Gestern bei der Langen Nacht der Bühnen in Linz mit einem dreißigminütigen Bühnenmonolog vertreten gewesen, gespielt vom großartigen Julian Sigl.* Winzig kleines Bühnchen vor etwa zwanzig bis dreißig Leuten, aber denen scheint’s gefallen zu haben. Hoff ich wenigstens. Vielleicht haben sie aber auch einfach auf instinktiver, animalischer Ebene gespürt, dass meine Mutter bei beiden Aufführungen in der ersten Reihe gesessen ist – und dass folglich Nicht-Klatschen ihrem Überleben wirklich abträglich gewesen wäre. Wer weiß.

Ich für meinen Teil zumindest hab geliebt, was Jul mit dem Text angestellt hat, aber ich bin wahrscheinlich auch ein winziges, winziges bisschen parteiisch. Der wirkliche Bonus bei dem Projekt war für mich nämlich der Probenprozess, bei dem ich normalerweise ja nicht beteiligt bin. Hier hat mir Julian aber großzügigerweise erlaubt, ihm nicht nur beim Proben zuzuschauen, sondern auch noch Feedback zu geben. Zuzuschauen, wie er sich von Durchgang zu Durchgang die Figur erarbeitet hat, wie hier eine Geste dazugekommen, dort eine Emotion immer präziser wird, da aus einem hingeworfenen Halbsatz plötzlich eine schneidende Pointe wird – faszinierend. Durch und durch faszinierend.

Heute dafür** ein ruhiger, produktiver Arbeitstag in Oberösterreich. Ein Lied fertig bekommen, zwei noch einmal überarbeitet, ein eigentlich fertiges noch einmal (per mail an Jürgen) zurückgezogen, weil es doch noch nicht gut genug ist. Literarischer Höhepunkt des Tages ist wahrscheinlich die Strophe über den Barbaren, der ein so männlicher Mann ist, dass er die Streitaxt in seiner Brustbehaarung aufbewahren kann. (Ich hab nie behauptet, dass ich hier ERNSTHAFTE Dinge schreibe. Ich mag meinen Job.)

Dazwischen gab es Kirschen aus dem Garten, mehrere Tassen rauchigen Lapsang und eine sonnige Stunde, in der Mütterchen und ich irgendwo in einem Feld Kornblumen und Margeriten gepflückt haben. Mit einem Wort: ich kann mich wirklich nicht beschweren.

*Der ein Jahrgangskollege von mir in Dachsberg war – neben mir und einem Komponisten der dritte aus unserem Maturajahrgang, den’s in einen künsterlischen Beruf verschlagen hat. Was das über das Gymnasium sagt, dass bleibt jedem selbst überlassen.
** Oder vielleicht auch: deswegen. Die Arbeit mit guten Schauspielern

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