Warum Sarah eine Nasenpolizei an der Theaterkasse will

Nun, nach einem Tag von mäßig erfolgreicher Grübulierung und Tippselei hatte ich heute den Eindruck, dass ein bisschen Kultur genau das sein könnte, was der altagsmüden Seele so fehlen könnte. Die Comedian Harmonists im Volkstheater wollt ich ohnehin schon lang sehen* und eine Karte hab ich just auch noch eine bekommen.

Leider, leider der Herr neben mir ebenfalls.

Äußerlich wirkte er zwar gepflegt, Marke älterer Kulturkritiker, und hatte auch eine ebenso geputzte Dame am Arm. Rein optisch: nichts auszusetzen, zumal ich in Hinsicht Theatersitznachbarn nicht übertrieben hohe Ansprüche zu hegen pflege. Problematisch war nur die olfaktorische Ebene, nämlich, dass der gute Mann müffelte wie sieben Tage Inkontinenz. Nicht unbedingt das, was ich in der Nase haben will, wenn ich mich auf den gottverdammten Grünen Kaktus konzentrier. Folglich bin ich also immer weiter nach rechts gerutscht, im hoffnungslosen Versuch, so den üblen Ausdünstungen von links zu entgehen**. So weit, bis ich fast meinem anderen Nebenmann auf dem Schoß saß. Der fand diese Entwicklung ganz offensichtlich beunruhigend und holte in der zweiten Spielhälfte zum biochemischen Gegenschlag aus, indem er unablässig an Himbeerzuckerl zu nuckeln begann. Wir reden hier von der Art Himbeerzuckerl mit einem so penetranten künstlichen Himbeerodem, dass mein olfaktorischer Kortex kurz erwogen hat, endgültig herunterzufahren.

Ich bin nach dem Schlussapplaus NICHT hinausgestürzt und hab gebrüllt „Sauerstoff, oh süßer Sauerstoff, ich dacht‘, ich hätte dich verloren!“ – aber ich schwöre, oh Freunde, es war knapp.

*ein Stück von profunder Absehbarkeit und ungefähr soviel Abgrund wie der Trattnacher Mühlbach, aber ausgesprochen schön gespielt und mit dem kleinen grünen Kaktus drin. Wenig Dinge, die den kleinen grünen Kaktus enthalten, sind grundsätzlich schlecht.

*ein Manöver, dass normalerweise in Österreich besser in die andere Richtung funktioniert

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Eine Antwort zu Warum Sarah eine Nasenpolizei an der Theaterkasse will

  1. Mother Duck schreibt:

    Es gibt einen eigenen Platz in der Hölle für alle Kinoreder, Kinohandyspieler, Kinobiertrinker und jetzt füg ich auch noch Theaterstinker hinzu.
    Ich stell mir immer vor dass diese Leute für den Rest ihres Daseins in einem stickigen Kinosaal sitzen, festgebunden, ohne Augenlider und Haneke-Filme anschauen müssen.

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