Von Curries und heiligem Basilikum

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Abb. 1. Das Wassermair’sche Gewürzregal

Wie nur dem geübtesten und findigsten aller Beobachter auffallen dürfte, hege ich eine gewisse Zuneigung zu Gewürzen. Zu Kräutern natürlich auch – vor allem nach meinem Umzug in eine Wohnung mit Wintergarten, in und vor dem das Grünzeug mit solchem Enthusiasmus wuchert, dass ich eine Machete bräuchte, wollte ich meinem Lavendel jemals wieder Herrin werden. Momentan umfasst meine Sammlung fünfzehn lebende Kräuterstöcke und etwas mehr als siebzig verschiedene Döschen und Gläschen mit duftendem Inhalt. Nicht nur kann man damit sein Rührei auf x verschiedene Arten zubereiten, nein: jedes Gewürz bringt seine eigene Geschichte mit, es erzählt mir auch jedes etwas über das Land aus dem es kommt, die Völker, die mit ihm kochen. Ihr glaubt mir nicht? Dann schaut euch doch nur mal an, wie eng die ungarische Nationsgründung und Paprika miteinander verknüpft sind. Oder das Theater, dass die alten Griechen um Safran aufgeführt haben. Oder die Mythen, die sich in Indien um Basilikum ranken. Und von den Engländern und ihrer Minze will ich gar nicht anfangen! Andere Leute sammeln eben Briefmarken, ich sammle Gewürze und ihre Geschichten. Jeder hat halt so seine Schäden.

Insofern war der Satz, den Klein-Brüderlein neulich zu mir sprach, wahrscheinlich ziemlich fatal: „Sag, kennst du eigentlich das Curry me home? Das ist gleich bei dir ums Eck.“
Ich kannte es nicht, ward aber allein vom Namen wie magisch angezogen und bin also heute mal dort vorbeigewandert. Ein ganz hinreißender Laden in der Servitengasse, der ausschließlich Gewürze und Öle verkauft und das in gloriosester Qualität. Folglich besitze ich jetzt noch mehr obskure Pulverchen als zuvor, unter anderem zwei neue Curries und drei afrikanische Mischungen, von denen ich zuvor noch nie gehört habe, die aber köstlich duften.

Jetzt hab ich also ein Tee-, ein Buch-, ein Zierfisch- und ein Gewürzgeschäft in unmittelbarer Gehweite. Das könnte auf die dauer zwar wirklich kritisch werden, aber: das Servitenviertel bemüht sich schon verdammt, mein kindisches kleines Herz zu erfreuen.

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