Ask

Einer von diesen Tagen, die ich weitgehend in meinem Kopf verbracht hab und an denen „Wollen Sie ihren Chai Latte für hier oder zum mitnehmen?“ der bedeutungsvollste zwischenmenschliche Austausch war.

Folglich ist mir jetzt zum Plaudern zumute. Fragt mich was. Wenn die Antwort nicht mir oder jemand anderem schaden kann, dann werd ich ehrlich antworten.

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10 Antworten zu Ask

  1. Brigitte schreibt:

    Ist es moralisch in Ordnung, es okay zu finden, wenn sich das eigene Leben zu 99% um die Arbeit dreht? Oder sollte man schleunigst was Anderes finden, um sich selbst zu definieren und wenn, was? Dazu würd ich gern deine Meinung hören, falls du noch in Plauderlaune bist…

  2. Sarah Wassermair schreibt:

    Moralisch ist ja so eine Sach. Für mich ist ja moralisch so lange alles in Ordnung, so lange niemand anderer drunter leidet, der sich nicht wehren kann. Wenn also eine Mutter 99% der Zeit mit Arbeit verbringt und deswegen ihre Kinder verhungern lässt… hm-di-hmhm.

    Wenn es aber nur um einen selbst geht, dann hat Moral mit der ganzen Sache herzlich wenig zu tun. Also, find ich.
    Mit Glück vielleicht eher. Also, Glück im Sinn von ‚Bin-ich-glücklich‘-Glück. Ich bin zum Beispiel bei mir draufgekommen, dass ich kreuzunglücklich bin, wenn sich nicht ungefähr 85% meines Lebens ums Schreiben und der Rest um die anderen wichtigkeiten (also, primär Leute, die ich lieb hab, und Katzen) dreht, mit leicht variierenden Prozentsätzen. Aber ich bin auch die erste, die zugibt, dass ich wahrscheinlich ein blödes Beispiel bin, weil irgendwie generaldeppert. Und weil die Gschichtldruckerei so tief bei mir sitzt, dass ich sie, wenn ich sie nicht als Arbeit betreiben würd, halt in meiner Freizeit machen müsst. Was dann ja wieder die Grenzen verschwimmen lassen würd und so.

    Und wenn man mal vom Sarah-Beispiel weggeht, dann fallen mir grad zwei sehr unterschiedliche Sachen ein. Zum einen gibts da mehrere Wissenschaftler – drunter einen, den man Tschickenmichali spricht und von dem ich grad keine Ahnung hab, wie man ihn schreibt – die behaupten, dass die Leute am glücklichsten werden, die eine Arbeit finden, die sie glücklich macht und mit der sie sich identifizieren können. Irgendwie logisch. Auf der anderen Seite fällt mir da eine Statistik ein, die ich neulich mal gelesen hab, in der sie alte Leute gefragt haben, was sie in ihrem Leben am meisten bereuen. Und da haben fast alle gesagt: „Zuviel gearbeitet.“

    Hmhmhm. Wie stehst du in der Frage da, Allerbeste?

  3. Pat Lind schreibt:

    wenn ich da mal meinen senf dazugeben darf. ich arbeit ja eignetlich auch (teilweise – projektabhängig) recht viel und lang. was für MICH wichtig ist, ist dass es sich halbwegs die waage hält. dh der job selbst muss mir spaß machen, vorallem in 80+h wochen, sonst hält man das nicht aus. wenn es aber grad ein wenig ruhiger ist, dann mag ich mich nicht rechtfertigen wieso ich 3 tage hintereinander um 1300 uhr aus dem büro abhau. und das funktioniert bei mir beides.

    dh ich arbeite gerne, brauch aber auch immer einen gewissen ausgleich. nicht sofort am selben tag aber zumindest die neudeutsche „work-life-balance“ muss in dem zusammenhang passen. wie das mal ist wenn ich nicht nur für mich selbst verantwortlich bin und daheim mehrere lebewesen auf mich warten…kann ich ehrlich noch nicht sagen.

    ich finde es nur immer furchtbar wenn menschen von fr abend bis sonntag abend „leben“ und den rest der woche runterbiegen. und DAS ist für mich kein leben. 5 tage quälerei und 2 tage glück. da würde ich mich nach einem anderen job umsehen damit ich eben nicht mit 80 sage: ich bereue soviel gearbeitet zu haben. aber ich weiß, dass das oft nicht so einfach ist. da tut man sich mit dem entsprechenden hintergrund, einer guten ausbildung und generell einfach priviligiertem leben bedeutend einfacher als menschen die im leben bisher nicht soviel glück hatten und die einfach nur geld verdienen müssen um ihre familie zu ernähren.

  4. miss_polkadot schreibt:

    Ich hoffe du erwartest jetzt keine besonders ernsten Fragen – ich beschäftige mich derzeit zuviel mit Religion (nicht wirklich freiwilligerweise) um ernstgemeinte Fragen zu stellen. Und ich bin gerade in Fragelaune, ich hoffe ich übertrete hier keine quantitativen Grenzen, sonst such dir was aus. Also:

    1. Angenommen, du wärst Zoologin und irgendwo in der Wildnis unterwegs. Du entdeckst ein Tier, und darfst es nach dir benennen, also *Irgendwasirgendwas wassermaierii*. Was wäre das für ein Tier und wie sieht es aus?

