Von Delphinen, Mäusen und Katern

Erstens: Ich muss ja wohl kaum erwähnen, dass ich das hier http://www.iflscience.com/plants-and-animals/scientists-translate-dolphin-whistles so cool finde, dass es schon fast jenseitig ist.

Zweitens:
Nachdem wir gerade einen Auftrag für eine Komödie-mit-fiesem-Tier-drin haben (und nope, mehr darf ich über das Projekt noch nicht erzählen) hatten der Groll und ich gestern die gloriose Idee, uns Gore Verbinskis ‚Mäusejagd‘ anzuschauen. Natürlich rein zu Recherchezwecken und so. Ich hab den Film als Kind gesehen und für außergewöhnlich erbaulich befunden, was also, oh hochverehrter Leser, kann da schon schief gehen?

Nichts außer der Tatsache, dass das definitiv keiner der Filme ist, die in Würde altern – vor allem nicht, wenn auch das Publikum in der Zwischenzeit erwachsen wird.

Nach fünf Minuten…
Sarah: „Hm.“

Nach zehn Minuten…
Jacob: „Hmhm.“

Nach fünfzehn Minuten…
Sarah: „Hmmmm.“

Nach zwanzig Minuten…
Jacob: „So wirklich viel gibt der nicht her, oder?“
Sarah: „Das heißt, wir müssen nicht fertig schauen!?“
Jacob: „Ich bitte darum.“
Sarah: „Gott sei Dank.“

Faszinierend auch, dass Gore Verbinski dann als nächstes ‚The Mexican‘ gemacht hat und dann ‚The Ring‘. Bitte, wer schaut sich eine mittelmäßige Slapstick-Komödie über ein putziges Nagetier an und denkt: „Uuuuuh! Den Regisseur, den brauchen wir dringend für The Ring! Genau seine Gasse!“ Nicht, dass es nicht funktioniert hätte, aber der Gedankensprung ist nicht unbedingt naheliegend. Aber wer weiß, vielleicht gabs ja im Ring-Drehbuch haufenweise untote Hamster, die mit ihren kleinen rostigen Hamsterrädern aus dem Fernseher rollen und Leute umbringen. Sind wahrscheinlich alle in der Postproduktion rausgefallen.

Drittens:
Nachdem jetzt schon mein Vater auf der Visite von einer Leserin* nach dem Wohlbefinden unseres Katers gefragt worden ist, dachte ich, es ist vielleicht Zeit für ein kleines Schlomo-Update. Er ist bei bester Gesundheit und wiegt mittlerweile stolze 4,7 Kilo – also in etwa das Gewicht, das ein ausgewachsener Kater einer anderen Rasse auf die Waage bringen würde. Nur natürlich, dass unser Held noch kilometerweit weg von ausgewachsen ist und sich noch mehr als verdoppeln kann. Was ein etwas gruseliger Gedanke ist.

DSC01706

Meine Familie ist sich ja selten bei etwas einig, aber in einem stimmen wir alle überein: der Kerl ist mit Abstand das intelligenteste Katzenvieh, das je einem von uns begegnet ist. Nicht nur versteht er einzelne Wörter** und reagiert darauf, er findet auch immer neue Wege, um mit uns zu kommunizieren. Wenn man zu ihm ‚Spielen?‘ in einem gewissen Tonfall sagt, rennt er beispielsweise sofort los und setzt sich auf den Teppich vor dem Schrank, auf dem wir die Schnur mit Papierstück aufbewahren. Wenn er seinerseits mit der Schnur bespaßt werden will, kommt er zu einem Familienmitglied, tappt ihn oder sie sanft mit der Pfote auf den Arm und schaut demonstrativ zum Schrank hin. Auf die Nachfrage ‚Spielen?‘ antwortet er dann mit einem bestimmten ‚Gruuu!‘ und einer kleinen Kopfgeste, die für ein menschliches Auge absurd nach Nicken aussieht. Neulich hab ich auf sein Antippen nicht gleich reagiert, also hat er mich mit beiden Pfoten am Oberarm genommen – ohne Krallen – und scheinbar versucht, mich so Richtung Teppich zu ziehen.

Neben seinem heiß geliebten Schnur-mit-Papier-Ritual kennt er auch noch mehrere andere Spiele, die er uns (oder wir ihm? Keiner weiß es) beigebracht hat – darunter zum Beispiel Fangen und Verstecken, nach denselben Regeln, nach denen man das auch mit einem menschlichen Kind spielen würde. (Im Fangen ist er verdammt gut, beim Verstecken scheitert er gelegentlich daran, dass ihm nicht klar zu sein scheint, dass er zwar seinen Kopf durchaus unter einer Decke verstecken kann, der Rest-Kater dann aber immer noch ins Freie ragt.)

Kuscheln und Gestreichelt-Werden interessiert ihn nicht im Geringsten – das lässt er über sich ergehen, wenn er gerade nichts Besseres zu tun hat, aber er versteht nicht ganz, wozu der Blödsinn gut sein soll. Dafür liebt er Gesellschaft und folgt einem durch’s Haus wie ein Hund. Wenn ich schreibe, dann legt er sich gerne auf’s Fensterbrett, den Kopf auf die Pfoten gebettet, und schaut mir zu. Stundenlang, geduldig, einfach nur zufrieden, weil ihm jemand Gesellschaft leistet. Hin und wieder unterhalten wir uns zwischendrin ein wenig, weil er auf Fragen antwortet und auch selber welche stellt – wenn ich beispielsweise beim Schreiben nicht weiterkomme und tief seufze, dann erkundigt er sich sofort gurrenderweise, ob eh alles in Ordnung ist. (Und dass, wenn mir ja offensichtlich auch fad ist, wir ja beide jetzt rübergehen könnten und eine Runde mit seiner Schnur spielen. Das hilft immer, laut Kater.) Sein Vokabular ist, zugegebenermaßen, beschränkt – aber wie Pratchetts Bibliothekar hat er dennoch nie Schwierigkeiten, die Grundaussage herüberzubringen.

* Liebe unbekannte Leserin, im Übrigen: Willkommen! Freut mich, dass Sie mitlesen!

**mit ein bisschen Herumprobiererei sind wir draufgekommen, dass es die Kadenz ist und nicht die Silben an sich. Er reagiert also nicht auf ‚Spielen‘ an sich, sondern auf die besondere Art, wie wir es aussprechen, wenn es als Aufforderung gemeint ist.

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