Von radiologisch dichten Brüsten

Ich bin schwer gespannt, welche Suchtreffer ich jetzt mit DER Betreffzeile bekomme. Aber sie macht tragischerweise im Kontext absolut Sinn, also seid so gut und habt einen Augenblick Geduld mit mir.

Es fing mit folgendem Dialog an…

Mutter: „Ich hab für morgen einen Termin auf der Radiologie ausgemacht, wir sollten bei dir mal einen Ultraschall machen.“
Sarah: „Wozu?!“
Mutter: „Ob alles passt. Wir haben zum Beispiel nie kontrolliert, ob du eh zwei Nieren hast.“
Sarah: „Mama – wenn du was geliefert kriegst, schaust du GLEICH nach, ob alle Bauteile dabei sind. Da kommst du nicht 24 Jahre später drauf!“
Mutter: „Eh. Aber Vorsorge schadet nie.“
Sarah: „…“

Also finde ich mich heute Morgen in Linz auf der Radiologie wieder, um zu prüfen, ob auch wirklich alle meine Innereien vollständig anwesend sind. Man gönnt sich ja sonst nichts. Gelohnt wird mir der Trip allerdings schon in der Anmeldung, nämlich mit einem ausliegenden Papier, dass die Spezifika einer Mammographie beschreibt – und das den wunderbaren Fachausdruck „radiologisch dichte Brüste“ enthält.

RADIOLOGISCH DICHTE BRÜSTE.

Ihr könnt auch vorstellen, mit welcher Begeisterung mich das erfüllt. Während ich mich aber noch über diese sprachliche Famosität begeistere, bittet mich eine Sprechstundenhilfe namens Brunhild ins Umkleidezimmer. (Zugegeben, ich weiß nicht, ob sie wirklich Brunhild heißt, aber wenn sie nicht Brunhild heißt, dann müsste sie Brunhild heißen, weil sie ausschaut wie eine Brunhild. Oder Borghild. Oder Walzhild. Definitiv Walzhild.)

Walzhild stellt keine Bitten, sie erteilt auch keine Befehle, sie stellt nur fest, unumstößlich und mit Kruppstahl in der Stimme.

Walzhild: „Schwangerschaft schließen Sie aus!“
Sarah: „Uh… ja.“
Walzhild: „Sie sperren die Tür da ab!“
Sarah: „Uhm… okay.“
Walzhild: „Sie ziehen sich aus!“
Sarah: „Ist gut.“
Walzhild: „Sie warten!“

Während ich dann in der Wartekabine herumstehe und fröstle, da weitgehend unbekleidet, wandern meine Gedanken automatisch zurück zu den radiologisch dichten Brüsten – und der Frage, ob denn schon jemals jemand diesen famosen Begriff in ein Hüttengaudi-Lied eingebaut hat. Da ich das bezweifle, beginne ich sofort mit der Reimarbeit, um mich davon abzulenken, dass meine Nieren gerade eiszapfisieren.

Ich komme allerdings nur bis „Antonia mit den radiologisch dichten Brüsten/die alle Männer küssten/ wenn sie nur von den Brüsten wüssten…“ und überlege gerade, ob ich als nächstes Reimwort ‚Zysten‘ irgendwie sinnbringend verwenden kann, als Walzhild zurückkehrt und mich zum Ultraschall bittet.

Der ist dann auf höchst enttäuschende Art vorkomnisfrei, was mich leicht deprimiert, weil ich mir zumindest den Ansatz einer Pointe erwartet hätte*. So kann ich abschließend nur anmerke, dass meine Nieren nicht nur zu zweit, sondern auch in erstklassiger Kondition sind, meine Leber unbescholten vor sich hinlebert und meine Gallenblase sogar mit dem Adjektiv ‚zartwandig‘ zu adeln ist.

Etwas, was euch sicher alle brennend interessiert hat.

*Berufskrankheit. Irgendwann fängt man an, sauer zu sein, wenn alles glatt läuft, weil das hernach das Schreiben erschwert.

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6 Antworten zu Von radiologisch dichten Brüsten

  1. frl. e schreibt:

    du warst in linz?????

  2. frl. e schreibt:

    ich meine… du warst in LINZ???? und sagst nichts? ^^

  3. Mountfright schreibt:

    Beim Liederdichten unterstütze ich Dich mal mit dem Hinweis, dass „dicht“, zumindest in der Umgangssprache des nördlichen Rheinlandes, auch ein synonym für „breit“ ist, im Sinne von „stracks“, im Sinne von „voll“ wie in „voll wie tausend Russen“, will sagen: überaus stark alkoholisiert. Das passt doch zu dem Hüttengaudilied (oder der Sommervariante: Ballermannpartylied).

    Daneben möchte ich Dich darauf hinweisen, dass es nicht ungefährlich ist, öffentlich zu machen wie das Liederdichten vor sich geht. Ich erinnere nur an den seeligen Ephraim Kishon und das im geheimen geraunte „Wir sind die Di- wir sind die Di- wir sind die Dichter. Wir zeigen nie uns’re Gesi- un’sre Gesichter.“

    Aber schön zu hören, dass alle Nieren, Lebern und zarten Gallen bei Dir am richtigen Fleck sind.

  4. Angelika schreibt:

    Ich liebe das Netz: habe gerade „Kishon Guppy“ gegoogelt weil ich meine Chefin mobil im Zoofachgeschäft statt an Ihrem Arbeitsplatz aufgestöbert habe. Etwas verschämt erklärte Sie, dass Sie gerade den Guppybestand des heimischen Aquaríums aufstocke – was in mir den Wunsch weckte mich mit einer meiner Kishon-Lieblingsgeschichten zu erbauen.

    Und dann: ich lande bei den „radiologisch dichten Brüsten“……habe mich selten so wunderbar amüsiert. Walzhild arbeitet auch leihweise im Singener Hegauklinikum, dort sorgt Sie dafür, dass man im MRT entweder hyperventiliert oder erstickt. Egal wie das im Ergebnis aussieht – ihre abgrundtiefe Verachtung für die Tatsache, dass man keine anaerobe Lebensform darstellt, ist einem sicher.

    Ganz liebe Grüße

    Angelika

    • Sarah Wassermair schreibt:

      Freut mich, dich amüsiert zu haben – dann war der Tag schon einmal per se nicht völlig verschwendet. 🙂

      Was Walzhild angeht… AHA! Ich hatte ja schon den verdacht, dass sie irgendwo eine Nebenbeschäftigung haben muss – für soviel Walkürenautorität ist eine Radiologie einfach nicht groß genug.

      Ich vermute allerdings, dass es durchaus auch Möglichkeiten gibt, dir als anaerobe Lebensform ihren Groll zuzuziehen. Experten auf dem Gebiet der Walzhildologie emfpehlen daher, auf Nummer sicher zu gehen und gar nicht zu existieren – das hilft zumindest in den meisten Fällen.

      Ganz lieber Gruß,
      Sarah

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