Trikolon

1. Ich gestehe – ich bin einer von diesen fürchterlichen Banausen, die nur sehr selten mit Performancekunst etwas anfangen können. Dafür ist mein Hirn irgendwie falsch geschaltet – ich versuche immer, Geschichten in einer Kunstform zu suchen, die fast per definitionem keine erzählen will, sondern im Augenblick existiert. Ich bin jetzt grade über folgendes Video gestolpert, das ein wunderschönes Mittelding darstellt: eine ganze Geschichte in einem Augenblick.
http://enpundit.com/former-love-surprises-artist-at-her-moma-retrospective-after-decades-apart/
Aber natürlich hab ich jetzt grad das Bedürfnis, einen Film darüber zu schreiben, der mit dieser Szene endet.

2. Es gibt ein Gedicht von Alfred Lichtenstein, das beginnt: Ein Nebel hat die Welt so weich zerstört. Ich hab heut wieder einmal so richtig verstanden, was er damit gemeint hat. Auf der Autobahn von Oberösterreich nach Wien war der Nebel immer wieder so dicht, dass ich irgendwann schon überzeugt war, dass außer uns vier niemand mehr existiert. Dass die Scheinwerfer der anderen Wagen nur moderne Irrlichter sind, und die Bäume nicht nur den Straßenrand begrenzen, sondern die ganze Welt. Es ist mir in Wien richtig schwer gefallen, die anderen drei gehen zu lassen – Michi zu seiner Freundin, Mama und Gerti zu dem Krankenbesuch, wegen dem sie in der Stadt sind – weil ein kleiner irrationaler Teil von mir behauptet hat, sie könnten sich ja auch im Nebeln auflösen und damit wär ich dann ganz allein auf der Welt.
Sogar jetzt noch kostet es mich Überwindung, sie nicht kurz anzurufen, um sicherzugehen, dass sie wirklich noch da sind.

3. Disney bringt eine Dornröschenversion heraus, in der die böse Fee die Titelheldin ist. Als eine Person, die Maleficent-Ohrringe besitzt und immer schon der Meinung war, dass die die einzige vernünftige Person in der ganzen Story ist: das könnte interessant werden. Oder absolut grauenhaft, was grad bei Disney natürlich auch immer eine Option ist. In den letzten Jahren gabs ja immer wieder einmal Anläufe, die Backgroundstory der klassischen Bösewichtinnen genauer zu durchleuchten, die von absolut genial (z.B. die Wicked-Romane von Gregory Maguire) über Hmpfhmpf (Once upon a Time) bis zu Oh-du-meine-güte-bitte-erschießt-jemanden (SnowWhite and the Huntsman, Oz) rangiert haben. Bin gespannt, wo auf der Skala dieses Machwerk landen wird.

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Eine Antwort zu Trikolon

  1. Pat Lind schreibt:

    ich fang normalerweise mit performancekunst auch recht wenig an, aber Marina Abramovic hat schon einige echt bemerkenswerte sachen gemacht. und das video hat gerade meine meinung über sie um eine facette bereichert, danke! 🙂

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