro* dieses Gedicht diskutiert haben, tagelang. Und uns schließlich drauf geeinigt haben, dass es hier weder um Mord noch Vergewaltigung geht, sondern schlicht und ergreifend um Sex.** Ich halt das Ding auch bis heute für eines der erotischten Gedichte der Weltliteratur – da kann das Hohelied Salomos dagegen einpacken.

*ein Internet-Literaturforum, jene famosen Einrichtung, bei der ich damals Razor getroffen hab

** oder zumindest hab ich das so in Erinnerung. Ist ja auch schon wieder fast ein Jahrzehnt her. Ich werd alt, glaub ich.

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2 Antworten zu Streifiges

  1. Mountfright schreibt:

    Es koennte allerdings auch sein, dass es um einen Tiger geht. 😀

    Wegenweil Inspiration: Es gibt eine neue deutsche Ausgabe des Dschungelbuchs mit nahe an genialen Illustrationen von Martin Baltscheit.

  2. Sarah Wassermair schreibt:

    Wo du da einen Tiger rausliest… pffft!

    Die Baltscheitausgabe sieht tatsächlich glorios aus… allerdings der Preis auch. Vielleicht wart ich damit noch einen Tick, bis ich reich bin und so.

    Wieso erzählt mir eigentlich Amazon, dass Sergej am 10 Oktober erscheint, aber dass ich bis dahin schon mal vorbestellen kann? Wo genau haben die Burschen ihren Kalender abgeknickt?

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