Thou and I are too wise to woo peaceably

Much Ado About Nothing war für mich ein ziemlicher Aha-Moment. Ich hab’s zum ersten Mal als Teenager gelesen, gerade in der Zeit, in der mich meine spitze Zunge dauern in Schwierigkeiten gebracht und von anderen Menschen entfremdet hat. Ich hatte noch nicht gelernt, sie im Zaum zu halten … oder mir ein Umfeld zu suchen, dass mit einer gewissen Sorte von Pointe umgehen kann. Stattdessen bin ich irgendwann zur Überzeugung gelangt, dass ich sowieso dauernd jemandem wehtue, wenn ich den Mund aufmache, und dass es folglich die verantwortungsvollste Politik wäre, von vornherein die gesamte Welt auf Distanz zu halten.*

Und dann: Auftritt Benedick und Beatrice. Ein Pärchen, das bei jeweils anderen die spitze Zunge nicht nur akzeptiert, nein – sie ist die Grundbedingung für alles, was danach kommt. Ihre bösartigen, intelligenten, wortgewaltigen Fetzereien sind genau das, was sie verbindet – weil sie wissen, dass nur sie sich auf dem Schlachtfeld der großen Klappe ebenbürtig sind, und niemand sonst. Keiner von den beiden entschuldigt sich auch nur an einer einzigen Stelle für eine Pointe, einen bösen Schmäh, eine besonders fiese Wendung… und das ist für alle Beteiligten am Ende komplett okay so. Bist du deppert, hat mich das Duo vielleicht fasziniert.

Heut Abend bin ich endlich dazu gekommen, mir die Whedon-Version anzuschauen, die der gute Mann mal eben als Urlaub nach den Avengers gedreht hat, mit einem Haufen Freunden und in seinem eigenen Haus. Der Film ist also aus purer Liebe zum Stück entstanden, aus Liebe zum Spiel, und das merkt man ihm an: ein leichtherziges Ding von lichtdurchfluteten Räumen, weißem Wein und Sommernächten, bei dem da moderne Setting die altertümliche Sprachpoesie des Orignals noch unterstreicht. Das Spiel ist, wie bei dem Cast zu erwarten, durch die Bank wunderbar, Fran Kranz als Claudio und Amy Acker als Beatrice haben mich besonders glücklich gemacht. Es ist nicht ganz meine Lieblingsversion des Stücks (die Ehre geht an die BBC-Neuerzählung mit Damian Lewis als Benedick und Sarah Parish als Beatrice), aber doch ziemlich nah dran.

*wie wahrscheinlich ein ziemlich erheblicher Prozentsatz aller Teenager in der Weltgeschichte

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6 Antworten zu Thou and I are too wise to woo peaceably

  1. Mountfright schreibt:

    Herrjeh – gut, dass Du es Dir nicht abgewöhnt hast. Wenn ich Shakespeare nicht schon aus ausreichend anderen Gründen lieben würde, dann dafür. 🙂

  2. Sarah Wassermair schreibt:

    Naja, zum Teil hab ich’s mir ja abgewöhnt – Teenagersarah hatte die meiste Zeit NUR den Kommunikationsmodus ‚Search and Destroy‘, und das ist dann doch nicht immer eine so gute Idee. Wenn mein dreizehnjähriges Ich diesen Blog führen würd, dann hätt der schon so viele Ehrrührigkeitsklagen am Hals, dass das Gericht gar nicht mehr nachkäm. 😀

    • Mountfright schreibt:

      13jähries Ichs… Du willst mein 13jähriges ich gar nicht kennen, geschweige denn, seinen Blog lesen (gut, dass es 1984 noch keine Blogs gab). Die Klagen die der am Hals hätte… 😀

  3. miss_polkadot schreibt:

    Beste, es handelt sich hierbei um einen wie immer wunderbaren Eintrag, allerdings fehlt das Sternchen für die Fußnote im Text. Ja, ich gebe zu, ich bin in dieser Hinsicht pedantisch, aber ich erinnere mich an eine Shampooflasche, wo auch ein 1er für eine Fußnote angegeben war, die Fußnote allerdings gefehlt hat. Jedes Mal hab ich unter der Dusche die Flasche wieder nach der fehlenden Fußnote abgesucht, in der Hoffnung, dass sie aufgetaucht sein könnte. In diesem Sinne:

    (Und bitte sei mir nicht bös für mein Nitpicking – ich bin da wirklich ein bisl komisch :-P)

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