Eine kleine Brandrede für das Schultheater

Zur Wahl, liebe Freunde, sag ich gar nicht viel, außer… ernsthaft, Österreich? ERNSTHAFT? Peinlich wie erwartet.

Aber jetzt zum eigentlichen Thema…

Es ist ja amüsant, dass momentan zwei meiner arbeitsintensiveren Projekte fast gleichzeitig Premiere haben, das Dschungelbuch und Janus. Ich tu mir manchmal schwer, Leuten zu erklären, dass mir das kleine Schulmusical im exakt gleichen Maß wichtig ist wie die große Serie, dass ich auf eine gute Szene im einen genau so stolz bin wie auf eine gute Szene im anderen. Nicht nur, weil die Schreibqualität bei beidem stimmen muss, sondern auch, weil ich beide Medien für gleich wichtig halte.

Erstens, weil ich der Meinung bin, dass auch ein junges Publikum gute Geschichten verdient, mehr vielleicht noch als das alte. Zweitens, und fast noch entscheidender, weil ich Schultheater für essentiell halte, um junges Schauspieltalent so früh wie möglich zu finden und vor allem sich selbst finden zu lassen. Wie soll der nächste Brandauer denn wissen, was er drauf hat, wenn er es nie ausprobieren hat können? Am Ende findet er es sonst nie heraus, wird Bankbeamter und verbringt den Rest seines Lebens mit einer undefinierten Sehnsucht im Brustkorb. Oder er oder sie ahnt zwar, was diese Sehnsucht sein könnte, bringt aber ohne den zusätzlichen Schubs nicht den Mut auf, ihr zu folgen. Weil er oder sie an sich zweifelt und sich sagt: „Das ist doch blödsinnig, wieso sollt sich das grad bei mir ausgehen, wo so viele andere gescheitert sind?“
Stattdessen marschieren dann die Leute auf die Schauspielschulen, die nicht das Talent, sondern das Ego treibt. Ich bin überzeugt davon, dass einer der Hauptgründe für den exzeptionellen Geniale-Darsteller-Anteil aus Großbritannien daher kommt, dass Schul- und Jugendtheater dort drüben einen so großen Stellenwert hat.

Ich war gestern nochmal in Dachsberg, um mir auch die Zweitbesetzung des Dschungelbuchs anzuschauen. War faszinierend, weil sich die zwei Besetzungen halt teilweise extrem unterscheiden – die Figur, die in der einen Besetzung kränkelt, die brilliert dafür in der anderen, und umgekehrt. Denn bei einem Schülertheater hat man nun einmal eine sehr weite Bandbreite von Talent, von Enthusiastisch-aber-halt-nicht-ganz über Jupp-sehr–begabt-und-erfreulich bis zu Bist-du-deppert-da-wird-ein-Stern-geboren. Von letzterem gibt es meiner Meinung nach in der gesamten Produktion zwei – zwei junge Leute, die mit der entsprechenden Ausbildung auch auf den großen Bühnen des Landes Erfolg haben könnte. Und das, lasst mich euch sagen, ist ein verdammt guter Schnitt.

Und während man auf so einer Laienbühne, no na ned, viele eher… sagen wir mal: nicht besonders überzeugende… Dinge zu sehen bekommt, umso mehr stechen dann die Leistungen hervor, die sich vor keiner professionellen Bühne zu verstecken brauchen. Wenn ein Dachsberger Teenager eine Szene so spielt, wie sie gespielt gehört, dann macht er mich damit im exakt gleichen Maße glücklich wie seine erwachsenen Gegenparte im Hauptabendprogramm.

Und wenn er oder sie wirklich, wirklich gut ist…dann werd ich mir ihn oder sie bei Gelegenheit zur Seite nehmen und sagen: „Du, was hast du denn eigentlich so nach der Matura vor?“

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4 Antworten zu Eine kleine Brandrede für das Schultheater

  1. Leonardo schreibt:

    Sarah, der Talent-Scout. Gut so.
    Ich sehe auch sehr gerne Schul- und Jugendtheater und sage guten Spielern, was sie gut machen, aber ich habe noch keinem geraten, Schauspieler zu werden. Warum? Freunde von mir sind Schauspieler. Ein Beruf, zu dem man berufen sein muss. Ich scheue mich vor der Verantwortung, ein junges Talent zu einem harten, ungnädigen Beruf geraten zu haben.
    Ich äußere immer einen Wunsch: Hör nicht auf! Spiele auch nach der Schule weiter!

  2. Sarah Wassermair schreibt:

    Ich verstehe, was du meinst – glaub mir, das Dilemma hat mir schon schlaflose Nächte bereitet.
    Auf der einen Seite ist es , wie du sagst: Schauspiel ist ein VERDAMMT harter Beruf und eigentlich will man nicht verantwortlich sein, wenn sich jemand so etwas antut. Auf der anderen Seite war ich in einer ähnlichen Situation – kurz vor der Matura und mit der scheinbar illusorischen Sehnsucht nach einem harten, ungnädigen Beruf in der Kunstbranche. Wenn ich damals nicht einen älteren Freund gehabt hätte, der gesagt hat: „Doch, mach das, du kannst das!“, dann hätt ich mich niemals getraut, Drehbuch zu studieren und wir würden heute diese Unterhaltung nicht führen.

    Meine Zwischenlösung ist die, dass ich es bisher nur zu ganz wenigen Leuten gesagt hab, die ich a) für potentiell wirklich berufen halte und b) intelligent genug, zu wissen, dass der Job viele, viele Kilometer vom Zuckerschlecken entfernt ist. Ob das allerdings die richtige Herangehensweise ist oder ob in ein paar Jahren ein paar wirklich angepisste Jung-Schauspieler mit Fackeln und Heugabeln vor meiner Tür stehen…. ich hab keine Ahnung.

    • Leonardo schreibt:

      Haben Drehbuchautoren eigentlich etwas bei der Besetzung mitzureden?
      Bloß nicht antworten! Sonst haben die Jung-Schauspieler mit den Fackeln und Heugabeln möglicherweise einen guten Grund, um vor deine Tür zu ziehen… Andererseits wäre es eine Beruhigung für dein Gewissen, auch in der Zukunft noch etwas für die jungen Talente tun zu können…

      Aber ich glaube schon, dass deine Herangehensweise richtig ist. Du bist ja „vom Fach“ und damit ein guter Ratgeber. Und offensichtlich auch ein vorsichtiger.

      Ich bin auch froh, dass es diesen Freund gab, der mir im dritten Drittel meines Studiums geraten hat: „Mach das fertig, alles andere ist brotlos!“ (Seine Initialen sind E.R., du weißt, wen ich meine.)

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