Edinburgh, Tag 2

Ich habe heute im Dragoon-Museum die Feststellung gemacht, dass es einmal einen Mann namens Leutnant Colonel Sir Ranulph Twisleton-Wykeham-Fiennes* II, 3rd Baronet gegeben hat. Was er gemacht hat, ist mir nicht in erinnern geblieben, weil ich zu geblendet vom Glanz des Dreifach-Nachnamens war. Ich bin absolut versucht, einen Nachfahren aufzutreiben und ihm eine Scheinehe anzutragen.

Weiters hab ich mir die (zugegebenermaßen hochgradig touristische) Veranstaltung ‚The Scotch Whisky Experience‘ gegeben, dabei einen wirklich netten Ardbeg und einen Aberlour verkostet, die größte Private Whisky-Sammlung weltweit gesehen (ca 3400 verschiedene Flaschen) und gelernt, wie man anhand des Aussehens im Glas rückschließen kann, welche Form der Brennkessel hatte. Und dann hab ich noch zwei verschiedene Speysides käuflich erworben, die beide nicht exportiert werden und die man daher in Österreich nie in die Finger bekommen kann.

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Abendessen dann im „Elephant’s House“, wo unter anderem Ian Rankin, Alexander McCall Smith und J.K.Rowling gesessen und geschrieben haben. Die Toiletten sind ein Fan-Tribut an Harry Potter – jeder Zentimeter ist dort mit Zitaten aus den Büchern bekritzelt, oder mit Grüßen der Marke „Thank you für my childhood!“ Ich hab folglich beschlossen, dass mein neues großes Ziel im Leben ist, einmal für etwas Geschriebenes ein eigenes Tribut-Klo zu haben.
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Und dann gibt’s da noch das Phänomen, dass in der ganzen Stadt gotische Kirchengebäude nicht mehr der Kirche gehören und fromme Gotteshäuser sind… sondern als Konzerthallen, Theater und, in einem Fall, Indoor-Kletterparks genützt werden. Zum einen entspricht das irgendwiede allgemeinen Fairnessgedanken entspricht, weil die Dinger damals mit ziemlicher Sicherheit auf dem Rücken des Steuervolkes gebaut worden sind und es jetzt nur fair ist, dass auch Nicht-Katholiken etwas davon haben. Und zum anderen hat eine Kletterwand mitten in einem gotischen Prunkbau eine Coolness, die nur schwer zu erreichen ist.

AbUnd zuletzt: ich werd hier langsam nervös, weil die Leute hier so freundlich sind. Nicht japanisch wir-Grinsen-den-ganzen-Tag-freundlich, nicht Österreichisch wir-sind-freundlich-weil-wir-im-Gastgewerbe-arbeiten-aber-wollen-dich-eigentlich-tot-sehen-freundlich, sondernd einfach nur es-ist-doch-ein-netter-Tag-freundlich. Als Wiener erwartet man da instinktiv eine Falle. Sollte ich jemals in irgendeine Stadt nur wegen dem Gemüt seiner Bewohner ziehen – Edinburgh sammelt gerade schwerstes Punkte.

*Name korrigiert, weil Tippfehler, der der absoluten Klangschönheit Abbruch getan hat. Danke, Eli!

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5 Antworten zu Edinburgh, Tag 2

  1. Eli schreibt:

    Hm, genauer: Twisleton-Wykeham-Fiennes.

    Der aktuelle 3rd Baronet ist http://en.wikipedia.org/wiki/Ranulph_Fiennes mit 2 unverheirateten Söhnen http://www.thepeerage.com/p33638.htm (ganz unten: Alexander William,1971 & John Edward, 1973), und eine Menge Filmindustrie-Verwandten, u.a. http://en.wikipedia.org/wiki/Joseph_Fiennes (William Shakespeare in Shakespeare in Love) & http://en.wikipedia.org/wiki/Ralph_Fiennes (Lord Voldemort!), die aber ihre vollen Namen wohl nicht in den Credits anführen, und weiter weg und ohne korrekten Namen http://en.wikipedia.org/wiki/Hero_Fiennes-Tiffin (Tom Riddle).

    Good luck 😉

    • Sarah Wassermair schreibt:

      Warte mal – Riedle und Voldemort sind verwandt?!

      • Eli schreibt:

        Yup. Wir dachten der kleine Tom R. wäre nur ein Nachhall aus dem Tagebuch des Lords, aber:

        Fiennes-Tiffin is the son of film directors George Tiffin and Martha Fiennes. His sister and brother are Mercy (who played Little Georgiana in The Duchess (2008), with Keira Knightley as Adult Georgiana) and Titan Fiennes-Tiffin, while his uncles are actors Ralph Fiennes, who has played the adult Lord Voldemort since the fourth film and Joseph Fiennes.

        Sieht so aus als könnte Lord Voldemort nicht nur durch zerstückelte Seelen, sondern auch durch Verwandte leben! (Gut weil davon gibt’s im Buch eh keine mehr ..)

  2. miss_polkadot schreibt:

    Beste, sollte es mit obigen Herren nicht klappen, kann ich Dir einen Vorschlag machen: Ich verfüge über einen Doppelnachnamen, der aber in Österreich als einzelner gilt. Solltest Du also zumindest einen Dreifachnamen haben wollen, wäre eine Verpartnerung mit Doppelnamenregelung wohl möglich.
    Alternativ könnte ich nur meinen Bruder anbieten (der über den gleichen Namen verfügt) aber ich habe leichte ethische und moralische Bedenken ihn ohne seine explizite Zustimmung da so quasi zu verloben.
    Nur so als Alternative, das ganze – so schön wie Twisleton-Wykeham-Fiennes wirds dann doch nicht 😛

  3. Sarah Wassermair schreibt:

    Ausgesprochen großzügig! Ich komme bei Gelegenheit darauf zurück! (Also, auf die Verpartnerung – ich hätte ja auch irgendwie bedenken, meinen Bruder in Abwesenheit zwecks Namensaufwertung zu verloben.)

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