    2. Du hast den Kaiser vom Vereinigten Kaiserreich der Ober- und Niedersibirischen Staaten zum Abendessen zu Gast. Was tischt du auf?

    3. Wenn du auf einen deiner Sinne verzichten müsstest, welcher wäre es?

    4. Angenommen du bist eine Märchenprinzessin* (muss nicht aus einem existierenden Märchen sein, kann aber), wer wärst du?

    5. Was war dein Lieblingskinderbuch?

    • miss_polkadot schreibt:

      aaah. ich hab ein unverfußnotetes fußnotenzeichen im text! ich hatte fußnotige gedanken zur diskussion darüber dass „mädchen nicht nur prinzessinen sein sollten“, aber dann doch wieder verworfen. aber einsame fußnotenzeichen machen mich immer traurig. vor ein paar Jahren war mal sowas auf einer L’Oreal Shampooflasche (und nicht nur auf einer, sondern über lange Zeit war das so), und ich hab jedes mal die Flasche von neuem abgesucht, ob sich die Fußnote nicht *doch* wo versteckt hat.

    • Sarah Wassermair schreibt:

      1. Ein Tiefseemonster. Und dass würd ich dann wahrscheinlich nach meiner Mutter benennen.
      2. Forellenmousse auf grünem Spargel. Schmorhuhn in Zitronen-Oliven-Sauce. Honig-Mandel-Parfait. (Primär drum, weil das alles drei Rezepte sind, die so gut wie nicht schiefgehen KÖNNEN -wenn ein Staatsoberhaupt zu besuch kommt, mach nicht einmal ich kulinarische Experimente.)
      3. Vermutlich der Geschmacksinn. Augen und Ohren brauch ich zu sehr zum Schreiben. Wenn der Geruchssinn weg ist, dann verdünnisiert sich sowieso auch der Geschmacksinn, das wär ein zwei-in-einem-Verlust. Und ich bin zu patschert, um ohne den Tastsinn lange zu überlegen. Ich fürchte wirklich, das Geschmacksinn müsste gehen.
      4. Scheherazade. Die hat um ihr Leben erzählt, das find ich angemessen Heroisch.
      5. Die Märchen der Gebrüder Grimm, illustriert von Svend Otto S. (Ja, der steht wirklich mit Abkürzung am Cover). Ich mochte da die böse Stiefmutter so.

  5. Mountfright schreibt:

    Ich mag Deine Antworten auf meine Fragen am liebsten, wenn Du a) mir gegenübersitzt und entweder b) gerade das Wasser über den Zuckerwürfel laufen lässt oder c) gerade eine Vorleserei von mir gehört hast (purer Eigennutzt, Letzteres), also bringe ich Dich einfach bei Gelegenheit mal wieder in einen dieser Zustände. 😉

    Zu Brigittes Frage fällt mir ein: Definiere „Arbeit“. Schreiben im Flow? Ist meine Arbeit, kann ich nicht genug von bekommen, ist wahrscheinlich auch moralisch im Sinne von gut, da ich dadurch dass tue, wofür ich vorgesehen bin. Wäsche aufhängen? Ist auch meine Arbeit, muss gemacht werden, wenn ich das aber 90 Prozent der Zeit täte, würde ich die anderen 10 Prozent aber unglaublich unmoralisch handeln, nur um das Gefühl zu haben, dass ich noch lebe.

  6. Sarah Wassermair schreibt:

    Ich stell mir jetzt grad Razor auf einem mehrtägigen Post-Wäsche-Aufhäng-Binge vor. Es ist ein sehr, sehr faszinierendes Bild. 😀

    • Brigitte schreibt:

      Mit freilaufenden fußnotenasterisken gehts mir genauso… Vielleicht ein durch pratchett angelerntes gefühl, das beste zu verpassen, wenn man die fußnoten nicht liest.

      Definiere arbeit: das wäscheaufhängen um den flow herum (grad ein gutes beispiel, weils ja bei mir wirklich manchmal zum job gehört. und nicht wirklich zu den allerbefriedigensten teilen). das, was man machen muss, um das im flow entstandene sinnvoll verwerten zu können, tätigkeiten, die oft viel mehr zeit in anspruch nehmen als der tatsächliche „beruf“. die aufgaben, die dergestalt sind, dass man sich neben ihrer erfüllung auch noch moralische fragen stellen kann. die man aber auch nicht einfach ungetan sein lassen kann, weil sie das gerüst sind, auf dem das in glücklichen flowmomenten entstandene dann stehen kann. das wär arbeit, für mich.

      • Mountfright schreibt:

        Wer damit 99 Prozent seiner Zeit verbringt hat mein ganzes Mitgefühl. Wer sie diszipliniert und regelmäßig erledigt hat meine ganze Bewunderung. Diese Art der Pflichterfüllung okay zu finden hat nichts Unmoralisches, oder? Ich hasse sie nur… jedenfalls so weit sie mit Wäsche und Aufräumen zu tun hat.

        Spülen, Kochen, Küche saubermachen hingegen mag ich. Hm. Ist das zu nah an Völlerei, um moralisch zu sein? 😉

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