Kleiner mitternächtlicher Tobsuchtsanfall

Die Bücher, die ich als Kind und Teenager ohne Zweifel am öftesten gelesen habe, wieder und wieder, bis mir die Seiten unter den Finger zerfallen sind, das waren die von Tamora Pierce. Noch heute besitze ich jedes neue Werk von ihr schon am Erscheinungstag, noch heute hole ich die Bücher (wenn auch leicht verschämt) immer dann heraus, wenn ich deprimiert bin und den Trost einer vertrauten Geschichte brauche.
Vor allem ihre Lioness-Serie, habe ich verehrt und verehre ich immer noch. Es geht darin um ein Mädchen, dass sich als ihr Zwillingsbruder verkleidet als Page in den Palast einschleust und es schließlich zu einem der wichtigsten Ritter des Reiches bringt.
Das war die erste Fantasyreihe, die ich je in die Finger bekommen hab, in der nicht ein Knabe loszieht und Abendteuer erlebt und die weiblichen Figuren maximal schmückendes Beiwerk sind. In der nicht die Hauptfigur ihre Ziele erreicht, in der sie auf irgendeine Art auserwählt und übernatürliche Weise begabt ist, sondern durch harte Arbeit und Sturheit. Und sogar die Liebesgeschichten mochte ich, vor allem, weil sie auf unglaublich schöne Art und Weise bodenständig waren. Die haben nichts mit dem hysterischen Hormonrausch zu tun, dem twilighteske Buchweibchen in dem Moment zu verfallen scheinen, in dem ein Sixpack den Raum betritt. Stattdessen suchen sich die Heldinnen von Pierce ihre Männer mit Bedacht aus, auf Sympathie und Kompatibilität der Interessen und auf politische Umstände. Es ist komplett klar, dass sie für ihre Lieben töten und sterben würden, aber das heißt nicht, dass sie irgendjemandem ergeben wären.

Eine der eindrücklichsten Szenen dazu ist, als Alanna in „The Woman Who Rides Like a Man“ den Heiratsantrag ihres langjährigen Geliebten ablehnt, weil sie weiß, dass ihr sonst das Leben einer Trophy Wife droht. Dem anderen Mann in demselben Buch sagt sie nur sinngemäß: „Du, ich bin nicht sicher, ob ich überhaupt jemanden brauche. Gib mir Zeit.“
Wir haben dazu eine erwachsene Frau als Hauptfigur, die gerade acht Jahre harter Kämpfe und körperlicher Herausforderungen hinter sich hat, und einen Plot, in dem es nur in dritter oder vierter Linie um die erwähnten Liebesgeschichten geht, während sie dich Handlung um Krieg und politisches Intrigenspiel dreht, um das Leben in der Wüste und um uralte und ziemlich tödliche Magie. Es die absolute, vollkommene, profunde Antithese zum dem Twilight-Schema, dass momentan die Regale der Jugendbuchabteilungen infiziert zu haben scheint wie eine besonders unschöne literarische Geschlechtskrankheit: „Mädel steht zwischen zwei Männern und braucht eine ganze fucking Reihe, bis sie sich entscheiden kann, ob sie eher auf dark-and-broody oder doch eher auf dark-and-hairy steht, während nebenbei noch irgendeine übernatürliche Handlung abgeht, die aber eh keinen interessiert“.

Und dann – und jetzt komme ich zum eigentlichen Grund meines Empörung – stolpere ich auf Amazon über eine Neuauflage, der man DIESES Cover angetan hat: http://www.amazon.de/Woman-Rides-Like-Lioness-ebook/dp/B002YPOS2K/ref=sr_1_3?ie=UTF8&qid=1380845471&sr=8-3&keywords=the+woman+who+rides+like+a+man

Wer immer Schuld an dieser coverösen Blasphemie trägt: mögest du einen exquisit unangenehmen Ausschlag an besonders intimer Stelle entwickeln und ihn nicht mehr losbekommen, eh du nicht deine Sünden einsiehst und zur Sühne jede einzelne Ausgabe dieser Auflage gefressen hast. Und zwar ohne Senf.

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