An mich selbst

Ich möcht es nur wieder mal festhalten, für die Zeiten, wenn ich im deadlinestress bin und allgemein frustriert und drauf vergesse: das Leben ist schön.
Denn es beinhaltet Sonne und weiße Blüten und frisches Grün. Es gibt groteske Geschichtenideen um drei Uhr nachts, die einen halb blind (weil ohne Brille) zum Notitzbuch stümren lassen und die im Licht des Nächsten Tages immer noch Sinn ergeben. Es gibt beleidigte Kater und Guppybabies, die gerade anfangen, ihre Farben zu zeigen. Es gibt Vögel, die im Garten zwitschern und es gibt Violinenmusik, die von irgendwo ganz weit Weg durch mein Fenster tröpfelt. Es gibt so viele grandiose Leute, die von irgendwoher in mein Leben gewandert sind, ohne dass ich weiß, warum: Leute, die mir Geschichten über Mexiko erzählen oder Leute, die vor der Tür stehen und Schokoladenkuchen bringen und Leute, die ich anrufen kann und sagen: „Hey, ich hab hier eine völlig gestörte Idee – lass uns das doch machen!“ Es gibt Leute in der Ferne, die ich trotz den Kilometern nicht verloren hab, weil sie sich einfach nicht verlieren lassen. Und die bisherige Erfahrung lässt vermuten, dass es noch viel mehr grandiose Menschen gibt, die ich nur noch nicht kenne, aber die ich noch finden kann, wenn ich mich ein bisschen umschaue. Immerhin hab ich bisher in dieser Hinsicht schon so lächerliches Glück gehabt, warum sollt jetzt die Auswahl erschöpft sein?
Es gibt Karteikärtchen, schneeweiß mit schwarzer Tinte, auf denen Geschichten langsam Form annehmen. Es gibt Musik wie scharlachrote Linien auf goldenem Grund und es gibt Parfüms wie weißer Nebel. Es gibt Bücher über alles, wirklich alles: über Nervenkrankheiten und über Chrysanthemen und über das Geschirr in der Tang-Dynastie, und wenn ich etwas wissen will, dann muss ich nur danach suchen. Es gibt Gewürze im allgemeinen und Kardamom im besonderen. Es gibt Tee in einer flachen Schale, der nach Erde duftet und nach Brot schmeckt. Es gibt weiße Rosen in einer rostigen Vase. Es gibt Nachmittagssonne, die gerade schräg durchs Fenster fällt, und die genau diesselbe Farbe hat wie Zuneigung.

Das Leben ist so schön, dass einem fast das Herz brechen könnt.

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Eine Antwort zu An mich selbst

  1. Mountfright schreibt:

    So ist es. So soll es sein. 🙂

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