Von einer Katzenvakanz

Ramses Nachruf muss noch ein paar Tage warten – momentan zieht sich bei mir da Magen zusammen, wenn ich seinen Namen nur tippe.

Lasst mich also stattdessen, interimsmäßig, von einem seltsamen Phänomen berichten – namentlich, dass die Katzen der Umgebung offensichtlich mitbekommen haben, dass wir eine feline Vakanz haben.
In der letzten Woche ist beständig eine elegante schwarze Dame mit smaragdgrünen Augen ums Haus gestrichen, mysteriös genug, dass wir angefangen haben, über die Katzen-Version einer Sensenfrau zu spekulieren, die auf ihren Einsatz wartet. Gegen die Theorie spricht, dass sie offensichtlich gesäugt hat und tatsächlich – kurz darauf ist auch das dazugehörige Junge aufgetaucht, ein winziges schwarz-rotes Ding, zu 20% Kätzchen, zu 80% Flausch. Wir haben ihnen Milch hinausgestellt, aber sie schienen beide mehr daran interessiert zu sein, gestreichelt zu werden. Es war, als hätte die örtliche Katzengemeinde zwei Seelsorger abgestellt, die dafür verantwortlich sind, dass wir während der Krankheit unseres Katers nicht völlig felin unterversorgt zurückbleiben.

Gestern dann, am Abend nach seinem Tod, haben sie den Posten scheinbar weitergegebn. In der Dämmerung saß plötzlich ein kleiner braungetigerter Kater vor der Tür, laut maunzend, und verlangte Einlass. Nachdem er den nicht bekam, hat er in der Hängematte im Garten genächtigt und sich heute laut schnurrend auf die erste Person gestürzt, die dumm genug war, das Haus zu verlassen.
Wir haben versucht, ihn draußen zu halten, sind aber an seiner absoluten Sturheit gescheitert – er ist ganz offensichtlich der Meinung, dass er jetzt hier bei uns wohnt. Zuerst hat er sich Zugang zur Werkstatt meines Vaters verschafft und ihm dort beim Umsortieren seines Werkzeugs geholfen. Danach hat er mir beim Schreiben Gesellschaft geleistet – auf meiner Schulter sitzend, mit einer lautstärke schnurrend, die man dem Winzling gar nicht zutrauen würde – um sich dann mit Jo auf die Couch zu fläzen und ein Stündchen fernzuschauen. Während ich das schreibe, liegt er hinter mir auf dem Bett und schläft den Schlaf der Gerechten. Wir haben schon Fotos gemacht, um sie aufzuhängen und herauszufinden, wem er wirklich gehört (er ist zu gut sozialisiert, um ein reiner Streuner zu sein) aber die Vehemenz, mit der der Zwerg sich hier einquartiert hat, ist unglaublich. Väterchen verglich es schon mit Love-Bombing, der hinterlistigen Manipulationsmethode mancher Sekten, mit der sie ihre Opfer durch eine großangelegte Zuneigungsoffensive gefügig machen. Es ist, mit einem Wort, verblüffend.

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