Von Nächstenliebe und Wölfen

Die letzten Tage arbeitet die heimische Überintelligenz anscheinend besonders stark daran, durch allumfassendes Vollidiotentum aufzufallen. Nicht nur unsere schmallippige Killerweiberbrigade ministert fröhlich der Apokalypse entgegen, nein: jetzt hat auch noch Hatsche die Nächstenliebe für sich entdeckt. Also, natürlich NUR für die Nächsten und nicht die Übernächsten natürlich, man muss ja nicht gleichübertreiben. Allernächstenliebe quasi:
http://diepresse.com/home/politik/nrwahl2013/1440779/Plakate_Strache-liebt-seine-Naechsten?_vl_backlink=%2Fhome%2Fpolitik%2Fnrwahl2013%2Findex.do

Meinen zweiten Mensch-geh-hin-und-erschieße-dich-vor-lauter-blöd!-Moment hatte ich, als ich zufällig die neue Sonntagskrone in die Finger bekommen und die Titelgeschichte gesehen hab. „Der Wolf kehrt zurück“ und dann, als Untertitel, sinngemäß: „Immer öfter werden Wölfe in Österreich gesichtet. Wie gefährlich sind sie?“*

Es geht in dem Artikel, dass es in Österreich mittlerweile sieben bestätigte Wölfe gibt, die sich hier angesiedelt haben, und dass früher oder später mit einer Wiederansiedelung zu rechnen ist. Was an sich ja ein beglückendes Thema ist: Ich bin als Kind mit dem Wissen aufgewachsen, dass es bei uns nie wieder Wölfe geben wird. Dass Wolfsgeheul in österreichischen Wäldern etwas Unwiederbringliches ist, etwas, um dass unser Land auf ewig ärmer sein wird.
Und dann stellt sich heraus: das war ein Irrtum. Manchmal kann die Welt doch heilen. Als ich vor ein paar Jahren vor den ersten Wolfseinwanderern gelesen hab, ich hab vor Freude geweint.

Die Krone sieht das ganze natürlich ein wenig… simpler.

Der Autor verbringt die ersten zwei Seiten dann damit, mit Andeutungen und offenen Fragen Panik zu schüren:
Aus allen Himmelsrichtungen schleicht der Wolf in unsere Wälder zurück! Sieben sollen es schon sein. Almbauern befürchten Schaf- und Kälberrisse. Auch die Rotkäppchen-Urangst lebt wieder auf.“

Mein besonderer Favorit ist aber: „In [2012] wurden etliche Lämmerrisse aus dem Karawankengebiet gemedet, wie selbst eingefleischte Wolfsschützer zähneknirschend zugeben müssen. Dazu kamen aber auch tödliche Angriffe auf’s Wild.“

Das muss man sich zuerst einmal auf der Zunge zergehen lassen. Tödliche. Angriffe. Auf. Wild. Weil, nämlich, dass ein Wolf einwandert, dass ist schon dreist genug. Dass er dann aber auch noch FRISST, was er und die seinen seit dem Anbeginn der Zeit gefressen haben, nämlich Bambis und Klopfers, das geht dann wirklich zu weit. Das kann man ja jetzt wirklich nicht mehr verantworten! Auch wird ein besorgter Jäger zitiert, der meint, der Wolf könnte im Winter ohnehin schon geschwächte Rehe von ihren Futterstellen fernhalten! Dunnerlüttchen aber auch! Sortiert dieser schurkische Hundling auch noch Kranke und Schwache aus und hält damit den Genpool gesund! Ganz abgesehen davon, dass mir schon mehr als ein Jäger erklärt hat, dass sie eben drum so viele Hirsche und Rehe jagen, weil es keine großen Raubtiere mehr geben, die den Wildbestand auf natürliche Art regulieren.
Ein paar Mal ist mir auch ein bitteres Lachen ausgekommen, wenn die Rhetorik zu sehr krone-esk wurde und ich mir einfach nicht mehr sicher war, ob er jetzt von Wildtieren oder von Asylanten redet – schließlich sei „ach dem Fall des eisernen Vorhangs in den osteuropäischen Wölfen die Wanderlust erwacht und man habe deshalb mit vermehrt Einwanderern zu rechnen.

Im allerletzten Absatz schließlich bemüht sich der Autor dann um ein Minimum an Ausgeglichenheit, in dem er zugibt, dass die Gefahr für Leib und Leben durch eine Wolfsattacke doch eher minimal ist und lässt sogar durchblicken, dass er selber das ganze Wolf-kehrt-zurück-Dingsi nicht so schrecklich finden würde. Und das, finde ich, macht den Artikel noch widerwärtiger als alles andere: der Eindruck, dass er persönlich vielleicht gar nichts gegen die Viecher hat. Aber dass das wurscht ist, sobald es darum geht, eine reißerische Story zu finden. Dass er es in Kauf nimmt, Angst zu schüren, es den Tierschützern noch schwerer zu machen, vielleicht sogar zu riskieren, dass irgendein kronelesender Idiot in vermeintlicher Selbstverteidigung und zum Gewehr greift…. all das, nur, damit seine Story reißerischer ist. Weil das offensichtlich die einzige Art ist, mit der die Krone heute mit einem Thema umgehen kann: mit aufgesetzter Hysterie, und Scheiß auf die Konsequenzen.

Einen ideologisch fehlgeleiteten Vollidioten könnte man vielleicht verzeihen.* Aber einem Journalisten, der nicht einmal aus Überzeugung schreibt, sondern dem einfach egal zu sein scheint, dass seine Worte Konsequenzen haben werden…? Nein. Ich glaube nicht.

*Also, unter Umständen. Wenn er sich entschuldigt. Und mehreren kleinen Kätzchen das Leben rettet. Vielleicht

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