Von Ananas und Laufgrübeleien

Wieder eines dieser seltsamen Google-Suchresultate, die jemanden zu diesem Blog geführt haben: „Ananas flicken“. (Und ja, ich hab zweimal geschaut, das L ist da, Gottseidank.) Wer immer da draußen in der Situation ist, großes stacheliges Obst reparieren zu müssen: wir sind in Gedanken bei dir (und hätten gerne die ganze Story.)

Abgesehen von Ananas, mein Amüsement des Tages kam daher, dass es mich immer noch Überwindung kostet, Laufen zu gehen. Keine große, aber ich zöger es durch ‚Muss dringend noch einen Tee trinken‘ und ‚Sollte definitiv noch diese Mail schreiben‘ und ‚Hm, ich glaub, ich recherchier mal das altaramäische Vokabel für Klebstoff, weil ich ohne dieses Wissen nicht leben kann‘ doch immer soweit hinaus, dass ich meistens erst nach Sonnenuntergang hinauskomme. Das ist ein Spiel, dass Körper und ich spielen, seit ich sechzehn bin.

Und das ist drum schräg, weil ich das Laufen selber absolut liebe. Ich mag die Art, wie meine Muskeln langsam warm werden und genau das tun, was ich von ihnen verlange. Ich mag die Tatsache, dass mein Körper irgendwann anfängt, Endorphin auszuschütten und ich mein Leben nie so optimistisch betrachte als wie beim Laufen. Ich mag des, wie meine Gedanken scheinbar ziellos mäandern und gleichzeitig immer klarer und klarer werden. Und ich liebe die Minuten nach dem heimkommen, immer noch außer Atem, wenn sich jeder einzelne Muskel Wärme produziert und es sich anfühlt, als müsste ich schwach leuchten.

Abgesehen von den etwas Mühsamen ersten fünfzig Metern gibt es nichts, was ich am Laufen NICHT mag. Ich bin besser drauf, wenn ich es regelmäßig mach, und ich werd unleidlich, wenn ich länger nicht dazukomme.

Und trotzdem ist es eine kleine Überwindung, die Schuhe anzuziehen und aus der Tür zu treten. Vielleicht findet der kleine Urmensch in meinem Stammhirn es doof, Energie zu verschwenden, wenn keine Jagdbeute dabei rausschaut.* Vielleicht wehrt sich unbewusst der Teenager, der den Sportunterricht als Bevormundung empfunden hat, beim Völkerball NIE den Ball gefangen hat und daher Turnschuhen zutiefst misstraut. Schräg, schräg, schräg.

*der kleine Urmensch hat das Konzept von ’neuzeitlicher Überversorgung‘ noch nicht ganz kapiert.

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7 Antworten zu Von Ananas und Laufgrübeleien

  1. Brigitte schreibt:

    Ich stell mir das mit der ananas ohne l einfacher vor als mit. Und misstraue ab jetzt leuten, die ananas fertig geschält kaufen. Und habe eine theorie (die natürlich langweilig, weil realistisch ist) – ich hatte als kind eine jeans, die dann ein loch am knie hatte (weil kind) und darüber kam dann (weil mama) ein aufbügelflicken in form einer ananas (weil 80er). Mag sein, die person ist auf der suche nach sowas. Oder doch vitaminfetischistisch veranlagt und macht tippfehler. Oder die arme sau muss tatsächlich südfrüchte reparieren.

  2. Brigitte schreibt:

    Und dieser blog ist tatsächlich der erste link, den google zu der kombi anzeigt. Nicht dieser beitrag, sondern einer vom april über ananaskekse. Und ich muss mich schwer zurückhalten, das ganze jetzt ohne l zu googeln.

  3. Sarah Wassermair schreibt:

    Ich glaube, es ist für dein (und unser aller, solltest du von den Funden berichten) Seelenleben wesentlich, WESENTLICH gesünder, wenn du der Versuchung wiederstehst.

  4. Sarah Wassermair schreibt:

    Die Theorie mit der Jeansreparaturananas dürfte im übrigen so einiges an wahrheitsgehalt haben. *seufz* Soviel zu meinen Phantasien bezüglich einer Ananas-Manufaktur, einem blühenden Ananas-Second-Hand-Handel, einem Ananas-Tüf…

  5. Mountfright schreibt:

    Nein, Ihr wollt das nicht ohne „l“ googlen. Da ich bezüglich Seelenleben nichts zu verlieren habe und man von einem Mann sowieso nichts besseres erwartet, habe ich es mal getestet. Im ersten Beitrag bekommt man interessante Vorschläge zu verschiedenen Öbstern und Gemüsen, beim zweiten lautet die Überschrift:

    „Heute Treffen mit ananas und sofort f*****. (ohne l )

    Ich war eben zufällig im Supermarkt und habe dort einige Ananasse getroffen, but none of them made the old sign. Muss eine andere Sorte sein. By the way…

    Was ich davon halte, dass Du, meine Beste, nur bei Dunkelheit joggst, muss ich ja nicht näher ausführen oder?

  6. Brigitte schreibt:

    Ich habs ja doch auch gegoogelt, ohne l, und mich wohlweislich von den ersten links ferngehalten – seelenheil und so- und gottseidank bald ein schwedisches rezept für toast hawaii gefunden und mich gar unschuldig über eine lustige sprache gefreut.

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